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Einmaliger Vorgang : Vertrauter Qatars muss Aufsichtsrat der Deutschen Bank verlassen

Ansicht der Deutsche Bank Unternehmenszentrale in Frankfurt Bild: Frank Röth

Jürg Zeltner ist im Hauptberuf Chef und Miteigentümer von KBL, einem Wettbewerber der Deutschen Bank. Dieser Interessenkonflikt ist der Kontrollbehörde zu gravierend. Doch womöglich ist der wahre Grund ein anderer.

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          Die Europäische Bankenaufsicht zeigt dem Emirat Qatar als Großaktionär der Deutschen Bank Grenzen auf. Jürg Zeltner, den Qatar für den Aufsichtsrat ausgewählt hat, muss dem Vernehmen nach auf Drängen der Aufsicht sein Mandat in der Deutschen Bank niederlegen – angeblich wegen gravierender Interessenkonflikte, die sich ergeben, weil Zeltner bei einem Wettbewerber der Deutschen Bank, der Luxemburger Bank KBL, Eigentümer und Vorstandsvorsitzender ist. Allerdings könnte es auch darum gehen, mit diesen eher formal-juristischen Argumenten Qatars Rolle in der Deutschen Bank aus politischen Gründen zu beschneiden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Entscheidung der Aufsicht ist jedenfalls gefallen: „Das Thema ist durch. Es geht jetzt nur noch darum, wie Zeltner gesichtswahrend herauskommt“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag einen „Insider“. Beobachter können sich nicht erinnern, dass es einen solchen Vorfall schon einmal gegeben hat. Es wird nun erwartet, dass die Deutsche Bank in der kommenden Woche reagiert und einen neuen Kandidaten für den Aufsichtsrat anstelle von Zeltner mitteilt. Der war schon zum Aufsichtsratsmitglied bestellt, die Hauptversammlung im kommenden Jahr hätte dem jedoch noch zustimmen müssen.

          KBL befindet sich im Wettbewerb mit der Deutschen Bank um Superreiche

          Die Prüfung von Aufsichtsräten durch die Bankenaufsicht findet in der Regel abseits der Öffentlichkeit statt. In Zeltners Fall war das offensichtlich anders. Als die Deutsche Bank am 15. August mitteilte, Zeltner sei als Aufsichtsrat nominiert, sickerte schnell durch: Die Aufsicht fühlt sich brüskiert, weil die Deutsche Bank sie nur „zwischen Tür und Angel“ über den neuen Aufsichtsrat informiert habe. Die Bankaufseher witterten Interessenkonflikte, hieß es etwa Anfang September in der F.A.Z. Die Deutsche Bank argumentierte, seine Interessenkonflikte seien klar angezeigt worden, allein schon durch die Charakterisierung Zeltners als „nicht unabhängiger Aufsichtsrat“. Mit Zeltners Interessenkonflikten ließe sich umgehen ähnlich wie mit denen des früheren Deutschland-Chefs des Wirtschaftsprüfers PwC, Norbert Winkeljohann, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank an der Wahl des Abschlussprüfers nicht mitwirkte, wie der Geschäftsbericht zeigt. Die Deutsche Bank teilte zudem zu Zeltner mit: „Seine Interessenkonflikte wurden vom Nominierungsausschuss geprüft und als gering eingeschätzt.“

          Das sieht aber eben die Bankenaufsicht ganz anders. Zeltners Hauptarbeitgeber KBL verwaltet 73 Milliarden Euro an Kundengeldern und befindet sich im Wettbewerb um Superreiche mit der Deutschen Bank, die etwa drei Mal so viel verwaltet. Vielleicht aber abseits des Formaljuristischen noch wichtiger: KBL gehört mehrheitlich dem Emirat Qatar. Die Quataris sind auch über zwei Investmentvehikel mit mindestens 6,1 Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Ihr bisheriger Vertrauter, der Rechtsanwalt Stefan Simon, ist inzwischen vom Aufsichtsrat in den Vorstand der Deutschen Bank gewechselt. Zeltner sollte Simons Nachfolger sein. „Nun sind die Quataris am Zug, einen neuen Kandidaten zu nennen“, hieß es am Donnerstag in Finanzkreisen. Fortsetzung folgt wahrscheinlich spätestens kommende Woche.

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