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Das Vermögen der Deutschen : Wie schön, dass es uns so gut geht

  • -Aktualisiert am

Zufrieden mit sich und der Welt: Viele Deutschen sorgen gut für ihr Alter vor. Bild: dpa

Die Deutschen legen einen beträchtlichen Teil ihres Geldes zurück. Das ist in vielerlei Hinsicht vernünftig – weckt in der Politik aber wieder einmal Enteignungsreflexe. Das ist dreist. Ein Kommentar.

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          Deutschland ist ein reiches Land. Laut Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung belief sich das Nettovermögen hierzulande im Jahr 2015 auf 11,2 Billionen Euro. Darin enthalten sind Geld, Immobilien und Betriebsvermögen – abzüglich Schulden. Nicht eingerechnet sind die beträchtlichen Rentenanwartschaften, die dem Bundesverfassungsgericht zufolge Eigentum sind und deshalb dazu addiert werden müssten.

          Solche Zahlen sind Anlass zur Freude. Sie spiegeln den wirtschaftlichen Erfolg der Nachkriegsgeneration, das Ausbleiben größerer wirtschaftlicher und politischer Krisen, gar Kriege. Und sie belegen, dass die Deutschen ihr Geld nicht gleich ausgeben, sondern einen beträchtlichen Teil des Einkommens zurück legen: Die Sparquote, die den Anteil der nicht ausgegebenen Einkommen beziffert, liegt konstant sehr hoch und pendelt seit Jahren um zehn Prozent. Würden wir mehr Aktien und Immobilien kaufen, könnten wir sogar noch vermögender sein.

          Die Sparer sorgen für sich und ihre Erben

          Warum bilden Menschen Vermögen? Dafür gibt es viele Gründe: Sie planen später eine größere Anschaffung, wollen ihren Nachwuchs auf englische Internate schicken und sich selbst gegen finanziell schwer kalkulierbare Widrigkeiten absichern. Weil es sich herumgesprochen hat, dass wir immer älter werden, ist es zudem vernünftig, rechtzeitig für das Alter vorzusorgen.

          Das ist noch nicht alles. Viele sparen nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern wollen ihren Kindern und Enkeln etwas von ihrem wirtschaftlichen Erfolg weitergeben: Erbschaften und Schenkungen. Der Satz, die Kinder sollten es einmal besser haben, ist prinzipiell nie falsch, gibt es doch keinen Zustand, der nicht noch verbesserungsfähig wäre. Wer will, kann den altruistischen Motiven des Erblassers egoistische hinzufügen, getreu dem Ausspruch des französischen Denkers Alexis de Tocqueville: „Man möchte sich selbst durch die spätere Nachkommenschaft Fortdauer sichern und verewigen.“

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          Jedem Erblasser ist es frei zu entscheiden, aus welchen Gründen und an wen er Teile seines Vermögens weiter gibt. Insgesamt haben wir das Erbschaftsvolumen bisher dramatisch unterschätzt, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der vergangenen Woche errechnet: Jährlich 400 Milliarden Euro steht den Deutschen in den Jahren 2012 bis 2027 als „Erbmasse“ zur Verfügung, ein gutes Viertel mehr als bislang unterstellt. Der Grund: Frühere Rechnungen blendeten aus, dass das Vermögen kontinuierlich mit Sparbeiträgen wächst, selbst in Nullzinsphasen, und ganz ordentlich rentiert, zumal Rentner ihr Geld gerne auch in Aktien anlegen.

          Anstatt sich über diese positiven Nachrichten zu freuen, fordert die öffentliche Debatte, vom DIW befeuert, jetzt reflexartig die Notwendigkeit höherer Erbschaftssteuern und geringerer Freibeträge: Wenn mehr Geld vererbt wird, kann sich der Staat noch mehr davon holen.

          Forderungen bleiben ohne Begründung

          Im Wahlprogramm der SPD firmiert dieser stärkere Zugriff auf das Privateigentum unter dem Stichwort „ausgewogene Gerechtigkeit“. Das ist dreist: Dass die Bürger – über alle Einkommensgruppen – mit ihrer Vermögensbildung wirtschaftlich erfolgreicher sind als bislang angenommen, soll als Grund durchgehen dafür, dass der Staat mehr Geld davon konfiszieren darf, um es den Erben vorzuenthalten. Ein Akt der Enteignung drapiert sich als Ausweis ausgleichender Gerechtigkeit. Die meisten, die jetzt höhere Erbschaftssteuern wollen, machen sich noch nicht einmal die Mühe, dafür Gründe zu benennen: Eklatante staatliche Geldnot könnte ein solcher Grund sein, aber die gibt es bekanntlich nicht – der Finanzminister schwimmt im Geld.

          Die Gründe für solche Enteignungsreflexe liegen vermutlich tiefer als das bekannte nagende Neidgefühl. Es scheint bei den Deutschen so etwas wie eine Staatsprärogative zu geben, die den anderen ihr Vermögen streitig macht und dem Staat für Verteilungszwecke zuspricht. Auf ihren Erfolg stolze Bürger müssten sich so etwas nicht gefallen lassen.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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