https://www.faz.net/-gqe-7bdfj

Auf einen Espresso : Chaos auf der Autobahn

Bild: F.A.Z.

Auf der Autobahn liegen Geldscheine. Aber das ist nicht das einzige Chaos: Wer versteht schon noch, was mit der NSA los ist? Die britische Hitzewelle? Oder die Gefahren von Kräutertee?

          Wären wir doch mal am Donnerstagabend nicht so früh nach Hause gefahren! Die Sonne lockte, aber was haben wir verpasst! Ein bisschen später lagen Hunderte Geldscheine über die Autobahn verstreut - gleich an der Raststätte. Die Autofahrer, die dann vorbeikamen, hielten an und sammelten die Scheine ein. Es muss ein tolles Bild gewesen sein. Bald kam auch die Polizei. Sie behielt den Überblick. Und stellte fest, dass die ganzen Scheine Falschgeld waren.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gut, wenn irgendwer noch den Überblick behält. Es ist ja wirklich nicht mehr leicht. In Fragen von Geheimdiensten und Abhöraffären zum Beispiel. Microsoft, Google, Facebook, Blackberry, selbst normale Briefe - ist überhaupt noch eine Kommunikationsform frei vom Abhören? Ist das Abhörprogramm „Prism“ jetzt nur eins, gibt es zwei verschiedene, macht die ganze Nato mit oder nur die Amerikaner? Der Bundesnachrichtendienst jedenfalls weiß offenbar nicht richtig Bescheid. Und erzählt Dinge, die ein paar Stunden später vom Verteidigungsminister korrigiert werden.

          Jetzt ahnen wir, wie sich der amerikanische Geheimdienst mit all den vielen gesammelten Daten fühlen muss: völlig überwältigt, überschwemmt von Informationen, sieht man das Wesentliche nicht mehr. Wir drücken nur die Daumen, dass er gute Auswertungsprogramme hat. Bessere jedenfalls als Amazon, das seit der letzten Geschenke-Bestellung ständig die falschen CDs und Bücher zur Bestellung vorschlägt.

          Die Internetaktivisten sind auch schon ganz kirre

          Die Internetaktivisten sind auch schon ganz kirre. Vor lauter Abhöraffäre haben sie ganz übersehen, dass sie eigentlich gegen eine zweite Affäre protestieren müssten. Die geschieht gerade in Brüssel. Denn es kann passieren, dass Daten im Internet unterschiedlich schnell durchgeleitet werden.

          Das alte Wort Daten-Autobahn, jetzt müssen wir es doch noch mal bemühen. Dort ist das Chaos groß, die Netze sind immer verstopft. Jetzt wollen Firmen wie die Telekom Vorrangspuren einführen. Dann dürften die Filme, die man bei der Telekom anguckt und bezahlt, auf der linken Spur durch, und die Filme von Youtube müssten auf der rechten Spur im Stau stehen. Im April hat die Telekom das vorgeschlagen, und die Internetaktivisten haben einen Proteststurm angefacht. Das sei gegen die „Netzneutralität“, sagten sie. Doch diese Woche haben sie einen herben Rückschlag erlitten: Die EU will die Mehrspurpolitik jetzt doch zulassen. Der Proteststurm bleibt allerdings aus. Warum regt sich jetzt keiner mehr auf? Gehört die Telekom plötzlich zu den Guten, weil sie aus Europa kommt? Sind alle im Urlaub, die sich auskennen? Oder sind sie mit der Spionageaffäre so beschäftigt?

          Vielleicht ist die Ruhe ganz gut. Soll die Telekom ruhig ihre unterschiedlichen Spuren einrichten. Was ist schon schlimm daran? Da ist das Internet wie der Supermarkt: Rewe verkauft auch Wurst und Kaffee unter eigener Marke, dafür sind andere Marken aus dem Sortiment gefallen. Das ist kein Problem, solange Rewe kein Monopol hat. Dann können unzufriedene Kunden zu Edeka gehen.

          Ein Vorschlag zur Güte: Gedrosselt wird der Datenverkehr der NSA, einverstanden?

          Die schlimmen Gefahren lauern sowieso dort, wo sie niemand vermutet. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Kräutertee krebserregend ist? Das Bundesinstitut für Risikobewertung selbst hat jetzt davor gewarnt, zu viel davon zu trinken. Vor allem Schwangere und Kinder seien gefährdet. Wobei das Bundesinstitut jetzt wahrscheinlich auch nicht begeistert wäre, wenn die Kinder massenhaft auf Cola ausweichen. Apfelsaftschorle ist auch nicht gut für die Zähne. Da liegt das kleine Problem: Die Liste der Gefahren-Lebensmittel ist auch schon wieder unübersichtlich lang. Wer auf alles verzichtet, was irgendwie mal ungesund werden kann, der kann bald gar nichts mehr trinken.

          Und das kann richtig gefährlich werden. Denn wer nichts trinkt, der trocknet bald aus - jetzt, wo es noch mal wärmer wird. In Großbritannien warnt der Wetterdienst sogar schon vor einer gefährlichen Hitzewelle. Auf der Insel kann es bis zu 32 Grad heiß werden.

          Weitere Themen

          „Wohnen ist keine normale Ware“ Video-Seite öffnen

          Mieterbund gegen Profitgier : „Wohnen ist keine normale Ware“

          Auf dem Deutschen Mietertag in Köln hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch zu einem Mietendeckel geäußert. Mietervertreter fordern aber, ein solches Instrument zu prüfen – und schicken mahnende Worte hinterher.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.