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Sicherheitsprüfungen : Frankreich schaltet leistungsstärkste Atomkraftwerke ab

Viele französische Kernkraftwerke werden gerade überprüft. Bild: AFP

Erst gab es in einem AKW Fehler in der Nähe von Schweißnähten. Nun werden weitere Reaktoren überprüft.

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          An diesem Samstag wird das französische Kernkraftwerk Chooz für knapp fünf Wochen vollständig vom Netz genommen. Schon am Donnerstag hatte der staatliche Betreiber EDF einem der beiden Blöcke den Stecker gezogen, die an der Grenze zu Belgien stehen und mit je 1450 Megawatt zu den vier leistungsstärksten Reaktoren in Frankreich zählen. Insgesamt verfügt das Land über 56 Reaktoren mit insgesamt 61. 370 Megawatt Leistung. Den französischen Stromverbrauch decken sie zu rund 70 Prozent.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Grund für die Abschaltung sind technische Fehler in der Nähe von Schweißnähten im Kernkraftwerk Civaux im Westen des Landes. Sie wurden im Rahmen einer Inspektion festgestellt – zunächst beim ersten, seit August schon heruntergefahrenen Reaktor, dann auch beim zweiten, im November außer Betrieb genommenen Reaktor.

          In beiden Anlagen sollen die Bauteile nun ausgetauscht werden, teilte EDF diese Woche mit – was den Stillstand der beiden Reaktoren mit ebenfalls je 1450 Megawatt Leistung bis Ende März und Ende April verlängert. Dabei sollte ursprünglich zumindest Civaux 2 kommende Woche wieder ans Netz gehen.

          „Erhöhte Wachsamkeit“

          Damit eben nicht genug. Weil in den typähnlichen Druckwasserreaktoren von Chooz ähnliche Probleme auftreten könnten, hat sich EDF „vorsorglich“ auch zu deren Abschaltung und Überprüfung entschlossen. Unterm Strich steht ein ungeplanter Ausfall von fast 6000 Megawatt Leistung. Und das lässt in dreierlei Hinsicht aufhorchen: Zum einen, weil es ein Schlaglicht wirft auf die von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als zuverlässig gepriesene Atomenergie, die er kräftig ausbauen will.

          Hinzu kommt der ungünstige Zeitpunkt: Erst Ende November hatte der französische Stromnetzbetreiber RTE zu einer „erhöhten Wachsamkeit“ mit Blick auf die Versorgungssicherheit in diesem Winter aufgerufen. Die Pandemie beeinflusse weiter die Wartungspläne. Ein besonderes Risiko sieht RTE im Januar und Februar. Schließlich gehen, drittens, Ende dieses Jahres drei weitere deutsche Kernkraftwerke mit insgesamt rund 4000 Megawatt Leistung vom Netz, zusätzlich zum Kohleausstieg.

          Die Bundesnetzagentur beschwichtigt. „Die Menge des aus Frankreich importierten Stroms könnte geringfügig sinken. Wir gehen nicht von signifikanten Auswirkungen für Deutschland aus“, sagte ein Sprecher der F.A.Z. Auch der westdeutsche Netzbetreiber Amprion bekräftigt: „Aktuell gibt es aufgrund der Situation in Frankreich keine angespannte Versorgungslage.“

          Amprion verweist auf die Prognose des europäischen Netzbetreiberverbandes ENTSO-E, wonach „insgesamt keine Risiken für die elektrische Versorgungssicherheit in diesem Winter“ zu erwarten seien. Die Strombörse verzeichnete in dieser Woche jedoch Preissprünge, auch in Deutschland. Da EDF nun teuer Ersatzmengen am Markt beschaffen muss, reduzierte der Konzern seine Ergebnisprognose leicht. Die EDF-Aktie verlor daraufhin deutlich an Wert.

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