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AOK-Studie : Wer arm ist, bekommt früher Krebs

  • Aktualisiert am

Eine übergewichtige Frau läuft auf einem Gehweg in Halle. Bild: Peter Endig/dpa

Im Schnitt sieben Jahre eher als Gutverdiener erkranken Menschen an Krebs, wenn sie nur sehr wenig Einkommen oder Rente haben. Das liege auch an Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht, befindet eine Krankenkasse.

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          Je ärmer die Menschen, desto früher erkranken sie laut aktuellen Statistiken an Krebs. „Männer und Frauen mit niedrigem sozioökonomischen Status erkranken durchschnittlich sieben Jahre früher als Menschen mit höherem sozioökonomischen Status“, heißt es im noch unveröffentlichten Onkologie-Report der AOK Rheinland/Hamburg, der der Zeitung Rheinische Post vorliegt. Der Unterschied zeige sich ausnahmslos bei allen Krebsarten.

          So erkrankten Frauen, die eine Monatsrente von weniger als 800 Euro haben, im Schnitt erstmals mit 72,8 Jahren an Brustkrebs. Frauen mit einer Rente über 1.600 Euro seien dagegen im Schnitt 80,4 Jahre alt, heißt es in der Studie.

          Ähnlich das Thema Darmkrebs bei Männern: Rentenbezieher mit monatlich unter 800 Euro seien im Schnitt erst 71,3 Jahre alt, wenn Darmkrebs diagnostiziert wird. Bei Männern mit mehr als 1.600 Euro liege das Erkrankungsalter hingegen bei 77,6 Jahren.

          „Risikofaktoren bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status sind der höhere Anteil an Rauchern, weniger sportliche Aktivität, ein ungünstiges Ernährungsverhalten und die stärkere Verbreitung von Adipositas“, schreibt die AOK. Adipositas bezeichnet starkes oder krankhaftes Übergewicht.

          Zu wenige gehen zur Früherkennung

          Auch liege die Teilnahmequote für Früherkennungsangebote bei unter 50 Prozent, berichtet die AOK. Frauen gehen dabei deutlich öfter zur Vorsorge als Männer. Zudem gebe es große regionale Unterschiede.

          2020, im Jahr des Ausbruchs der Corona-Pandemie, sei die Nutzung der Vorsorgeprogramme gegenüber den Vorjahren um bis zu 20 Prozent eingebrochen, heißt es in dem Report weiter. „Es zeigt sich, dass gerade bei Männern noch erhebliches Potenzial besteht, das Bewusstsein für die Bedeutung der Früherkennung zu schärfen“, sagte der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann.

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