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Corona-Impfstoff : Astra-Zeneca beantragt Zulassung in der EU

  • Aktualisiert am

Astrazeneca will seinen Corona-Impfstoff auch in der EU verbreiten. Bild: Reuters

Der nächste Corona-Impfstoff steht nach der Beantragung von Astra-Zeneca vor einer Zulassung in der EU. Die EMA-Entscheidung darüber kommt voraussichtlich schon Ende Januar.

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          Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astra-Zeneca hat eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs in der Europäischen Union beantragt. Über den Antrag auf bedingte Marktzulassung könne voraussichtlich bereits Ende Januar entschieden werden, teilte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) am Dienstag in Amsterdam mit. Sie hat bisher die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und dem amerikanischen Unternehmen Moderna für den europäischen Markt zugelassen.

          Als erstes Land der Welt hatte Ende 2020 Großbritannien dem Astra-Zeneca-Impfstoff eine Genehmigung erteilt und setzt diesen seit etwa einer Woche ein. Zugelassen ist das Vakzin auch in Indien, Mexiko und Argentinien.

          Die Europäische Union hatte im August die Lieferung von bis zu 400 Millionen Dosen des Impfstoffs AZD1222 von Astra-Zeneca vereinbart. Insgesamt haben Staaten schon Milliarden Dosen in Auftrag gegeben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Ankündigung als gute Nachricht. Die EMA werde die Sicherheit und Wirksamkeit beurteilen. „Sobald der Impfstoff eine positive wissenschaftliche Beurteilung erhält, werden wir mit vollem Tempo daran arbeiten, die Nutzung in Europa zuzulassen“, schrieb von der Leyen am Dienstag auf Twitter.

          Wie funktioniert der Impfstoff?

          Der vielversprechende Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Das Mittel wirkt zweifach: Es soll sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von T-Zellen fördern – beide sind für die Immunabwehr wichtig.

          Anfangs hatte das Unternehmen mit seinem Impfstoff auch Kritik einstecken müssen: So gab es Bedenken zum Studiendesign, und die hohe Wirksamkeit des Mittels war von einigen Experten auch bezweifelt worden. Der Konzern legte daraufhin mit weiteren Untersuchungen nach. Ein großer Vorteil des Impfstoffes ist: Er kann den Angaben zufolge bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad aufbewahrt werden. Damit ist er einfach zu nutzen. Nach vorläufigen Daten ist der Impfstoff allerdings etwas weniger wirksam als die neuartigen mRNA-Wirkstoffe von Biontech/Pfizer sowie Moderna.

          Moderna-Impstoff ist wohl am teuersten

          Das Vakzin von Astra-Zeneca ist mit zwei Euro pro Dosis zudem deutlich billiger als die anderen bisher in der EU zugelassenen Präparate. Nach versehentlich von einer belgischen Regierungsvertreterin veröffentlichten Informationen ist das Moderna-Mittel mit 18 Dollar (14,66 Euro) je Dosis am teuersten. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer liegt demnach bei zwölf Euro je Dosis.

          Gut zwei Wochen nach dem Beginn der Impfungen mit dem ersten in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer beginnt heute die Auslieferung des zweiten zugelassenen Vakzins von Moderna an die Bundesländer und deren Impfzentren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet bis zum Ende des Quartals mit zwei Millionen Dosen für Deutschland, im Laufe des Jahres mit 50 Millionen. Wie auch beim Vakzin von Biontech handelt es sich beim Produkt von Moderna um einen sogenannten mRNA-Impfstoff.

          Die EMA beurteilt und überwacht Arzneimittel für den europäischen Markt, auch für Corona-Impfstoffe. Die Behörde verlegte wegen des Brexits schon im Frühjahr 2019 ihren Sitz von London nach Amsterdam.

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