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Attestor : Was hat der neue Investor mit Condor vor?

Neuer Investor gefunden: Ein Flugzeug der Gesellschaft Condor Bild: dpa

Die staatlich gestützte Ferienfluggesellschaft präsentiert einen Investor, der die Mehrheit übernehmen will. Attestor hat einen Drei-Stufen-Plan, neue Flugzeuge gehören dazu.

          4 Min.

          „Condorianer“ – aus dem Mund von Friedrich Andreae klingt das Wort, das die Beschäftigten des Ferienfluggesellschaft Condor für sich verwenden, noch etwas holprig. „Das muss ich noch üben“, sagt Andreae. Und Zeit dafür dürfte sein. Andreaes Arbeitgeber, der Vermögensverwalter Attestor, wird neuer Mehrheitseigner der staatlich gestützten Condor. Gerade eine Stunde waren die Verträge unterzeichnet, als Andreae über den Fortbestand aller 4050 Condor-Arbeitsplätze sprach.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass das Wort Condorianer noch holpert, dürften Piloten und Flugbegleiter ihm nachsehen. Von Attestor hatten viele von ihnen bislang wohl auch nicht gehört. Dabei gibt es Attestor seit 2012, gegründet wurde die Gesellschaft vom Deutschen Jan-Christoph Peters. Beteiligungen im Wert von etwa 5,5 Milliarden Euro zählen nach eigenen Angaben zum Portfolio.

          Condor ist das aber erste Engagement in der Luftfahrt für den Vermögensverwalter mit Sitz in London, der sich auf Unternehmen in Umbruchphasen spezialisiert hat. Im Tourismussektor sei man aber schon aktiv, hebt Andreae hervor. So hält Attestor 12 Prozent am Autovermieter Europcar Mobility Group, ist dort drittgrößter Aktionär. Auch Hotels in Italien und den Niederlanden zählen zum Portfolio.

          Geld für neue Flugzeuge

          Mit 200 Millionen Euro frischem Eigenkapital will Attestor 51 Prozent an Condor übernehmen. Der Rest liegt vorerst weiter bei der SG Luftfahrtgesellschaft, die seit dem Abschluss des Condor-Schutzschirmverfahrens die Anteile als Treuhänder verwaltet und als Sicherheit für einen Hilfskredit an die staatliche KfW-Bank verpfändet hat. Attestor hält aber eine Option, auch den Rest zu übernehmen. Weitere 250 Millionen Eigenkapital will Attestor zur Erneuerung der Langstreckenflotte beisteuern, die in die Jahre gekommen ist.
          „Die Verträge sind von allen Beteiligten verbindlich unterschrieben, die Arbeitsplätze sind gesichert“, ist Condor-Chef Ralf Teckentrup erfreut.

          Daran waren zuletzt wieder Zweifel aufgekommen, da sich die Corona-Pandemie länger als vom Condor-Management erwartet hinzieht. Ein 550-Millionen-Euro-Hilfsdarlehen der KfW aus dem April 2020, für das der Bund und das Land Hessen Garantien gaben, war zur Überbrückung der härtesten Krisenphase gedacht.

          Trotz vieler Sparbemühungen geht es nach zwölf Monaten zur Neige, 256 Millionen Euro waren ohnehin für die Tilgung einer vorherigen Hilfe zu verwenden. „Ein Kredit vom Bund und dem Land Hessen ist von endlicher Natur“, räumt Condor-Chef Teckentrup ein. Doch aktuell ziehen nach langer Flaute die Buchungen an. Man habe Gespräche mit Investoren gesucht, der Kontakt mit Attestor soll Anfang Januar zustande gekommen sein.

          „Dreimal k.o.“

          Dass Condor gut ins Portfolio passe, sieht Andreae schon dadurch belegt, dass das Management trotz einer Serie der Rückschläge nicht aufgegeben habe. Die Fluggesellschaft war im Herbst 2019 durch die Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook in Bedrängnis geraten. In einem ersten Bieterverfahren setzt sich die staatliche polnische Luftfahrtholding PGL, Muttergesellschaft der Airline Lot, durch.

          Mit der Corona-Pandemie geriet Lot selbst in Bedrängnis, wollte an geschlossenen Verträgen nicht mehr festhalten.  Die lange Phase der Einschränkungen war die nächste Last. „Wenn man dreimal k.o. geschlagen wird und immer noch steht, zeugt das von der Qualität des Unternehmens“, sagt Andreae über Condor.

          Trotz des bevorstehenden Kapitalzuflusses bleibt der Staat, der für Hilfsdarlehen der staatlichen KfW-Bank Garantien gab, bei Condor vorerst involviert. „Der Bund und das Land engagieren sich weiter, das KfW-Darlehen wird strukturiert und angepasst“, sagte Condor-Finanzchef Christoph Debus, der für die Fluggesellschaft die Investorenvereinbarung federführend verhandelt hat. Wie groß die Kreditsumme ausfällt, lässt er offen. Das hänge auch vom Ausgang der Beihilfegenehmigung durch die EU-Kommission ab. Doch Condor werde „einen großen Teil“ des bisherigen Darlehens bald zurückzahlen.

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