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Spendenbereitschaft : Weniger Spender, mehr Geld

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Weniger Deutsche öffneten 2018 ihren Geldbeutel. Die, die es taten, jedoch häufiger. (Archivbild) Bild: dpa

Fast eine Million Deutsche weniger als im Vorjahr haben 2018 ihren Geldbeutel für den guten Zweck geöffnet. Trotzdem wurde der zweithöchste Betrag seit Beginn der Erhebung gesammelt.

          Immer weniger Menschen in Deutschland spenden einer Studie zufolge Geld. Besonders die jüngere Generation zeigt sich bei Geldspenden zurückhaltend. Organisationen müssen sich nun neue Wege überlegen, diese Menschen zum Spenden zu bringen.

          In Deutschland spenden immer weniger Menschen Geld. Wie aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie „Bilanz des Helfens“ des Deutschen Spendenrates hervorgeht, gaben im vergangenen Jahr 20,5 Millionen Personen ab zehn Jahren Geld für Organisationen. Die Zahl der Geldspender nehme seit Jahren ab, 2017 hätten noch 21,3 Millionen Menschen gespendet. Bianca Corcoran-Schliemann vom Marktforschungsinstitut GfK, das die Studie erhob, bezeichnete diese Entwicklung als „Wermutstropfen“: Immerhin sei das Spendenvolumen im gleichen Zeitraum um drei Prozent auf rund 5,3 Milliarden Euro und somit den zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebung gestiegen.

          Den Angaben zufolge spendeten Menschen in Deutschland im Vorjahr zudem seltener und höhere Beträge als 2017: So sei die Spendenhäufigkeit von durchschnittlich 6,9 Spenden pro Person und Jahr auf 6,8 Spenden gesunken, während die durchschnittliche Spende um drei Euro auf 38 Euro stieg. Dies sei der höchste jemals gemessene Durchschnittswert.

          Alarmierender Befund

          Der Dezember sei wie schon in den Vorjahren der mit Abstand wichtigste Spendenmonat, hieß es weiter. Am häufigsten spendeten die Menschen für humanitäre Hilfe (73,7 Prozent). Die Not- und Katastrophenhilfe erhielt den Angaben nach 12,6 Prozent der Spenden. Zuwächse im Spendenaufkommen verzeichneten besonders Bereiche wie Umwelt- und Naturschutz, während der Anteil kirchlicher Organisationen am Spendenvolumen weiter zurückging. Zudem flossen mehr Spenden für Projekte im Inland (63 Prozent) als im Ausland (37 Prozent).

          Laut Corcoran-Schliemann spielen die Medien eine wesentliche Rolle dabei, welche Organisationen Geldzuwendungen erhalten. Über Themen wie Nahrungsmittelverschwendung und Plastikmüll werde beispielsweise häufig berichtet. Dies könne für viele Menschen ein Anreiz sein, an Umweltorganisationen zu spenden. Mediale Aufmerksamkeit könne aber auch einen gegenteiligen Effekt haben: „Ich kann mir vorstellen, dass die Berichte über Missbrauch Leute davon abhalten, Geld an kirchliche Organisationen zu geben“, sagte sie.

          Die Generation über 60 gab der Studie zufolge über die Hälfte des gesamten Spendenaufkommens. Dabei spendeten besonders die über 70-Jährigen überproportional viel. Die größten Spendenbeträge pro Person kamen derweil von den 40- bis 49-Jährigen: Im Durchschnitt spendeten Menschen dieser Altersgruppe 326 Euro. Die unter 30-Jährigen gaben mit durchschnittlich 122 Euro pro Jahr die kleinsten Beträge.

          Dass jüngere Menschen insgesamt weniger und seltener Geld spenden, sei alarmierend, sagte Corcoran-Schliemann. Organisationen müssten für diese Gruppen Anreize schaffen, zu spenden - und das möglichst früh. „Wir wissen, dass es schwer ist, einen Nichtspender zum Spenden zu motivieren“, betonte sie. Einen ehemaligen Spender wieder zu aktivieren, sei hingegen einfacher.

          Laut Corcoran-Schliemann spenden junge Menschen zwar seltener klassisch Geld an Organisationen, engagieren sich dafür aber anderweitig für einen guten Zweck. „Sie geben zum Beispiel Geld direkt an ein Projekt, das geht dann an unserer Erhebung vorbei“, sagte sie. Eine andere Möglichkeit sei zum Beispiel Crowdfunding. „Gerade die junge Generation interessiert sich für digitale Spendenmöglichkeiten“, sagte sie. Organisationen müssten sich daher überlegen, wie sie sich bei den Spendenmöglichkeiten für eine breitere Zielgruppe aufstellen können.

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