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Auf einen Espresso : Spaß mit der Telekom

Die Telekom strahlt den Neptun-Brunnen in Berlin an. Bild: dpa

Deutschland mit schnellem Internet zu versorgen, das ist aufwändig und teuer. Vielleicht müsste es nicht ganz so schwierig sein.

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          Wir haben uns ja an den Satz gewöhnt: Deutschland mit schnellem Internet zu versorgen, das ist aufwändig und teuer. Vielleicht muss die Bundesregierung sogar ihre Telekom-Aktien verkaufen, um das zu finanzieren. Da wundert sich zwar mancher Privatanleger, dass man mit dem Gegenwert von Telekom-Aktien überhaupt irgendetwas finanzieren kann – aber wir haben uns gemerkt: Der Breitbandausbau in Deutschland, der ist halt schwierig. Vielleicht aber müsste es gar nicht so schwierig sein.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ihr Barista hatte in den vergangenen Monaten das Vergnügen, den Breitbandausbau in Deutschland aus der Nähe zu erleben. Die Aufgabe war nicht allzu kompliziert: Nicht etwa im Odenwald oder auf der Mecklenburgischen Seenplatte, sondern direkt vor den Toren Frankfurts entstand ein Neubaugebiet, die neuen Häuser sollten einen Glasfaseranschluss bekommen – es gab noch nicht mal Straßen, die man aufreißen musste. Das Bauunternehmen aber verzweifelte so lange an den diversen Telekom-Hotlines, bis es einfach mal vorsorglich Leerrohre in die Erde legte. Strom, Wasser, Fernwärme – alles war da. Der wichtigste Anschluss für die moderne Zivilisation aber, der fehlte.

          Ein Kabel ohne Daten

          Erst nachdem die ersten Bewohner ihre neuen Domizile bezogen hatten, traten tatsächlich Techniker auf den Plan. Die Neuankömmlinge versichern glaubhaft: Die Techniker legten in die vorhandenen Leerrohre eigene Leerrohre und verschwanden dann wieder. Dass sie vorher noch die Hauptstromleitung zum Baugebiet kappten und den ganzen Bau aufhielten, gut, das war Pech.

          Wochenlang geschah nichts. Dann kamen tatsächlich Glasfaserkabel in einzelne Häuser. Ein Internetanschluss? Weit gefehlt! Da lag nur das Kabel – Daten durfte es nicht transportieren. Danach geschah wieder wochenlang nichts. Dann kamen andere Techniker und änderten etwas an den Glasfaserkabeln. Warum das nicht der erste Techniker erledigen konnte, warum dazwischen Wochen vergingen: für den Laien war das nicht ersichtlich. Der Laie hörte nur die Klagen der Techniker: Die haben für jeden Besuch 70 Kilometer Anfahrt, sie sehen mehrere Straßen voller Neubauten, von der Telekom haben sie aber immer nur den Auftrag für ein oder zwei Häuser, dann müssen sie wieder zurückfahren und an einem anderen Tag wiederkommen.

          Eine Rechnung ohne Anschluss

          Da ist viel schiefgegangen, möchte man sagen. Das sagen aber die Festnetz-losen Bewohner des Baugebiets nicht. Sie haben immer wieder mit den diversen Hotlines der Telekom telefoniert und festgestellt: Aus Sicht der Zentrale ist das alles gar nicht so außergewöhnlich. Unisono bereiten die Call-Center-Agenten die Hausbewohner darauf vor, dass es eine weitere Verzögerung geben wird: Erst wenn der letzte Techniker da war, das letzte Kabel angeschlossen ist, dann muss noch mal Zeit vergehen. Schließlich müssen bei der Deutschen Telekom, Herrin über die schnellsten Glasfaseranschlüsse Deutschlands, die Abteilungen und Subunternehmer einander erzählen, dass der Anschluss jetzt liegt. Und das kann ein paar Wochen dauern.

          Schon klar, schon klar. Klagen über die Deutsche Telekom sind ungefähr so originell wie Klagen über Zugverspätungen. Schon in den Neunzigern bestritten Verbrauchersendungen ganze Rubriken mit dem „Spaß mit der Telekom“. Seit ein paar Jahren sind ihre Service-Leistungen aus der Öffentlichkeit verschwunden. Dieses Praxisbeispiel wirft ein Schlaglicht darauf, dass es vielleicht nicht nur am besseren Service liegt. Vielleicht würde es helfen, das Management des Glasfaserausbaus zu überarbeiten. Oder per Konkurrenz das Geschäft zu beleben. Zwei Mitglieder der Monopolkommission, Jürgen Kühling und Achim Wambach, haben erst am Freitag in der F.A.Z. eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie das funktionieren kann. Der Barista findet sie sehr bedenkenswert.

          Eines macht die Telekom übrigens weiterhin zuverlässig: Sie bucht die monatliche Grundgebühr für die alten Anschlüsse ab, für einen Service, den sie nicht erbringt. Später wird das Geld wieder gutgeschrieben. Die Hotlines sagen, wiederum unisono: Die Monatsrechnungen für die Internet-lose Zeit zu unterbrechen, das wäre zwar sinnvoll. Aber die Telekom-Computer sehen diese Möglichkeit nur vor, wenn die Kunden ihre Telefonnummer aufgeben.

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