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Exportverbot von Astra-Zeneca : Australien ist verärgert über Europas Impfblockade

Der australische Gesundheitsminister Greg Hunt beobachtet im Februar 2021, wie Premierminister Scott Morrison mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft wird. Bild: AFP

Die Minister in Canberra sehen „die Regeln verletzt“, der Astra-Zeneca-Chef fragt, was mit der Maxime des Teilens passiert sei. Die Europäer fühlen sich aber im Recht.

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          Die Entscheidung der Europäischen Union, eine Lieferung des Corona-Impfstoffes von Astra-Zeneca nach Australien zu blockieren, sorgt dort für Unmut. Die Blockade kommt in der Endphase der jahrelangen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien. Die australische Außenministerin Marise Payne und Gesundheitsminister Greg Hunt hatten sich in den vergangenen Tagen noch vergeblich darum bemüht, eine Ausnahmegenehmigung für den Export der bestellten Impfdosen aus Europa zu erhalten.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mit dem Exportverbot nach Australien, ausgesprochen von der italienischen Regierung und nicht widersprochen in Brüssel, setzt Europa erstmals seine neuen Regeln um, eine Ausfuhr von in der EU produziertem Impfstoff untersagen zu dürfen, wenn sie sich selber dadurch benachteiligt sieht. Es geht um 250.000 Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffes. 

          „Wir sind natürlich enttäuscht und frustriert mit Blick auf die Entscheidung“, sagte der neue australische Finanzminister Simon Birmingham. Mit Brüssel werde man nun sprechen, um abzusichern, dass künftige Lieferungen auch wirklich abgewickelt würden. Der europäische Botschafter in Canberra, Michael Pulch, verwies auf die nicht eingehaltenen Lieferverpflichtungen von Astra-Zeneca Europa gegenüber: „Unternehmen, die ihre EU-Lieferverpflichtungen einhalten, wie Pfizer-Biontech, konnten und können weiterhin Impfstoffe nach Australien ausführen“, sagte er gegenüber der F.A.Z.

          Medien sprechen vom “Impfstoff-Krieg“

          In australischen Medien ist am Freitagmorgen die Rede vom „Impfstoff-Krieg“, der das Schutzprogramm auf dem Fünften Kontinent verlangsamen werde. „Die Länder sitzen überall auf ihrer eigenen Versorgung. Noch vor einem Jahr sprach jeder vom Teilen, von einem fairen und gleichberechtigten Zugang. Nun sagen sie, fair und gleichberechtigt ja, aber erst nachdem wir selber uns bedient haben“, lässt sich Pascal Soriot zitieren, der seit 21 Jahren in Sydney ansässige Vorstandsvorsitzende von Astra-Zeneca. Er hält eine französische und eine australische Staatsbürgerschaft und bezeichnet Australien als „mein Land“. Mit Gesundheitsminister Hunt arbeitete er eng zusammen. Hunt erklärte: „Die Welt befindet sich derzeit auf unbekanntem Terrain. Es ist nicht überraschend, dass einige Länder die Regeln über den Haufen werfen.“ 

          Die Regierung in Canberra, aber auch Astra-Zeneca, sehen sich durch Brüssels Vorpreschen in der Entscheidung bestätigt, das Vakzin auch vor Ort beim australischen Hersteller CSL in Melbourne produzieren zu lassen. „Ich glaube wirklich, dass es für Australien von grundlegender Bedeutung ist, seine strategische Unabhängigkeit in Bezug auf Impfstoffe zu haben“, sagte Astra-Zeneca-Chef Soriot der Zeitung „The Australian“. Italiens Außenministerium erklärte, die Entscheidung in Rom und Brüssel sei so gefallen, weil Australien aufgrund der sehr geringen Anzahl von Corona-Erkrankungen als „nicht verletzlich“ gelte im Vergleich zu Europa, wo es einen großen Bedarf an Impfstoffen gebe. 

          Hunt spielt die Auswirkungen herunter

          Der europäische Botschafter in Canberra, Pulch, betonte dieser Zeitung gegenüber die Rolle, die die europäischen Impfdosen dennoch für Australien spielten: „Trotz dieser Entscheidung ist die EU der größte Lieferant von Impfdosen nach Australien –bisher sind 600.000 Dosen des Vakzins von Pfizer-Biontech verschifft worden, was den Anschub der Impfkampagne hier in Australien erlaubte.“

          Mit diesem Vakzin hatte sich auch Ministerpräsident Scott Morrison impfen lassen, während der Rest der Bevölkerung vor allem den Stoff von Astra-Zeneca erhalten soll. Der australische Gesundheitsminister versuchte, die Auswirkungen der blockierten Lieferung für die knapp 25 Millionen Einwohner herunterzuspielen. „Es ging darum, sicherzustellen, dass wir für den Fall, dass etwas schief läuft, ausreichende Vorkehrungen getroffen haben.“ Es handele sich nur „um eine Lieferung von einem Land“, ließ er erklären. „Unsere eigene Fertigung beginnt Ende März mit einer Million Dosen pro Woche.“

          Am Sonntag hatte der deutsche Logistiker DHL-Deutsche Post die ersten 300.000 Dosen des gemeinsam von der Universität Oxford und Astra-Zeneca entwickelten Impfstoffes nach Sydney geflogen. Gesundheitsminister Hunt hatte die Ankunft der ersten Lieferung des Vakzins aus Europa als „Meilenstein“ bezeichnet. Mit ihm wurden am Freitagmorgen zunächst Bürger im Bundesstaat Südaustralien geimpft.

          Australien hat sich insgesamt fast 54 Millionen Dosen des Impfstoffes gesichert, von denen knapp 4 Millionen importiert werden sollen. Die nun von der EU blockierte Lieferung steht damit für ein Sechzehntel des geplanten Gesamtimports.

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