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In Deutschland : Armutsrisiko sinkt auf statistischen Tiefpunkt

2010 hatte die Quote armutsgefährdeter Kinder und Jugendlicher in Deutschland einen Höchststand von 17,5 Prozent erreicht. Nun liegt sie bei 12,1 Prozent. Bild: dpa

Abseits öffentlicher Aufmerksamkeit weisen neue Daten eine verblüffend positive Entwicklung aus. Besonders stark gesunken ist die Quote armutsgefährdeter Kinder und Jugendlicher.

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          Die Linkspartei informiert oft akribisch und mit enger Medienbegleitung über neue Armutsziffern, die das Europäische Statistikamt Eurostat veröffentlicht – falls sie steigende Armut nahelegen. „In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote laut den Eurostat-Daten im Jahr 2018 bei 16 Prozent, 2006 waren es noch 12,5 Prozent“, verbreitete etwa das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ Ende Juli mit Hilfe der Linken „exklusiv“. Und es zitierte diese dafür mit der Diagnose eines „sozialpolitischen Scheiterns“.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Inzwischen liegen bei Eurostat die Daten für 2019 vor. Doch entsprechende „Exklusivmeldungen“ lassen auf sich warten. Zugleich zeigt die seit ein paar Tagen abrufbare Datentabelle eine beachtliche Veränderung: Die Armutsgefährdungsquote ist im vergangenen Jahr kräftig gesunken. Sie gibt an, welcher Anteil der Bevölkerung ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des allgemeinen Mittelwerts erreicht. Und Eurostat weist nun einen Rückgang von 16 Prozent im Jahr 2018 auf 14,8 Prozent im Jahr 2019 aus. Dies ist der niedrigste Wert seit 2007.

          Andere neue Daten mit positiver Tendenz

          Das Niveau von 12,5 Prozent aus dem Jahr 2006 ist zwar tatsächlich noch nicht unterschritten. Das lässt sich aber leicht erklären: Die Statistik wurde damals methodisch verändert – was den Messwert 2007 abrupt auf 15,2 Prozent steigen ließ und Vergleiche mit früheren Jahren problematisch macht. Dafür sticht unter den neuen Daten aber noch ein weiterer Aspekt heraus: Die Quote armutsgefährdeter Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist demnach besonders stark gesunken: von 14,5 Prozent im Jahr 2018 auf nun 12,1 Prozent. 2010 hatte sie einen Höchststand von 17,5 Prozent erreicht.

          Ernsthafte Fachleute zögern indes, daraus gleich einen Sieg über Armutsprobleme abzuleiten. Zwar gilt die zugrundeliegende Erhebung „EU-Silc“ als durchaus seriös; ihre Daten für Deutschland sind aus dem amtlichen Mikrozensus abgeleitet. Es bleiben aber Fragen, die selbst Forscher bisher nicht genau klären können. Vor allem: Die vom Statistischen Bundesamt mit Mikrozensusdaten errechnete Armutsgefährdungsquote, die im September veröffentlicht wurde, wies für 2019 einen Anstieg von 15,5 auf 15,9 Prozent aus.

          Ein Unterschied zum Mikrozensus-Datensatz sei, dass in „EU-Silc“ tendenziell weniger Migranten erfasst seien, erläutert Judith Niehues, Verteilungsforscherin am Institut der deutschen Wirtschaft. Doch abschließend erklären lasse sich die ungewöhnlich starke Veränderung damit kaum. Davon abgesehen, weisen die Eurostat-Daten auch für andere Länder positive Tendenzen aus; im EU-Durchschnitt sank die Quote von 16,8 auf 16,5 Prozent.

          Zudem lieferte das Statistische Bundesamt am Freitag andere neue Daten mit positiver Tendenz: Der Anteil der Bevölkerung, der sozialstaatliche Mindestsicherung bezieht, ist auf den tiefsten Wert seit 2006 gefallen, und zwar von 8,7 Prozent im Jahr 2018 auf nun 8,3 Prozent. Den Hauptanteil daran hat das Hartz-IV-System: Dort sank die Gesamtzahl der Bezieher um knapp 300.000 oder 5,6 Prozent. Für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung weist die Statistik dagegen einen leichten Anstieg um 0,6 Prozent oder rund 6500 Personen aus.

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