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Auf einen Espresso : Drohnen über Deutschland

Bild: F.A.Z.

Warum bringt Deutschland keine bekannten Internetfirmen zustande? Diese Woche haben wir’s gesehen.

          2 Min.

          Wundern Sie sich auch gelegentlich darüber, dass Amerika immer solche bekannten Internetfirmen zustande bringt wie Google oder Facebook und dass das in Deutschland partout nicht klappt? In der vergangenen Woche haben wir ganz deutlich gesehen, woran das liegt.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Pakete mit Drohnen ausliefern: Das war eine Idee, die Amazon-Chef Jeff Bezos Anfang der Woche angekündigt hat. Ein kühner Plan, keine Frage, und noch weit weg von der Verwirklichung, wie Bezos selbst einräumt. In vier oder fünf Jahren könnte es vielleicht so weit sein, sagt Bezos, und klingt dabei selbst nicht ganz sicher. Viele Leute waren skeptisch, ob das überhaupt so leicht geht – aber die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. In Amerika sprach Microsoft-Gründer Bill Gates. Er nannte den Plan zwar „sehr optimistisch, vielleicht sogar überoptimistisch“. Aber er sagte auch: „Es ist toll, dass Menschen solche Träume haben.“ Und: „Es wäre phantastisch, wenn wir in die Nähe kommen könnten, für viele Produkte.“

          Und was sagt Deutschland zu der Idee? Fragen wir doch mal die Deutsche Flugsicherung. „Ein PR-Gag“, findet deren Sprecherin. „Ich kann’s mir nicht vorstellen.“ Bevor die Drohnen fliegen könnten, bräuchten sie Genehmigungen von drei unterschiedlichen Behörden.

          Während Amerika entwickelt, klären Deutschlands Behörden ihre Zuständigkeit

          Deutschlands Behörden klären also noch voller Elan ihre Zuständigkeiten, während in Amerika der Paketdienst UPS auch über den Einsatz von Drohnen nachdenkt. Google stellt derweil den Erfinder seines Handy-Betriebssystems dafür ab, Roboter zu entwickeln. Ein anderes Projekt, das einst sehr futuristisch klang, ist inzwischen schon sehr viel näher an der Realität als früher. Googles selbstfahrende Autos haben schon vor einiger Zeit die Gesetzgeber in den ersten Bundesstaaten genehmigt.

          Amerikas technische Übermacht reicht wenigstens nicht überall hin. Seit Donnerstag wissen wir ja auch, dass der Geheimdienst NSA die Bewegungen von mindestens 100 Millionen Handys verfolgt hat. Das an sich kann niemanden mehr überraschen, aber immerhin wurde in diesem Zusammenhang auch deutlich, dass die NSA die vielen Daten gar nicht mehr verarbeiten konnte.

          Viel zu verarbeiten hat auch die große Koalition. Und zwar an kritischen Stimmen zur Rente. Selten fanden so viele Menschen eine politische Idee so unisono schlecht. Es gibt ja kaum noch jemanden, der sich noch nicht öffentlich über die Ausgabenorgie von Union und SPD geärgert hat: der Sozialbeirat der Bundesregierung, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am Donnerstag kam auch noch Kritik von der Rentenversicherung selbst. Inzwischen zweifelt sogar der Wissenschaftliche Dienst im Bundestag an der Geschichte. Für die Wohltaten braucht die große Koalition ja Geld. Dafür will sie eine Rentenbeitragssenkung aussetzen – aber ob das dieses Jahr überhaupt noch verfassungsgemäß geht, ist höchst fraglich.

          Bei so großen Summen verliert man halt leicht den Überblick. Das mag auch anderen so gehen als der Bundesregierung. Ob zum Beispiel in der Deutschen Bank noch irgendjemand auswendig weiß, für wie viele Sünden der Vergangenheit noch Strafen warten? Vielleicht muss das auch gar keiner wissen. Von den Deutschen scheint es kaum jemanden zu interessieren. Wenn Google Suchanfragen nach den Vorlieben seiner Nutzer vervollständigt, dann ergänzt es „Deutsche Bank“ immer noch schnell mit „Karriere“, aber ganz selten mit „Skandal“ oder „Strafe“.

          Überblick ist überbewertet. Gucken wir uns doch mal die Bitcoins an. Die sind an manchen Tagen morgens 1200 Dollar wert, mittags 800 und abends wieder 1100. Keiner weiß, was da passiert. Die Aufs und Abs sind noch viel heftiger als auf den Währungsmärkten, die Banker vielleicht auch manipuliert haben. Und keiner weiß, was da passiert. Vielleicht lohnt es sich doch mitzumachen. Bitcoins kann man sich auf dem eigenen Computer generieren, das heißt „schürfen“. Es ist kompliziert und dauert lange, aber mit der Arbeit ist ja der Computer beschäftigt. Und es kostet nichts, deshalb ist das Risiko überschaubar. Wer jetzt noch einsteigt, könnte vielleicht die ersten Bitcoins geschürft haben, solange der Kurs hoch ist. Vielleicht lassen wir Deutschen uns ja wenigstens so dazu bewegen, von neuer Technik ein wenig zu profitieren.

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