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Gastbeitrag : Besser als das Arbeitslosengeld

  • -Aktualisiert am

Der Umstieg fällt den meisten nicht leicht

Mit meinen Kollegen Wolfgang Dauth und Sebastian Findeisen habe ich unzählige solcher Erwerbsverläufe analysiert. Das typische Muster zeigt, dass der Wiedereinstieg erst nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit gelingt und dann oft im einfachen Dienstleistungssektor mündet. Die Schneider und Stahlarbeiter von gestern sind nicht die Mechatroniker oder Unternehmensberater von morgen. Man trifft sie eher hinter der Supermarktkasse wieder. Natürlich profitieren auch sie in ihrer Rolle als Konsumenten. Aber billige Smartphones können ein schwacher Trost sein.

Was tun, wenn der Roboter den eigenen Job übernimmt? Roboter arbeiten bei Volkswagen in Emden (Niedersachsen) an einer Karosserie.

Dieser Gruppe der Globalisierungsverlierer steht gerade in Deutschland eine noch größere Gruppe an Gewinnern gegenüber – junge, mobile, gut ausgebildete Beschäftigte in der Exportindustrie. Aber so sehr man sich für diese Gruppe freuen mag, die anderen gibt es auch.

Die Liste der Probleme ist leider noch nicht zu Ende. So eröffnet die Globalisierung auch die Möglichkeit, dass Unternehmen Teile ihrer Wertschöpfungskette oder ganze Produktionsstandorte ins Ausland verlegen. Dieses „offshoring“ funktioniert besonders gut bei Tätigkeiten in der Mitte des Qualifikationsspektrums. Die Dienste von Hausmeistern oder Friseuren kann man nicht nach Osteuropa verlagern. Die Forschungsabteilung oder das Spitzenmanagement auch nicht. Aber bei Routinetätigkeiten, die vormals von Facharbeitern verrichtet wurden – das Zusammenbauen von Einzelteilen, die standardisierte Abwicklung von Abrechnungen und dergleichen – da geht das schon besser. Und so geraten wiederum die Löhne gerade im mittleren Bereich der Verteilung unter Druck.

Die Roboter kommen

Und als ob das nicht reicht, kommt dann auch noch die Digitalisierung obendrauf. Unter den Schlagworten Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz werden derzeit allerlei Horrorszenarien an die Wand gemalt, wonach mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze demnächst durch Maschinen ersetzt werden. Solche düsteren Prophezeiungen gab es schon oft. Bis dato sind sie noch nie eingetreten, aber dieses Mal könnte ja auch alles anders sein.

Geht Deutschland bald die Arbeit aus? In unserer aktuellen Forschung analysieren wir erstmals die Arbeitsmarkteffekte von Industrierobotern in Deutschland. Deren Anzahl hat sich in den vergangenen 20 Jahren vervierfacht. Außer in Japan und Südkorea gibt es nirgends auf der Welt so viele Roboter wie hierzulande. Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass deren Auswirkungen längst nicht so verheerend sind wie von manchen Gurus beschrien. Wir finden keine empirische Bestätigung für die These, dass Roboter die Zahl der Arbeitsplätze im Zeitraum von 1994 bis heute insgesamt verringert haben. Zumindest bislang kann also keine Rede davon sein, dass Roboter erbarmungslose Arbeitsplatzkiller sind.

Harmlos sind sie deswegen aber auch nicht. Roboter führen zu höherer Produktivität, aber nicht zu höheren Durchschnittslöhnen für die Beschäftigten. Negative Auswirkungen konzentrieren sich wiederum in der Mitte der Verteilung. Gut bezahlte Manager oder Techniker haben durch Roboter nicht viel zu befürchten; ganz im Gegenteil. Bei ungelernten Hilfsarbeitern stellen wir gar keine Effekte fest. Aber die Fachkräfte in der Produktion mit abgeschlossener Berufsausbildung sind diejenigen, deren Löhne durch Roboter geschmälert werden. Dieser Lohnverzicht ist auch ein Grund dafür, warum sich die Beschäftigungsverluste bislang in Grenzen hielten.

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