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Auf einen Espresso : Die Welt in Kinderhände

Hat Herbert Grönemeyer recht damit, dass die Welt in Kinderhände gehört? Das vielleicht nicht, aber beachtlich ist es schon, mit welchen Vorschlägen ein elf Jahre alter Junge die Probleme in Griechenland lösen will.

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          Von welchem Alter an beginnt Politikverdrossenheit? Ab wann interessiert man sich nicht mehr für die großen Themen, die das Welt- und das Wirtschaftsgeschehen bestimmen? Bei Kindern im Alter von rund zehn Jahren jedenfalls ist das Phänomen nicht zu beobachten. Wahlplakate werden in der Regel mit größtem Interesse kommentiert, die Wahl des neuen Bundespräsidenten nach der einleitenden Frage: „Wer ist eigentlich dieser Gauck-Typ?“ höchst interessiert verfolgt. Und jetzt das: Griechenland sollte die Europäische Währungsunion verlassen, die Drachme wiederbeleben und Strafen für alle einführen, die die neue Währung umgehen wollen. Das ist nicht etwa die Analyse eines angesehenen Volkswirts oder ein Plan von Politikern in Europa, sondern der Vorschlag eines elf Jahre alten Jungen aus den Niederlanden, der sich mit seinen Ideen um einen hochdotierten Wirtschaftspreis, den Wolfson-Preis, beworben hat.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Es geht dabei um 200.000 britische Pfund. Die Teilnehmer an der Ausschreibung sollten sich Gedanken darüber machen, wie es wirtschaftlich in Europa weiter vorangehen kann, selbst wenn ein einzelnes Land aus der gemeinsamen Währung austreten sollte. Der Junge, der sich in das Teilnehmerfeld gewagt hat, heißt Jurre Hermans. Gewinnen wird Jurre den Preis nicht, das steht schon fest. Aber in dieser Woche erhielt er für seine Bewerbung einen Geschenkgutschein in Höhe von 100 Euro als Anerkennung.

          Eine Tauschmaschine und Strafmechanismen

          Ich mache mir ziemlich viele Sorgen um die Eurokrise und schaue mir täglich die Nachrichten im Fernsehen an“, schrieb Jurre in seiner Bewerbung: „Die Euro-Krise ist ein großes Problem. Und ich versuche, Lösungen ausfindig zu machen.“ Wenn es aber Kinder wie Jurre gibt, die so früh beginnen, sich Sorgen um Europa zu machen, muss einem um die Zukunft unserer Wirtschaftsregion in der globalisierten Welt vielleicht doch noch nicht bange werden.

          Was hat Jurre vorgeschlagen? Die Griechen sollten die Eurozone verlassen und eine „Tauschmaschine“ nutzen, um ihre Euro in neu auszugebende griechische Drachmen zu tauschen. Die eingesammelten Euro würden dann von der Regierung genutzt, um Staatsanleihen in Euro zurückzuzahlen. Im Bewusstsein, dass sich Unternehmen und Privatpersonen wohl gegen das Halten der Drachme wehren, weil sie drastisch an Wert verlieren werde, schlägt Jurre Strafmechanismen vor. Jeder, der Euro verstecke, solle bis zum Doppelten des Werts der Euro an Strafe zahlen. „Auf diese Weise stellen wir sicher, dass alle Griechen ihre Euro zu einer griechischen Bank bringen und die Regierung alle Schulden zurückzahlen kann“, schrieb der Junge.

          „Die Welt gehört in Kinderhände“

          So einfach kann die Welt sein. Wie schon Herbert Grönemeyer sang: „Die Welt gehört in Kinderhände.“ Denn manchmal sind die Erwachsenen reichlich einfallslos. Das hat sich auch diese Woche wieder gezeigt. Ein Nachtflugverbot für 17 Flüge in Frankfurt? Der undifferenzierte Reflex der Industrie: „Ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Nun ja: Ist es nicht vielmehr so, dass Waren aus Deutschland, die in der Welt ein jeder haben will, mit pfiffigen Logistiklösungen auch weiterhin ihren Weg in dieselbige finden werden? Die Deutschen müssen nur kreativ genug bleiben, solche Produkte wieder und wieder zu erfinden und zu perfektionieren. Dafür, das ist wahr, braucht die Wirtschaft Luft zum Atmen.

          Dass das immer wieder gelingt, hat in dieser Woche ein kleines Unternehmensjubiläum gezeigt: Den Softwarekonzern SAP gibt es nun schon 40 Jahre. Er hat das Arbeiten in den Unternehmen schon in jungen Jahren revolutioniert - und tut dies mit neuen Ideen in einem sich schnell verändernden Umfeld weiterhin.

          Noch etwas: Lieber Herr Röttgen, wenn Sie Nordrhein-Westfalen im Falle einer Wahlniederlage schon nicht von der Oppositionsbank aus erleben wollen: Schauen Sie doch wenigstens das Kind auf Ihrem Wahlplakat an - und nicht weg. Das haben die Kinder in Nordrhein-Westfalen nicht verdient.

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