https://www.faz.net/-gqe-8e246

Ungleichheit in Amerika : Die große Kluft zwischen arm und reich

Akademiker verdienen deutlich mehr

Ihre Erfahrung ist jene stagnierender Einkommen. Die Reallöhne amerikanischer Arbeitnehmer steigen seit vier Jahrzehnten nicht mehr: Ein Stundenlohn von heute hat die gleiche Kaufkraft wie ein Stundenlohn Mitte der siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, notiert das Pew Research Center. Dazwischen lagen allerdings Aufs und Abs.

Der Reiche für die Armen: Donald Trump

In der gleichen Zeitspanne stieg die Ungleichheit rapide. Die Bestverdiener kaperten Jahr für Jahr einen größeren Anteil am aggregierten Einkommen. Diesen Trend zeigten alle Industrieländer, aber die Vereinigten Staaten mauserten sich nach 1987 zum Spitzenreiter, gemessen am Einkommen, das die Spitzenverdiener Jahr für Jahr zusätzlich vereinnahmten. So referiert es der gerade veröffentlichte Jahreswirtschaftsbericht des Weißen Hauses. Im Jahr 2014 beanspruchten die obersten ein Prozent 18 Prozent des erwirtschafteten Einkommens, 1975 waren es vergleichsweise bescheidene acht Prozent gewesen.

Die Fokussierung auf die Abgreif-Talente jener „Ein Prozent“ der CEOs, Investmentbanker, Hedgefondsmanager, Berater und Superstars aus Kultur und Sport, sich Jahr für Jahr einen größeren Anteil am Kuchen zu sichern, verhüllt ein anderes Phänomen, das für die Ungleichheit folgenreicher ist: Die dramatisch steigende Kluft zwischen den Löhnen für Leute mit und ohne Hochschulabschluss. Diese finanzielle Bildungslücke zwischen dem männlichen Highschool-Absolventen und dem männlichen College-Absolventen betrug im Jahr 1979 in den Vereinigten Staaten 17.400 Dollar, rechnet David Autor, Ökonom am Massachusetts Institute of Technology (MIT), vor. Im Jahre 2012 betrug die Kluft 35.000 Dollar, ziemlich genau doppelt so viel. Für weibliche Absolventen ermittelte Autor denselben Trend (in Dollar von 2012).

Roboter in der Industrie

Noch einmal vergrößert wird die Kluft durchs schichtbewusste Heiraten, genauer gesagt, durch neue Kriterien bei der Partnerwahl. Hatte früher der Arzt seine Sprechstunden-Hilfe geheiratet, bilden die Akademiker von heute Power-Couples: Doppelverdiener-Haushalte auf hohem Einkommensniveau. Jeremy Greenwood, Professor an der Universität von Pennsylvania rechnet vor, dass ein Drittel der zwischen 1960 und 2005 gewachsenen Einkommensunterschiede auf „familiäre Faktoren“ zurückzuführen sind.

Während sich also Amerikas Akademiker über eine schöne Bildungsrendite freuen dürfen, haben sich die Dinge vor allem für die Männer ohne Bachelor betrüblich entwickelt. Von 1980 bis 2012 fielen ihre Löhne in substantiellem Ausmaß, rechnet David Autor vor: Um 22 Prozent für Schulabbrecher und um 11 Prozent für Leute mit Highschool-Abschluss. Für Frauen waren die Bedingungen etwas besser, ohne dass Nichtakademikerinnen allerdings Reallohngewinne hätten verzeichnen können.

Diese Entwicklung ist aus einem ziemlich trivialen Grund so bedeutsam: Es gibt viele Amerikaner ohne College-Abschluss. Rund 20 Millionen Amerikaner in der Altersgruppe zwischen 25 und 64 Jahren haben keinen Schulabschluss. Das entspricht 12 Prozent. Rund 44 Millionen haben sich auf den Highschool-Abschluss beschränkt (26 Prozent), weitere 36 Millionen (22 Prozent) haben das College ohne Abschluss verlassen. In der Summe können 60 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer keine höhere Bildung nachweisen. Die Gründe, warum schlechter ausgebildete Amerikaner Lohneinbußen erlitten, sind vielfältig, schreibt der MIT-Ökonom David Autor. Ein wichtiger: Computergesteuerte Maschinen übernehmen zunehmend Routinearbeiten in Fabrik und Büro.

Weitere Themen

Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch Video-Seite öffnen

Unglücksmaschine : Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch

Das Startverbot für die Unglücksmaschine 737 Max hat den US-Flugzeugbauer drastische Reaktionen in Erwägung ziehen lassen. Der US-Flugzeugbauer könnte die Produktion der 737 drosseln oder vorübergehend einstellen.

Topmeldungen

Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.