https://www.faz.net/-gqe-a9x9w

Export-Stopp für Vakzin : EU-Impfchefin droht Astra-Zeneca

  • Aktualisiert am

Sandra Gallina bei einer Videokonferenz in Brüssel Bild: EPA

Ein Ausfuhrstopp der EU für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astra-Zeneca rückt näher. „Wir werden handeln“, sagt die Generaldirektorin der Gesundheitsabteilung der EU-Kommission, Sandra Gallina, im EU-Parlament.

          1 Min.

          Die Leiterin des EU-Impfprogramms, Sandra Gallina, ist entschlossen, die in der Union von Astra-Zeneca produzierten Dosen zu sichern. „Wir beabsichtigen, Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Gallina am Dienstag vor EU-Abgeordneten. Die EU werde „alle uns zur Verfügung stehenden Mittel“ einsetzen, um die Astra-Zeneca-Dosen zu bekommen. Welche Mittel dies sein könnten, sagte Gallina nicht. Nur eine von fünf Astra-Zeneca-Produktionsstätten, die in den Verträgen gelistet seien, lieferte derzeit Impfstoffe an die EU. „Es ist eine Schande, es ist Rufschädigung.“

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat deshalb schon einen Exportstopp für Impfstoffe von Astra-Zeneca in die Diskussion gebracht. Kommissionsvertreterin Gallina schloss aus, dass die EU auch Impfstoffexporte anderer Hersteller blockieren würde. Biontech/Pfizer und Moderna etwa würden ihre Verpflichtungen gegenüber der EU erfüllen, „und das ist, was für uns zählt“, sagte die Italienerin.

          Der Ärger der EU richtet sich vor allem an die Adressen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, die bislang kaum bis gar keine Impfstoffe exportieren. Der britisch-schwedische Konzern Astra-Zeneca hatte zuletzt angekündigt, bis Ende Juni 100 Millionen Impfdosen an die EU zu liefern. Das entspricht in etwa nur einem Drittel von dem, was der Konzern vertraglich zugesichert hat. Im Vertrag als Produktionsstätten gelistet sind zwei Fabriken in Großbritannien, eine in den Niederlanden und eine in Belgien. Eine weitere Dependance in den Vereinigten Staaten ist als Ausweichmöglichkeit aufgeführt. Derzeit produziert aber nur die belgische Fabrik Vakzine für die EU. 

          Das Thema dürfte beim Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschef am Donnerstag und Freitag zur Sprache kommen. Ein niederländischer Regierungsvertreter sprach sich grundsätzlich für einen Kompromiss aus. Ein Ausfuhrverbot wäre ein „Lose-Lose-Szenario“. Den Haag werde aber der Kommission in ihrer Entscheidung folgen – und notfalls den Exportstopp durchsetzen, fügte er hinzu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte Kommissionspräsidentin von der Leyen in der Nacht zum Dienstag ihre Unterstützung zu. „Wir haben ein Problem mit Astra-Zeneca“, sagte sie im Anschluss an die Konferenz mit den Ministerpräsidenten. Kritik kam hingegen aus Irland. Regierungschef Micheal Martin sprach sich am Montag strikt gegen Exportverbote aus.

          Weitere Themen

          Türkische Lira auf Rekordtief Video-Seite öffnen

          Menschen demonstrieren : Türkische Lira auf Rekordtief

          Dutzende Demonstranten wurden am Mittwochabend bei einem Protest gegen die Regierung in Istanbul festgenommen. Die türkische Lira war am Vortag um mehr als 15 Prozent auf ein Rekordtief eingebrochen. Seit Jahresanfang hat die Lira bereits mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

          Topmeldungen

          Der Bär ist das Symbol für sinkende Kurse an der Börse.

          Nervosität am Aktienmarkt : Kursrutsch als Chance

          Die Aktienmärkte sind wegen der neuen Virusvariante nervös. Solche Momente sind meist gute Einstiegsgelegenheiten. Wo bieten sich noch Chancen?
          Maike Kohl-Richter im Juli 2018 neben einem Porträt ihres Mannes in Speyer

          Streit mit Ghostwriter : Kohl-Richter unterliegt vor BGH

          Maike Kohl-Richter steht der Schadenersatz von einer Million Euro nicht zu, den der frühere Kanzler im Streit mit seinem einstigen Ghostwriter zugesprochen bekommen hatte. Denn solche Ansprüche seien nicht vererbbar, sagt der BGH.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.