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Bericht von Oxfam : Acht Männer sind reicher als die halbe Welt

Bill Gates (rechts) hat laut Forbes mit 75 Milliarden Dollar weltweit das größte Vermögen, Warren Buffet kommt auf 61 Milliarden. Bild: AFP

Das behauptet Oxfam mit Blick auf die Vermögensverteilung in der Welt. Nobelpreisträger Stiglitz fordert Konsequenzen. Aber Oxfams Rechenmethode überzeugt nicht alle.

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          Die soziale Ungleichheit auf der Welt ist nach Angaben von Oxfam deutlich größer als bisher bekannt, und sie nimmt weiter zu: Die acht reichsten Männer der Welt besaßen im vergangenen Jahr zusammengenommen 426 Milliarden Dollar und damit mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Hälfte besteht derzeit aus 3,6 Milliarden Menschen mit insgesamt 409 Milliarden Dollar Vermögen. Das geht aus dem Bericht „An Economy for the 99 Percent“ hervor, den die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorstellt.

          Oxfams Berechnungen zur Vermögensverteilung beruhen auf Daten des „Credit Suisse Global Wealth Databook 2016“. Das Vermögen der Superreichen wurde mit Hilfe der „Forbes“-Milliardärsliste von März 2016 erstellt. Die Methodik, nach der die Großbank Credit Suisse ihre Daten über die globalen Vermögen aggregiert – und die Oxfam dann für eine von der Bank so nicht intendierte politische Aussage nutzt –, ist allerdings unter Fachleuten umstritten.

          Denn das zentrale Maß für die Vergleiche ist das Nettovermögen eines Menschen. Vom Geld-, Wertpapier-, Unternehmensvermögen sowie Immobilienbesitz werden mögliche Schulden abgezogen. Unter denjenigen, die aus diesem Grund kein positives Nettovermögen haben, sind auch erstaunlich viele Menschen in der entwickelten Welt, etwa in den Vereinigten Staaten, die Kredite aufgenommen haben, sei es für Konsum, für einen Hauskauf oder für die Finanzierung eines Studiums. Es sei „im besten Fall irreführend, wenn ein durchschnittlicher Universitätsabsolvent am Ende seines Studiums Schulden von rund 50.000 Pfund aufgehäuft hat und damit zu den ärmsten Menschen der Welt zählt, wenn man an sein Einkommenspotential in der Zukunft denkt“, heißt es beim Londoner Institute of Economic Affairs mit Blick auf die Oxfam-Darstellung.

          Kritik aus London

          Die Aggregation von Nettovermögenszahlen sei eine bedeutungslose Jagd nach Schlagzeilen, kritisieren die Londoner Ökonomen. Unglücklicherweise gebe es tatsächlich einige korrupte Staaten, in denen einige wenige große Vermögenswerte aufhäufen. Aber das sei ein Grund, die jeweiligen Regierungen anzugreifen, nicht jedoch die freien Märkte. Oxfam solle sich stärker darum kümmern, dass die richtigen institutionellen Rahmenbedingungen für Wachstum etabliert würden statt sich an den Reichen abzuarbeiten.

          Von solcher Kritik unbeeindruckt, fordert Oxfam zur Veränderung der Vermögensverteilung einen Mindeststeuersatz für Konzerne, die Schließung von Steueroasen, mehr Transparenz bei Gewinnen und Steuerzahlungen internationaler Konzerne – sowie Steuern auf sehr hohe Einkommen und Vermögen von Privatpersonen. Unterstützt wird Oxfam, wenn auch inhaltlich differenziert, vom amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz: „An erster Stelle steht eine ganz einfache Idee: Zahlt eure Steuern. Das ist der Grundbaustein der unternehmerischen Sozialverantwortung. Verzichtet auf die Verlagerung von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen“, schreibt Stiglitz in einem Gastbeitrag für die F.A.Z.

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