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Auf einen Espresso : Selber schlau

Bild: F.A.Z.

Alles ist gut, wenn wir nur Breitband haben? Seien Sie mal ehrlich: Das glauben Sie doch selbst nicht, oder?

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          Alles ist gut, wenn wir nur Breitband haben? Seien Sie mal ehrlich: Das glauben Sie doch selbst nicht, oder? Umso bemerkenswerter, wie Dorothee Bär in ihrem neuen Amt als Staatsministerin für Digitales aufgenommen worden ist. Als sie im Fernsehinterview nach Breitbandanschlüssen gefragt wurde – für die sie nicht einmal zuständig ist –, da antwortete sie, dass es ja auch noch andere Themen gebe, zum Beispiel die Entwicklung von Flugtaxis. Schon ergoss sich auf Twitter, dem Ort, an dem sich die Netzgemeinde zu Hause fühlt, übler Spott. Es ist eine bemerkenswerte Ironie.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jahrelang haben die deutschen Politiker versucht, ihr Digitalversagen mit den Breitbandanschlüssen zu überspielen. Wie kann man Innovationskraft fördern? Wäre digitale Bildung nötig? Wo kommt denn mal ein europäisches Start-up her, das so erfolgreich wird wie Google oder Amazon? Alle Fragen hatten eine Antwort. Alexander Dobrindt sagte: Wir bauen Breitbandanschlüsse! Keine Frage, Anschluss ist wichtig, und mehr Breitband wäre besser, Deutschland ist hier auf der Stufe eines Entwicklungslandes. Aber jahrelang hat die Bundesregierung die Deutschen nur mit dem Breitbandthema gefüttert, jahrelang haben sich die Deutschen damit abspeisen lassen – und jetzt fordern sie noch mehr von dieser dünnen Suppe.

          Warum zahlen uns Facebook und Google nicht?

          Es gibt viel zu tun. Das ist mehr als eine Binse und das weiß auch jeder, der mit diesen Angelegenheiten vertraut ist. Ständig fragen wir uns zum Beispiel, ob die Internetfirmen nicht zu groß und zu mächtig geworden sind. Dieser Tage war Fiona Scott Morton zu einer Tagung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, sie war einige Jahre Kartellwächterin in Amerika, arbeitet jetzt wieder an der Universität in Yale – und schreibt darüber nichts. „Wir wissen alle einfach noch zu wenig“, findet sie.

          Ein paar gute Fragen hat sie trotzdem schon: Warum zum Beispiel müssen uns Google und Facebook nicht alle unsere Daten aushändigen, damit wir die zu anderen Firmen mitnehmen können? Bisher erfahren wir nur, was wir eingegeben haben. Aber wo wir geklickt haben, also unser tatsächliches Verhalten – das erzählen uns die großen Internetfirmen nicht. Und noch eine bessere Frage: Warum sind Google, Facebook und all die anderen Seiten eigentlich nur kostenlos? Wenn unsere Aufmerksamkeit den Konzernen so viel wert ist, dass sie da teure Werbung verkaufen können – vielleicht könnten sie ihren Nutzern dann sogar etwas bezahlen? Ein bisschen Geld für jedes Status-Update? Ein paar Cent für jedes Instagram-Foto? Ein Kollege von ihr hat sogar eine zentrale Plattform vorgeschlagen, auf der sich die Centbeträge ansammeln könnten, bis sich die Auszahlung lohnt. Los geht’s, wer gründet die?

          Nicht mit dünner Suppe abspeisen lassen

          Vielleicht könnten wir einfach mal anfangen, uns nicht mit Dobrindts dünner Suppe abspeisen zu lassen, sondern selbst zu kochen. Weniger die Technik anderer Länder regulieren und mehr Technik entwickeln. Weniger darüber nachdenken, wie viele Stunden unsere Kinder am Smartphone hängen – und mehr darüber, wie wir ihnen den Umgang mit der Technik beibringen. Der Programmierkurs ist der Nachfolger des Experimentierkastens!

          Wenn man sich nämlich fragt, warum der Wohlstand auf der Welt trotz aller Computer nicht schneller wächst, kommt man bald auf eine Antwort: Die Menschen nutzen die Computer einfach noch nicht richtig. In den Unternehmen, die mit der Technik gut umgehen, wachsen Produktivität und Löhne. In den anderen nicht. Auch das sorgt dafür, dass in vielen Ländern die Ungleichheit wächst. Für den Wohlstand sind nicht die Millionengehälter der Vorstände das wichtigste Thema, sondern die Milliarden, die man mit guten Entwicklungen verdienen kann.

          Während Sie diesen Espresso schlürfen, läuft in Austin die Digitalkonferenz „South by Southwest“. In Texas zeigt die innovative Welt ihre Entwicklungen und, ja, sie diskutiert auch, wie man Künstlichen Intelligenzen Ethik beibringen kann. Vor zwei Jahren war eine Regierungsvertreterin da: die Technik-Chefin von Präsident Obama. Die bat um Hilfe, den Staat voranzubringen – und sie wurde nicht mit Hohn überschüttet, sondern mit Angeboten. Bisher schneidet Amerika im Technikrennen gar nicht schlecht ab. Dabei sind die Vereinigten Staaten mit Breitbandanschlüssen noch schlechter ausgestattet als Deutschland.

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