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Auf einen Espresso : Lieber mit Kindern arbeiten

Bild: F.A.Z.

Nicht mehr mit Kindsköpfen arbeiten: Das wünscht sich sogar die IWF-Chefin. Aber ob es mit Erwachsenen wirklich besser ist?

          2 Min.

          Es ist ja nicht immer leicht, sich in die Welt der Mächtigen hineinzudenken, der Staatenlenker, die an einem runden Tisch über das Schicksal ganzer Völker entscheiden. Nach den Griechenland-Verhandlungen aber wusste wahrscheinlich jeder, wie sich Christine Lagarde fühlte, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, als sie aus dem Verhandlungsraum kam und sagte: „Es ist jetzt das dringendste, dass wir wieder zu einem Dialog mit Erwachsenen kommen.“

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber ob sie damit recht hat? Ist es mit Erwachsenen wirklich immer leichter? Gucken wir uns doch mal eine Landsfrau von Christine Lagarde an, die französische Umweltministerin Ségolène Royal. Die wollte etwas sehr erwachsenes tun und rief zum Boykott von Nutella auf. Immerhin steckt darin Palmöl, und der Anbau von Palmöl schädigt den Regenwald. Blöd nur, dass sich ausgerechnet Greenpeace auf die Seite des italienischen Nutella-Herstellers Ferrero schlug. Der produziert sein Palmöl nämlich in ökologisch ganz korrekten Plantagen. Royal musste sich entschuldigen. Die einzigen, denen das ganze wirklich genutzt hat, waren die Kinder italienischer Politiker. Die dürfen jetzt nämlich demonstrativ Nutella-Brote und Nutella-Pfannkuchen essen.

          Mit Kindern ist es gelegentlich sowieso leichter. Die sind ja auch kleiner und brauchen deshalb kleinere Koffer– ein weithin unterschätzter Vorteil, den Kinder gegenüber Erwachsenen haben, den uns aber der Internationale Luftfahrtverband gerade mal deutlich gemacht hat. Der hat nämlich beschlossen, dass das Handgepäck in Flugzeugen künftig kleiner werden soll. Aber es hielt nicht lang. Nach acht Tagen hat der Verband die Idee wieder zurückgenommen. Wie das halt gelegentlich so ist mit den Ideen von Erwachsenen. Gell, Frau Royal? Und hallo, Herr Dobrindt!

          „Twitter ist wie Blackberry“

          Dann doch lieber mit dem Nachwuchs arbeiten, mag sich da eine Frau aus Wismar gedacht haben. Jedenfalls hat sie ihre Zeugnisse gefälscht und ließ sich von mehreren Bundesländern als Lehrerin einstellen. Jetzt muss sie einen sechsstelligen Betrag an Gehältern zurückzahlen und bekommt zwei Jahre Haft auf Bewährung. Vielleicht wäre es ihr mit einer anderen Richterin besser ergangen. Die wollte nämlich auch lieber mit ihren Kindern zu tun haben. Doch der Erwachsene im Zeugenstand war noch nicht fertig, und sie musste zwei SMS schicken, damit sich andere Leute um die Kinder kümmern konnten. Jetzt ist höchstrichterlich entschieden: Wer so eine Richterin hat, bekommt den Prozess noch mal. Was glauben Sie, wie froh der Angeklagte dieser Richterin über die Kinder ist?

          Und wer jetzt noch nicht von Kindern und Kindsköpfen überzeugt ist, der gucke sich Twitter an, das ernsthafteste und erwachsenste unter allen Sozialen Netzwerken. Seit Monaten kursiert ein Zeitschriftenauszug durchs Netz, dem zufolge Twitter bei einer 17-Jährigen unbeliebt ist, denn die 140 Zeichen langen Kurznachrichten sind ihr „zu textlastig“.

          Tatsächlich wächst Twitter nicht so richtig, der Chef muss gehen, der Gründer übernimmt die Stelle wieder. Ein Harvard-Professor bezeichnet Twitter schon als „Blackberry der sozialen Medien“. Und was mit dem Erwachsenen-Spielzeug Blackberry passiert ist, wissen wir ja.

          Also: Schützen wir unsere Jugend! Darum ein großer Dank an die Jugendschutzbehörde, die die deutschen Gesetze knallhart durchsetzt und jugendgefährdende Geschäftemacher zur Not per Gericht verfolgt. Also die Online-Buchhändler, die nicht berücksichtigen, dass jugendgefährdende E-Books nur zwischen 22 und 6 Uhr verkauft werden dürfen.

          Zugegeben, es mag wirksamere Methoden geben, Kindern etwas gutes zu tun. Ganz vorne dabei ist ein Forscherteam, das kürzlich festgestellt hat, dass Schokolade die Gesundheit fördert: nicht nur das schwarze Bitter-Kakaozeugs, sondern braune, süße Milchschokolade. Wenn noch ein paar Forscher diese Studie bestätigen, wird Kindererziehung in den nächsten Jahren deutlich leichter.

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