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Ungleichheit in Amerika : Die große Kluft zwischen arm und reich

Obdachloser in Seattle Bild: AP

In keinem Industrieland ist das Geld so ungleich verteilt wie in Amerika. Ausgerechnet ein Trump schlägt daraus Kapital. Doch was verspricht er den Armen?

          6 Min.

          Amerika hatte kein Problem mit der Ungleichheit, bis es ein Problem damit bekam. Im Spätsommer 2011 besetzten Demonstranten den Zuccoti-Park im Finanzdistrikt von Manhattan, um dort für einige Wochen protestierend zu zelten. Die Gruppe nannte sich Occupy Wall Street. „Wir sind die 99 Prozent“, war ihr Slogan. Er nahm Bezug auf die Reichtums-Verteilung, der zufolge die obersten „Ein Prozent“ der Gesellschaft einen stark überproportionalen Anteil an Einkommen und Vermögen beanspruchten. Der kraftvolle Slogan hatte ursprünglich einer Blogging-Platform den Namen gegeben, auf der einfache Bürger beschrieben, wie sie sich selbst mit Ach und Krach durchs Leben schlugen, während andere unfassbar reich wurden. Occupy verbreitete sich rasch, wurde zu einer internationalen Sammelbewegung für ganz unterschiedliche Protestmotive, um danach aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, aber nicht aus dem Bewusstsein.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das sollte sich knapp vier Jahre später zeigen, als Politiker von rechts bis links begannen, sich um die Präsidentschaftskandidatur ihrer jeweiligen Parteien zu bewerben. Bernie Sanders, der überraschend erfolgreiche Kandidat vom linken Flügel der Demokraten, kündigte an, die Macht der Banken brechen und das politische System vor den Milliardären retten zu wollen. Hillary Clinton, die vor nicht allzu langer Zeit ihre Reden von Wall Street Firmen mit sechsstelligen Beträgen vergüten ließ, beklagte nun: Die 25 bestverdienenden Hedgefonds-Manager verdienten 2015 mehr als alle 158.000 Kindergarten-Erzieher Amerikas zusammen, womit sie übrigens recht hat.

          Verärgert und verunglimpft

          Selbst konservative Republikaner probten nun den rhetorischen Klassenkampf. Ted Cruz, dem ein Goldman-Sachs-Kredit in einem früheren Wahlkampf half, stellte fest, dass die obersten ein Prozent den höchsten Anteil am nationalen Einkommen seit 1928 verdienten und polemisiert bis heute beständig gegen den Einfluss der großen Banken in Washington und die staatlichen Rettungspakete für Wall Street. Und Marco Rubio schlägt eine negative Einkommensteuer vor, um Niedrigverdiener zu subventionieren. Ihre Rhetorik ist kein Zufall. Sie sind Politiker, sie spüren, dass es brodelt im Volke, dass sich ein Ärger über das politische und über das ökonomische System aufgestaut hat. Sie suchen die richtigen Worte.

          Ausgerechnet ein Milliardär aus Manhattan hat sie gefunden. Der Immobilienunternehmer Donald Trump darf sich nach drei gewonnenen Vorwahlen Hoffnungen machen, der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei zu werden. Mit einer einfachen Botschaft „Amerika verliert“, ruft er in die johlenden Menschenmengen: „Wir verlieren gegen China, wir verlieren gegen Mexiko. Im Handel und an der Grenze.“ Auf dem ersten Blick hat das wenig mit Ungleichheit zu tun, auf dem zweiten Blick eine Menge. Seine Worte sprechen den Verlierern der großen ökonomischen Trends aus den Herzen.

          Umfragen und Abstimmungen lassen die Gruppe erkennbar werden, die Trump ihre Unterstützung schenken. Ältere, häufig gläubige Konservative, die, wenn überhaupt, einen Highschool-Abschluss vorweisen können und weniger verdienen als der Durchschnitt ihrer Parteigenossen. Es sind keine Country-Club-Republikaner, und sie sind auch eher nicht im Rotary-Club zu finden. Zugleich sind es aber Leute, die den Status der Mittelschicht beanspruchen. Diese Leute sind verärgert. Sie fühlen sich von Medien als schlichte Gemüter verunglimpft, die auf die billigen Reden eines großmäuligen Immobilienunternehmers hereinfallen. Wenn sie von offiziellen Regierungsinstitutionen vernehmen, wie diese mit nüchternen ökonomischen Kennziffern das Bild einer ziemlich gesunden Volkswirtschaft mit niedriger Inflation und Vollbeschäftigung präsentieren, fühlen sie sich außen vor. Denn das ist nicht ihre Ökonomie, die da gezeigt wird.

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