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IG Metall und SPD : Blechschaden vorne links

Sehr weit links: Saskia Esken, Ko-Vorsitzende der SPD mit Kollege Norbert Walter-Borjans, auf dem Weg zum Koalitionsgipfel im Bundeskanzleramt Bild: dpa

Zwischen SPD und IG Metall kracht es – ausgerechnet unter der neuen Parteiführung. Dabei verdankt diese ihren Erfolg auch der Gewerkschaft.

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          Vor einem Jahr hat Kevin Kühnert einen Konflikt ausgelöst, der im Rückblick wie ein erstes Wetterleuchten wirkt – Vorbote des Gewitters, das sich jetzt über der SPD und der größten deutschen Gewerkschaft, der IG Metall, entlädt. Kühnert, damals formal noch aufs Amt des Juso-Vorsitzenden beschränkt, heute auch stellvertretender Parteichef, forderte die „Kollektivierung“ großer Unternehmen. Ihm sei nicht so wichtig, „ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW ,staatlicher Automobilbetrieb‘ steht oder ,genossenschaftlicher Automobilbetrieb‘ oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht“.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wie solches Denken in der IG Metall als Vertretung selbstbewusster Facharbeiter ankommt, machte damals Manfred Schoch, der Betriebsratsvorsitzende von BMW, überdeutlich. Kühnerts Idee sei „unbegreiflich“ – zumal im Hinblick auf Unternehmen mit so guten und fortschrittlichen Arbeitsplätzen wie BMW. Sein Fazit: „Für Arbeiter deutscher Unternehmen ist diese SPD nicht mehr wählbar.“ Bemerkenswert war indes nicht nur der Inhalt der Kontroverse, sondern auch ihre politische Struktur: Mehr als zehn Jahre lang hatte Ärger über Bundeskanzler Gerhard Schröders „neoliberale“ Reformpolitik das einst innige Verhältnis von SPD und Gewerkschaften gestört. Um das zu heilen, war die verunsicherte Partei Schritt für Schritt nach links gerückt, um den Gewerkschaften wieder zu gefallen – und plötzlich kracht es gegenüber: Wortführer des linken SPD-Flügels geraten in Konflikt mit dem Selbstverständnis der organisierten Arbeitnehmerschaft.

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