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Sozialsystem : Der Ruf nach Gerechtigkeit entzweit die Gesellschaft

Soziale Ungerechtigkeit beschäftigt die Deutschen noch immer. Wie sie behoben und wer unterstützt werden soll, darüber sind sich die Bürger nicht einig. Bild: Picture-Alliance

Viele Bürger kritisieren soziale Ungleichheit und finden, dass sie sich verschärft hat – und doch sind sie sich nicht in allen Punkten einig. Eine Studie zeigt nun das Ausmaß der Widersprüche.

          3 Min.

          Immer mehr Menschen in Deutschland sehen den Staat in der Pflicht, das Einkommensgefälle zwischen Reich und Arm zu bekämpfen, wie Umfragen zeigen. Hinter den scheinbar klaren Mehrheiten für solche Forderungen, die auch den Ehrgeiz der Politik wecken, steckt aber viel Widersprüchlichkeit: Der Ruf nach staatlichem Eingreifen wird lauter, obwohl die Ungleichheit der Einkommen seit 15 Jahren nicht zunimmt. Zugleich zeigen die Bürger wenig Interesse, Sozialtransfers für schwächere Gruppen wie etwa Arbeitslose zu erhöhen. Dies zeigt eine neue Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die „Wunsch und Wirklichkeit“ von Umverteilung anhand vielfältiger empirischer Befunde analysiert.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Offenbar habe sich „in der Gesellschaft ein Problemempfinden verfestigt, welches die Politik aufgrund der in sich paradoxen Präferenzen kaum zur Zufriedenheit der Bürger wird lösen können“, folgert IW-Verteilungsforscherin Judith Niehues aus ihrer Studie, die der F.A.Z. vorliegt. Zugleich warnt sie, dass ein Mangel an sachlicher Aufklärung in der öffentlichen Debatte leicht „politische Entfremdungstendenzen“ fördern könne.

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