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Dax-Aufsichtsräte : VW-Chefkontrolleur Pötsch verdient am meisten

Hans Dieter Pötsch: Der Aufsichtsratschef von Volkswagen verdiente 900.000 Euro im vergangenen Jahr. Bild: Lucas Bäuml

Aufsichtsräte bekommen nur einen Bruchteil der Gehälter von Vorständen. Im vergangenen Jahr war der Unterschied im Dax besonders groß.

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          Während die Vorstandsgehälter im Dax im vergangenen Corona-Jahr auf ein neues Rekordhoch gestiegen sind, ist die Vergütung der Dax-Aufsichtsratsvorsitzenden 2020 erstmals seit fünf Jahren gesunken. An der Spitze der Rangliste der bestbezahlten Dax-Aufsichtsräte steht erstmals Volkswagen-Oberaufseher Hans Dieter Pötsch. Er bekam im vergangenen Jahr ein Salär von 900.000 Euro für seine Tätigkeit bei Volkswagen und löste damit den langjährigen Spitzenreiter Paul Achleitner ab; der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank folgt Pötsch nun auf Rang zwei mit einem Gehalt von rund 800.000 Euro.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Industriegasehersteller Linde zahlt seinem Chefaufseher Wolfgang Reitzle auf Rang drei noch knapp 680.000 Euro. Da Reitzle gleichzeitig noch Aufsichtsratschef beim Automobilzulieferer Continental ist, bekommt er insgesamt sogar 1,2 Millionen Euro für seine Kontrolltätigkeiten im Dax. Am Ende der Rangliste wurde den Aufsichtsratsvorsitzenden von Delivery Hero, Infineon und Beiersdorf noch gut 200.000 Euro bezahlt.

          Bezahlung in Satzung festgelegt

          Im Schnitt zahlten die 30 Dax-Konzerne ihren Aufsichtsratschefs laut der Analyse der Vergütungsberatung hkp rund 416000 Euro im vergangenen Jahr und damit 4,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die Dax-Vorstandsvorsitzenden erhielten im Schnitt rund 8,5 Millionen Euro – das ist mehr als das 20-Fache. Ein Jahr früher lag der Faktor noch bei 15. Dieser Anstieg ist sehr ungewöhnlich: Die Durchschnittsvergütung der Dax-Vorstandschefs ist im vergangenen Jahr aber wegen der beiden extremen Ausreißer Linde (53,4 Millionen Euro für Vorstandschef Steve Angel) und Delivery Hero (45,7 Millionen für Niklas Östberg) deutlich gestiegen.

          Bild: F.A.Z.

          Anders als Spitzenmanager im Vorstand, deren Gehälter inzwischen meist von aktienbasierten Langfristbestandteilen dominiert sind, werden Aufsichtsräte zunehmend wieder über ein reines Festgehalt bezahlt. Nur noch zwei Dax-Unternehmen zahlten im vergangenen Jahr (letztmalig) zusätzlich eine erfolgsabhängige variable Vergütung, Fresenius und Fresenius Medical Care. Die Aufsichtsräte von Linde und der Deutschen Bank werden auch in Form von (virtuellen) Aktien vergütet. Schon länger verschwunden ist die früher sehr weit verbreitete Kopplung der Aufsichtsratsvergütung an die Dividende, gegen die Anlegerschützer jahrelang gekämpft haben.

          Acht haben auf einen Teil der Bezüge verzichtet

          An den stark eingebrochenen Gewinnen der Dax-Konzerne im Zuge der Corona-Krise kann der Vergütungsrückgang der Aufsichtsräte also nicht liegen. Dass sie im vergangenen Jahr trotzdem weniger verdient haben, liegt laut der Studie vor allem daran, dass sie in der Pandemie freiwillig auf einen Teil ihrer Bezüge verzichtet haben. Acht der 30 Dax-Aufsichtsratsvorsitzenden haben so ein Zeichen gesetzt, meist haben sie auf Teile ihrer Festvergütung verzichtet (BASF, Beiersdorf, Continental, Daimler, Deutsche Bank und HeidelbergCement), teils auf Sitzungsgelder für bestimmte Sitzungen (Infineon, Daimler, MTU Aero Engines).

          Aufsichtsratsvorsitzender von gleich zwei Dax-Konzernen: Wolfgang Reitzle leitet die Kontrollgremien von Linde und Continental
          Aufsichtsratsvorsitzender von gleich zwei Dax-Konzernen: Wolfgang Reitzle leitet die Kontrollgremien von Linde und Continental : Bild: dpa

          Die Bezahlung der Aufsichtsräte wird in der Satzung von den Aktionären festgelegt. Von diesem Jahr an muss auf den Hauptversammlungen regelmäßig über die Aufsichtsratsgehälter abgestimmt werden: bei jeder Änderung, mindestens aber alle vier Jahre. Doch das dürfte auch künftig reine Formsache bleiben. Anders als die Vorstandsgehälter – bei denen Aktionäre schonmal rebellieren – erregen die Aufsichtsratsgehälter so gut wie nie die Gemüter.

          Plenum tagt häufiger

          Die Arbeitsbelastung der Kontrolleure ist in der Pandemie laut der Untersuchung der Vergütungsberatung hkp gestiegen: Das gilt zumindest, wenn man das Arbeitspensum an der Zahl der Sitzungen bemisst. Waren früher oft nur vier Sitzungen des Plenums im Jahr üblich, so trafen sich die Aufsichtsratsgremien der Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr im Schnitt neun Mal in ihrer Gesamtheit, im Jahr zuvor waren es lediglich sieben Sitzungen des Plenums. Die Spannweite ist hier freilich groß: Während sich die Kontrollgremien einiger weniger Dax-Unternehmen wie Henkel, Fresenius und Merck weiterhin nur vier Mal getroffen haben, saßen die Aufsichtsräte von Delivery Hero 27 Mal gemeinsam im Plenum. Hinzu kommen bei fast allen Dax-Aufsichtsratsgremien zahlreiche Sitzungen der Ausschüsse, in denen der Großteil der Arbeit vorbereitet und erledigt wird.

          Die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Aufsichtsrats: Simone Bagel-Trah
          Die einzige Frau an der Spitze eines Dax-Aufsichtsrats: Simone Bagel-Trah : Bild: dpa

          Weiterhin rückläufig ist die Ämterhäufung: Es gibt mittlerweile niemanden mehr, der vier verschiedene Dax-Aufsichtsratsmandate gleichzeitig wahr nimmt. Früher war das keine Seltenheit. Jeweils drei Aufsichtsratsmandate haben noch Michael Diekmann (Allianz, Fresenius, Siemens), Simone Menne (BMW, Deutsche Post, Henkel) und Margret Suckale (Telekom, HeidelbergCement, Infineon). Der Frauenanteil in den Kontrollgremien steigt weiter über die seit fünf Jahren gesetzlich vorgeschriebene Mindestquote von 30 Prozent hinaus: Mittlerweile sind 39 Prozent der Dax-Aufsichtsräte weiblich. Allerdings sitzen auf den Chefposten der Kontrollgremien fast nur Männer. Lediglich bei Henkel hat es mit Simone Bagel-Trah eine Frau auf den Posten des Aufsichtsratschefs geschafft.

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