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Auf deutschen Autobahnen : Im Stau

Staus haben auch ihre schönen Momente. Bild: ddp images/Oliver Lang

Die Deutschen kommen aus den Sommerferien zurück – und stehen erst einmal im Stau. Das nervt und kostet unglaublich viel Geld.

          Albtraum Stillstand: An diesem Wochenende gibt es auf Deutschlands Autobahnen wieder kilometerlange Staus. „Eines der heißesten Rückreise-Wochenenden des Jahres“ hat der ADAC vorhergesagt: In Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und in Teilen der Niederlande enden die Sommerferien. Vor allem auf den klassischen Nord-Süd-Achsen stockt der Verkehr, also auf der A1, der A3, der A5 und der A9. Mehr als 360 Autobahn-Baustellen verschärfen das Problem zusätzlich.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch nach den Ferien wird es nicht besser – im Gegenteil. Vor allem an den Autobahnbrücken gibt es dann neue Baustellen. Den Prognosen zufolge ist im September und Oktober mit rekordverdächtigen Blech-Warteschlangen zu rechnen. Schon im Jahr 2013 hatte der ADAC in Deutschland 830.000 Kilometer Stau gemessen: zwanzigmal um die Erde oder einmal zum Mond und zurück. Im Durchschnitt stand jeder Deutsche voriges Jahr rund 60 Stunden im Stau.

          Eine nervige Angelegenheit für Autofahrer – vor allem aber auch eine unglaubliche wirtschaftliche Verschwendung: Mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr dürfte uns das Verkehrschaos in Deutschland kosten, nach manchen Schätzungen sogar 300 Milliarden – so viel wie der Bundeshaushalt. Das sagt der Verkehrsexperte Gottfried Ilgmann, der gemeinsam mit dem Journalisten Günter Ederer ein ganzes Buch über das Problem geschrieben hat: „Deutschland im Stau – was uns das Verkehrschaos wirklich kostet“ erscheint im September. Die Rechnung berücksichtigt die 4,7 Milliarden Stunden, die alle Deutschen zusammen pro Jahr im Stau stehen, statt etwas Produktives zu machen. Außerdem Produktionsausfälle von Unternehmen, verlängerte Anreisezeiten von Handwerkern, alle Umwege, die Kosten staubedingter Unfälle und fehlerhafte Infrastruktur-Investitionen.

          Die Ursachen für die Staus sind dabei selten so spektakulär wie die 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe, für deren Sprengung vergangene Woche die Autobahn 3 am Frankfurter Flughafen komplett gesperrt wurde. „60 bis 70 Prozent aller Staus entstehen durch reine Überfüllung der Straßen“, sagt Michael Schreckenberg, Physiker und Stau-Experte an der Universität Duisburg-Essen. Man spricht in diesen Fällen auch vom „Stau aus dem Nichts“. Die übrigen Staus entstünden vor allem durch Unfälle und Baustellen. Nur etwa zwei Prozent seien „wetterbedingt“ – im Winter durch Schnee, im Sommer durch Regen. Oder (auch nicht zu unterschätzen) durch die tiefstehende Sonne.

          Deutschlands Stauzentren

          „Stau aus dem Nichts“

          Der „Stau aus dem Nichts“ funktioniert dabei so: 1500 bis 1800 Autos je Stunde und Spur verkraftet eine Autobahn – danach ist sie überfüllt. Dann bremst ein Auto aus irgendeinem Grund – schon ein alter Eimer am Fahrbahnrand reicht oder ein Wagen mit Warnblinklicht auf dem Standstreifen. Der nachfolgende Fahrer sieht das und bremst stärker. So setzt sich die Stauwelle fort, bis die hintersten Autos stehen. Je weniger Abstand die einzelnen Autos hatten, desto schneller geht das.

          Mehr als 1.600 Kilometer Autobahn sind laut ADAC bereits chronisch überlastet – bis zum Jahr 2025 wird ein Anstieg auf 2.000 Kilometer erwartet. Schließlich nimmt der Verkehr weiter zu: Laut Verkehrsministerium rechnet man bei Pkw bis 2030 mit einem Anstieg um 13 Prozent, bei Lastwagen um fast 40 Prozent.

          Zugleich ist der Ausbau der Autobahnen ein mühsames Geschäft. Schuld ist der „Autobahnkommunismus“, wie das umständliche Planungsverfahren von Verkehrsexperte genannt wird. Stets kommt es zu Interessenkonflikten zwischen den Durchreisenden, die mehr Autobahn wollen, und Anliegern und Umweltschützern, die das verhindern möchten.

          So kommt es, dass mancher Planer in den Behörden sein ganzes Berufsleben an einem Stück Autobahn plant – und in den Ruhestand geht, ohne dass es fertig wurde. Musterbeispiel ist die A 66 von Frankfurt nach Fulda: Der Bau von rund 100 Kilometern Autobahn hat dort fast 50 Jahre gedauert – die letzten vier Kilometer sollen im Herbst freigegeben werden.

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