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Asien : Von Osten kommt das Licht

  • -Aktualisiert am

Exporte auf dem Weg nach Asien Bild: dpa

In Tokio eröffnete Bundespräsident Rau die Asien-Pazifik-Konferenz. Die Bedeutung der Region wächst für die deutsche Wirtschaft.

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          Bundespräsident Johannes Rau hat am Mittwoch in Tokio die neunte Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft eröffnet. Insgesamt 600 Teilnehmer, darunter zahlreiche deutsche und asiatische Konzernvorstände, sowie Bundeswirtschaftsminister Werner Müller erörtern die Handels- und Investitionsbeziehungen. Rau rief die deutsche Wirtschaft zu vermehrtem Engagement in der Region auf. Geostrategisch wie wirtschaftlich wachse deren Bedeutung schnell.

          Im Mittelpunkt der Konferenz steht die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit mit Japan sowie eine Verstärkung der Präsenz deutscher Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum. Japan ist weiterhin größter deutscher Wirtschaftspartner in der asiatisch-pazifischen Region. Im Jahre 2001 belief sich der Warenverkehr auf über 35 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Rückgang um fünf Milliarden Euro. Aufgrund der rezessiven irtschaftsentwicklung Japans nahmen vor allem die japanischen Exporte nach Deutschland um 16 Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro ab.

          Großes japanisches Potenzial

          Nippon ist auch mit einem Bestand von knapp neun Milliarden Euro immer noch größter Empfänger deutscher Investitionen in der Region. Nach Ansicht des Auswärtigen Amtes entspricht „das Niveau des bilateralen Wirtschaftsaustauschs nach wie vor nicht dem jeweiligen Potential der Nummer zwei und Nummer drei der Weltwirtschaft.“ Der Warenaustausch mit Japan macht nur drei Prozent des gesamten deutschen Außenhandels aus; der Anteil Deutschlands am japanischen Außenhandel liegt bei rund vier Prozent. Entsprechend hoch ist das Potenzial für einen weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan einzuschätzen. Die deutsche Geschäfts- und Investitionstätigkeit in Fernost war in den vergangenen Jahren geprägt von der Asien-Krise und den durchaus unterschiedlichen Wegen, die die betroffenen Länder zur Bewältigung un Überwindung beschritten.

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          Lieblingspartner Singapur

          Der bedeutendste Wirtschaftspartner Deutschlands in der Asean-Gruppe ist der Stadtstaat Singapur. In Singapur, das 30 Prozent der deutschen in Südostasien ausmacht, sind 600 deutsche Unternehmen registriert. Laut Statistikbehörde Singapurs lag Deutschland beim Export wie beim Import 2000 an neunter Stelle. Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2000 insgesamt 14,7 Milliarden Singapur Dollar. Der Handel mit Deutschland wuchs damit noch stärker als Singapurs Außenhandel insgesamt. Etwa die Hälfte der deutschen Investitionen im Asean-Raum entfallen allein auf Singapur. Sie betrugen zuletzt kumuliert über 2,2 Milliarden Euro. Mit 630 Milliarden Singapur Dollar stellte Deutschland 55 Prozent sämtlicher EU-Investitionen.

          Den zweiten Platz unter den Asean-Ländern nimmt Malaysia ein, das als Rohstofflieferant (Kautschuk, Palmöl) schon zu Kolonialzeiten eine Rolle spielte. Bei den Direktinvestitionen ist der Abstand zu Japan und Singapur allerdings groß. So kommt das Auswärtige Amt für Malaysia für die Zeit von 1980 bis 2002 auf investiertes deutsches Kapital von 1,8 Milliarden Euro. Damit ist Deutschland fünftgrößter ausländischer Investor. Mit deutschen Investitionen wurden bislang ungefähr 30.000 Arbeitsplätze in Malaysia geschaffen. Über 300 deutsche Unternehmen sind mit eigenen Repräsentanzen vertreten. Und mehr als 100 Unternehmen betreiben Produktionsstätten, darunter Bosch und Siemens in Penang.

          Treu auch in der Krise

          Die deutschen Direktinvestitionen in den Entwicklungs- und Reformländern sind in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als die in den OECD-Ländern. Auch in Indonesien haben die mehrjährige Krise und die tiefgreifende Rezession der dortigen Wirtschaft die Präsenz deutscher Unternehmen nur unwesentlich berührt. Die meisten deutschen Unternehmen blieben und bleiben Indonesien treu. Zur Zeit sind rund 170 deutsche Unternehmen in Indonesien präsent. Bayer, Beiersdorf, DaimlerChrysler, Heidelberger Zement und Osram haben in der Krise ihr wirtschaftliches Engagement sogar aus- bezeihungsweise eine strategische Position aufgebaut. In Thailand geht es nach längerer Pause, teilweise verstärkt durch Irritationen nach der Regierungsübernahme durch Thaksin Shinawatra im Februar 2001, mit dem Deutsch-Thailändischen Gemischten Wirtschaftsausschuss wieder voran.

          Auch in guten Zeiten: Strukturprobleme bleiben

          Aber eigentlich war man sich im Westen bis vor kurzem darüber einig, dass die Staaten Südostasiens die notwendigen Strukturreformen immer noch vernachlässigen. Die Tokioter Konferenz fällt jetzt in eine Zeit neu aufkeimender Zuversicht. Strukturprobleme auch bei den Investitionen - Rechtsfragen, Infrastruktur, Kulturgräben, existentielle Abhängigkeit der gesamten Region von den USA - werden bei guter Unternehmens- und Börsenperformance, ähnlich wie in Europa, erneut weiter in den Hintergrund treten.

          Bereits zur achten Asien-Pazifik-Konferenz erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Länder Asien-Pazifiks seien über den Außenhandel mehr denn je miteinander verflochten. Allerdings bedeutet das für deutsche Firmen und Investoren: Trotz der Zuwächse im bilateralen Handel hat Deutschland dadurch auf einzelnen Märkten im Verhältnis zu den asiatischen Anbietern an Boden verloren. Offen ist, ob die neunte Konferenz wird helfen können, diese Entwicklung, was Deutschland anbetrifft, umzukehren.

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