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Gewerkschaftschef Bsirske : „Mafiöse Strukturen“ in der Paketbranche?

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Ist das kriminell? Bild: obs

Gefälschte Pässe, Stundenlöhne von 4,50 Euro, 16 Stunden Arbeit am Tag: Verdi-Bundeschef Bsirske hält einige Paketversand-Unternehmen für kriminell – und will die Unternehmen zur Verantwortung ziehen.

          Verdi-Bundeschef Frank Bsirske hält einen Teil der Paketversand-Unternehmen für kriminell: „In der Paketzustellbranche haben sich zum Teil mafiöse Strukturen etabliert“, sagte Bsirske den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgabe). „Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen.“

          Viele hätten gefälschte Pässe, sagte Bsirske. „Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag.“ Das Problem werde größer, je mehr die Branche der Paketzusteller boome.

          Mindestlohn-Hotline?

          Der Verdi-Chef fordert Regierung und Gesetzgeber zum Handeln auf. „Die Politik muss auch in der Paketbranche die so genannte Nachunternehmerhaftung einführen“, sagte Bsirske. „Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich ist.“ Das gebe es bisher nur in der Bau- und in der Fleischbranche.

          Bsirske sieht den Staat deshalb in der Verantwortung, den gesetzlichen Mindestlohn besser durchzusetzen. Er werde „millionenfach noch immer nicht eingehalten“. Bsirske fordert, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll zu stärken, und verweist auf eine telefonische Hotline in Großbritannien, bei der Verstöße gegen den Mindestlohn gemeldet werden können. Das würde vor allem kleineren Unternehmen helfen, „um sich gegen unlautere Geschäftspraktiken der Konkurrenz zu wehren“, sagte Bsirske und schlägt vor: „Wir sollten eine Mindestlohn-Hotline auch in Deutschland einführen.“

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