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Waffenmesse : Aufschwung im Krisengebiet

Martialische Leistungsschau: Messebesucher in London Bild: dapd

In London präsentiert sich die internationale Rüstungsbranche auf der Waffenmesse DSEI. Die Branche wittert neue Geschäftschancen durch die arabischen Volksaufstände.

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          Das Kriegsgebiet liegt mitten in London – aber kein Schuss fällt, kein Blut fließt, keine Granaten detonieren. Hier wird um Aufträge gekämpft: Die Waffenmesse Defense & Security Equipment International (DSEI), die diese Woche in der britischen Hauptstadt stattfindet, zählt zu den wichtigsten Branchentreffen der internationalen Rüstungsindustrie. Die Hersteller präsentieren in einem Messezentrum im Osten von London Waffen und Ausrüstung, vom Kampfstiefel bis zum Schützenpanzer. Vor dem Haupteingang parkt die Attrappe eines Kampfjets vom Typ F35, im Hafenbecken hinter den Hallen liegen mehrere Kriegsschiffe vor Anker. Rund 1400 Aussteller aus 46 Ländern sind vertreten: eine martialische Leistungsschau, an der auch deutsche Konzerne wie Rheinmetall, Diehl, Krauss-Maffei Wegman, Daimler und MTU teilnehmen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Anzeigen in der waffenstarrenden Messezeitschrift sind unverblümt. „Wir haben dich erwartet“, wirbt der schwedische Hersteller Saab für eine neue Luftabwehr-Waffe. Über der Zeile sieht man in der Ferne ein Flugzeug am Himmel, eingekreist vom Zielsucher des Raketenwerfers. In den Ausstellungshallen treffen sich Uniform und Nadelstreifen. Am Stand des britischen Waffenriesen BAE Systems informiert sich eine türkische Militärdelegation. Nebenan erläutert ein Mitarbeiter des EADS-Konzerns japanischen Offizieren die Vorzüge des Kampfhubschraubers Eurocopter.

          Die Militärs finanzieren eine gewaltige Industrie. Das Internationale Friedensforschungsinstitut in Stockholm (Sipri) schätzt die globalen Militärausgaben auf rund 1,2 Billionen Euro im Jahr – das ist mehr als die Wirtschaftsleistung Spaniens. Am Eröffnungstag besuchte der britische Verteidigungsminister Liam Fox die Londoner Messe. Er sei „stolz darauf“, dass sein Land der zweitgrößte Waffenexporteur der Welt ist, sagte der Brite. Deutschland ist die Nummer drei.

          Gezeigt, wie fragwürdig Rüstungsexporte sind

          Die Aussteller auf der DSEI sehen unter anderem die Volksaufstände in Libyen und anderen arabischen Ländern als Geschäftschance. In den traditionellen Märkten in Europa und den Vereinigten Staaten dagegen sind die goldenen Jahre vorüber. Nach einem Jahrzehnt rasanter Aufrüstung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 regiert inzwischen in vielen Verteidigungsbudgets der Rotstift. Aber im arabischen Raum werde es nach den jüngsten Umwälzungen mehr Nachfrage geben, erwartet EADS-Vorstand Stefan Zoller: „Dort werden jetzt neue Staatswesen geschaffen. Das wirft natürlich auch Sicherheitsfragen auf.“ Der Deutsche leitet die Rüstungssparte Cassidian des Luft- und Raumfahrtkonzerns, die ihren Sitz in Unterschleißheim hat.

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