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Umstrittener Unternehmer : Wenn der Privatjet futsch ist

  • Aktualisiert am

Lars Windhorst stand 2010 wegen Untreue-Vorwurfs vor Gericht. Bild: dapd

Der Unternehmer Lars Windhorst hat die Privatinsolvenz hinter sich gelassen und ein Flugzeugunglück überlebt. Jetzt steckt er offenbar wieder in Schwierigkeiten.

          Lars Windhorst galt einmal als Wunderkind der deutschen Wirtschaft. Mit 16 gründete er sein erstes Unternehmen, expandierte alsbald nach Südostasien und China, begleitete den damaligen Bundeskanzler Kohl auf einer Vietnam-Reise und meldete einen Zweitwohnsitz in Hongkong an.

          Doch schon Ende der Neunziger Jahre wendet sich das Blatt. 1996 gab es erstmals staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. 2003 ging die Unternehmensgruppe des gebürtigen Ostwestfalen und Schulabbrechers pleite, er selbst meldete Privatinsolvenz an. Hinzu kamen Verurteilungen wegen ungerechtfertigter Bereicherung und Anzeigen wegen Betrugs und Konkursverschleppung.

          Doch nicht genug der Turbulenzen. 2007 war Windhorst von Hannover in die chinesische Sonderverwaltungszone Macao unterwegs. Bei einem Tankstopp in Kasachstan kam das Flugzeug, in dem er saß, vom Weg ab, prallte gegen eine Mauer und explodierte. Ein Pilot starb, zwei weitere Personen wurden schwer verletzt, Windhorst überlebte.

          Jetzt droht Windhorst neues Ungemach. Wie die „Financial Times“ berichtet, hat der High Court in Großbritannien nach einer Zivilklage seinen Privatjet und weiteres Vermögen beschlagnahmt. Worum geht es?

          Der Fall ist kompliziert. Im Jahr 2004 gründete Windhorst ein neues Investment-Unternehmen, die Sapinda-Gruppe. An dieser hatte ein Unternehmen namens Romanello - übrigens mit Sitz im Steuerparadies Belize - Anleihen von mehr als 60 Millionen Euro an Sapinda erworben. Hinter Romanello verbirgt sich unter anderem der russische Milliardär Leonard Blavatnik. Nach einer vereinbarten Frist sollte das Geld plus Zinsen eigentlich zurückgezahlt werden. Doch Windhorst kam der Zahlungsverpflichtung nicht nach und überwies auch die Zinsen erst verspätet.

          Romanello klagte dagegen - mit Erfolg. Ende Juni gab der High Court dem Unternehmen aus Belize Recht. Romanello bekam das Recht zugesprochen, Konten von Windhorst in mehreren Ländern, darunter Deutschland, Monaco, den Niederlanden und der Schweiz, einfrieren zu lassen. Sapinda ist offiziell in den Niederlanden registriert, Windhorst selbst soll seinen Wohnsitz Gerüchten zufolge von London nach Monaco verlegt haben.

          Ein Sprecher von Windhorst gab wenig später in der „Bild am Sonntag“ zu Protokoll, der Fall sei „erledigt“, es seien keine Konten eingefroren worden, stattdessen gebe es eine Einigung mit Romanello. Doch laut „Financial Times“ scheint das nicht der Fall zu sein. In dem Bericht gibt ein von Romanello beauftragter Anwalt zu Protokoll, es seien nicht nur Windhorsts Privatjet, sondern auch Kunstwerke sowie Weinvorräte beschlagnahmt worden. Windhorst selbst bestreitet das und verweist auf laufende Gespräche mit Romanello, Ergebnis offen.

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