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Audi-Chef Rupert Stadler : „Die Zeit im Stau wird künftig produktiver“

  • Aktualisiert am

Rupert Stadler Bild: AFP

Neue Antriebe vernetzen die Autobranche mit Energieunternehmen der Informationstechnologie. Aber für den Audi-Chef bleibt Mobilität vor allem individuell.

          Herr Stadler, Audi ist seit vielen Jahren ein Sponsor des World Economic Forum in Davos. Die Veranstaltung gibt sich den Anstrich, die Welt verbessern zu wollen. Aber geht es nicht tatsächlich nur um die Anbahnung von Geschäften in Hinterzimmern?

          Überhaupt nicht. Das könnte man doch auf direktem Weg sehr viel besser erreichen. Die persönlichen Begegnungen auf allen Ebenen, die auf dem WEF möglich sind, haben über die Jahre zu einer Vertrauenskultur mit herausragenden Persönlichkeiten aus der Politik und Wirtschaft sowie NGOs aus der ganzen Welt geführt. Wir brauchen eine solche Vertrauenskultur und einen engen Dialog angesichts der aktuellen Herausforderungen der Finanz- und Schuldenkrise mehr denn je. Und dieser Austausch entsteht in Davos in einer sehr offenen und intimen Atmosphäre.

          Auf den Podien wird aber durchaus manche Schaufensterrede gehalten ...

          ... Sie müssen einzelne „Big Statements“ von den Ergebnissen der Treffen und Gespräche unterscheiden, die nicht auf großer Bühne stattfinden. Da bekomme ich ein Gefühl dafür, wie die Welt tickt, was die Politiker umtreibt und vor allen Dingen zu kommenden Trendthemen. Es ist wie eine Frischzellenkur für das Gehirn.

          Angetrieben werden die Gäste in Davos in jedem Fall von Audi-Fahrzeugen, da Ihr Unternehmen die entsprechenden Geländewagen und Limousinen für die Veranstalter zur Verfügung stellt. Die Größe der Fahrzeuge scheint dabei aber nicht recht zum Umweltanstrich zu passen, den sich das Weltwirtschaftsforum gibt, oder?

          Die Größe eines Autos ist per se kein Negativkriterium. Wir werden zur diesjährigen Veranstaltung Audi-Modelle mit Sechszylindermotoren mitbringen, die trotz ihrer Größe nur knapp 170 Gramm Kohlendioxid ausstoßen. Das schafft mancher Kleinwagen nicht.

          Im Gegenzug gibt es dann eine nette Werbewirkung?

          Wir sind schon seit über 20 Jahren in Davos dabei. Zu Beginn gehörte Audi noch nicht zum Klub der Premium-Marken. Davos ist wegen der winterlichen Verhältnisse zum Weltwirtschaftsgipfel ein gutes Pflaster, um die Überlegenheit des quattro-Allradantriebs unter Beweis zu stellen. In einem Jahr strauchelte der Dienstwagen des damals amtierenden Bundeskanzlers an einem stark verschneiten Hang. Unser A8 mit Allrad hat ihn dann doch pünktlich zu seinem Abendevent befördert ...

          Sie sprachen ja schon davon, dass das Forum sich auch um Details wie den Schadstoffausstoß Ihrer dort eingesetzten Autos kümmert. Noch fahren dort keine Elektroautos vor. Aber grundsätzlich gilt dieser Antrieb spätestens seit der vorletzten IAA in Frankfurt als besonders zukunftsträchtig...

          In den kommenden 20 Jahren werden wir das Automobil und die Mobilität neu definieren. Es geht ja nicht nur um modernste Antriebstechnologien, sondern auch um die Einbindung des Autos in Kommunikationsnetze. Wir müssen auf beiden Feldern intensiv arbeiten und damit auch investieren. Das wird in der ersten Produktgeneration noch nicht zu positiven Ergebnisbeiträgen führen, ist aber für die Zukunftsfähigkeit unserer Branche unerlässlich. Hinzu kommt, dass es auch wichtig ist, die dazu nötige Energie regenerativ zu erzeugen. Im anderen Fall blieben wir auf halbem Weg stehen und handelten weder effizient noch nachhaltig.

          Das mag alles so sein, aber wir fragen uns, ob eine Industrie, die ordentlich Geld verdient, da letztlich nicht auch nach mehr staatlichen Subventionen ruft?

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