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Umdenken bei der Bahn : Atempause für Bahnchef Lutz

Richard Lutz musste sich in der Vergangenheit einiges an Kritik anhören. Bild: EPA

Die Aufseher sagen den Umbau des Vorstands ab – eine gute Nachricht für Richard Lutz nach der heftigen Kritik zuvor. Freuen dürfen sich derweil auch Berlin-Hamburg-Pendler.

          Der Umbau des Vorstands der Deutschen Bahn AG ist vom Tisch. Darauf hat sich der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns unter Leitung von Michael Odenwald jetzt in Absprache mit der Bundesregierung geeinigt, wie am Dienstag aus Kreisen des Gremiums in Berlin bekanntwurde. Im März hatten die Aufseher das heikle Thema von der Tagesordnung ihrer Sitzung genommen. Vor allem Bahnchef Richard Lutz und Personenverkehrsvorstand Berthold Huber waren zuvor – auch aus der Bundesregierung – heftig kritisiert worden wegen der desolaten Pünktlichkeit der Züge im vergangenen Jahr. Nun scheint sich der Rauch verzogen zu haben, ihre Position ist gestärkt. Auf dem „Schienengipfel“ des Bundes am Dienstagabend konnten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), sein Bahnbeauftragter Enak Ferlemann (CDU) und Lutz diesen Eindruck festigen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Anders als zunächst geplant, soll der Konzernvorstand der Bahn auch nicht mehr von sechs auf sieben oder acht Personen aufgestockt werden. Auf der Klausurtagung von Vorstand und Aufsichtsrat am 18. und 19. Juni sollte dies eigentlich beschlossen werden. Der Aufsichtsrat hatte schon Personalberater mit der Suche nach geeigneten Managern beauftragt. Bis auf weiteres sollen nun jedoch alle Vorstände ihre Ressortzuständigkeit behalten, wie es in Aufseherkreisen heißt.

          Damit kann Finanzvorstand Alexander Doll, der auch für den Güterverkehr verantwortlich zeichnet, vorerst nicht mit Entlastung rechnen. Besonders die SPD-Vertreter im Aufsichtsrat hatten sich immer wieder dafür starkgemacht, den Posten Güterverkehr (Güterbahn DB Cargo und Logistiksparte DB Schenker) abzutrennen und mit der Berliner BVG-Chefin Sigrid Nikutta zu besetzen. Dagegen gab es aber hinhaltenden Widerstand aus dem Vorstand und von anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats. Um zur Besänftigung des Streits die Position der einzigen Frau im Vorstand, Sabina Jeschke, zu stärken, wird derzeit überlegt, ihr Ressort Digitalisierung/Technik mit zusätzlichen Aufgaben zu versehen, es womöglich sogar zu einem Ressort „Produktion“ auszubauen.

          Erste Schritte hin zu „Deutschland-Takt“

          Der Verzicht auf eine Erweiterung des Vorstands wird im Aufsichtsrat vor allem damit begründet, dass eine solche nicht in die Zeit passe. Im Konzern steht insgesamt eher eine Straffung der Prozesse an, deshalb auch eine Reduzierung von Personal, um die von Lutz im Herbst in seinem Brandbrief beklagten Reibungsverluste an Schnittstellen zu vermindern.

          Derweil macht die Deutsche Bahn erste Schritte hin zu einem „Deutschland-Takt“, wie ihn Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag für das Jahr 2030 fordern: mit häufigen Verbindungen, schnellen Anschlüssen und reibungslosen Umstiegsmöglichkeiten. Im Koalitionsvertrag wird zudem die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene angemahnt. Um den Prozess zu begleiten, brachte Scheuer vor einem Jahr das „Zukunftsbündnis Schiene“ auf den Weg. In sechs Arbeitsgruppen befassen sich Vertreter von Politik, Bahnbranche und Verbänden mit der Verlagerung. Bahnchef Lutz kündigte am Dienstagabend auf dem „Schienengipfel“ an, die Deutsche Bahn werde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 einen Halbstundentakt zwischen Hamburg und Berlin einführen.

          Die Verbindung zwischen den beiden Städten nutzen täglich fast 17.000 Fahrgäste, sie zählt damit zu den beliebtesten Fernstrecken im Land. Lutz sagte, mit dem Halbstundentakt werde die Sitzplatzkapazität in den Zügen um 20 Prozent von 30.000 auf 36.000 Plätze am Tag ausgebaut. Von Dezember 2021 werde die Bahn eine neue ICE-Linie zwischen Hamburg und Berlin einführen, auf der täglich sechs Züge je Richtung verkehren werden. Die neue Linie soll dann die derzeit drei Linien ergänzen, auf der insgesamt 24 Züge täglich in jeder Richtung fahren, das sind die Linien Hamburg–Berlin–Halle–München, Hamburg–Berlin–Leipzig–München sowie Hamburg–Berlin–Prag.

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