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Online-Rechner : Wie viel Einkommensteuer zahlen Sie?

Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus 57 Prozent mehr Einkommensteuer ein als im Jahr 2010. Das liegt an der Inflation, der guten Wirtschaftslage und dem progressiven Steuerverlauf (kalte Progression). Bild: F.A.Z. / IW

Wie viel von Ihrem Gehalt geht eigentlich an den Staat? Ermitteln Sie mit unserem Online-Rechner Ihre Steuerlast – und finden Sie heraus, wie viele Menschen in Deutschland mehr und wie viele weniger zahlen als Sie selbst.

          Bei den meisten Deutschen ist Steuern zahlen ähnlich beliebt wie Angela Merkel in der AfD. Doch wie viel Steuern man im Lauf des Jahres genau zahlt, das weiß fast niemand so richtig. Es ist ja auch schwierig auszurechnen: Vom Bruttolohn wird erst die Einkommensteuer abgezogen, dann der Solidaritätszuschlag, dann die Renten und Krankenversicherung, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Übrig bleibt der Nettolohn, der jeden Monat auf dem Konto landet.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Und ein Mal im Jahr wird per Steuererklärung abgerechnet. Der eine muss nachzahlen, der andere bekommt etwas zurück. Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist die Rückzahlung der Regelfall – im Schnitt bekommt jeder, der eine Steuererklärung macht, 935 Euro erstattet, rechnete die Wiesbadener Behörde im vergangenen Jahr aus.

          Ein Steuerrechner

          Allerdings ist ja nicht nur die absolute Höhe der eigenen Steuerlast interessant, sondern auch die relative. Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal gefragt, ob die meisten Landsleute eigentlich mehr oder weniger an den Staat zahlen als man selbst. Um das herauszufinden, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) an diesem Dienstag einen nützlichen und unkomplizierten Steuerrechner veröffentlicht, den wir in diesen Artikel etwas weiter unten eingebaut haben.

          Er funktioniert denkbar simpel: Geben Sie Ihr jährliches Bruttoeinkommen ein, beispielsweise 54.750 Euro. Anschließend teilen Sie per Klappmenü Ihren Familienstand mit (etwa: „ledig“) und die Zahl Ihrer Kinder (im Beispiel: „keine Kinder“). Zum Abschluss können Sie entscheiden, ob Sie lediglich die Einkommensteuer berechnet haben wollen oder das Szenario „mit Soli“. Das Programm verrät Ihnen nach jeder Eingabe sofort Ihre persönliche Steuerlast. Im Beispiel zahlt der Steuerpflichtige 11.056 Euro ans Finanzamt, wovon 10.480 auf die Einkommensteuer entfallen und 576 Euro auf den Solidaritätszuschlag.

          Darüber hinaus blendet das Programm links neben den Balken die Information ein, wie viel Prozent der erwachsenen Steuerpflichtigen mehr Steuern zahlen als man selbst. Das Schaubild erinnert an eine Pyramide, denn es gibt in Deutschland sehr viele Menschen, die keine oder nur wenig Steuern zahlen müssen und umgekehrt recht wenige Menschen, die sehr viel Steuern zahlen. Dem IW zufolge zahlen 20 Millionen Erwachsene in Deutschland keine Einkommensteuer, weil ihr Einkommen zu gering ist. Unter ihnen sind viele Rentner, Studenten, Arbeitslose und geringfügig Beschäftigte.

          Umgekehrt entrichten nur 6,4 Prozent der Bevölkerung mehr als 15.000 Euro. Sie kommen damit aber auf 41,5 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Das liegt auch daran, dass die Einkommensteuer progressiv gestaltet ist: Mit steigendem Gehalt werden von jedem zusätzlichen Euro mehr Cent für den Staat abgezweigt.

          Mehr als jeder dritte Euro des Staates stammt aus der Einkommensteuer

          Rechts neben den Balken erscheint noch eine Angabe für besonders Wissbegierige: Die Angabe darüber, wie viel Prozent der gesamten Steuereinnahmen von Personen gezahlt werden, die mehr an den Fiskus überweisen als man selbst. Diese Abbildung ist kopflastig, weil die einkommensstärksten Schichten einen wesentlichen Anteil an allen gezahlten Steuern schultern.

          Im vergangenen Jahr erhielt der Staat insgesamt 283 Milliarden Euro Einkommensteuer. Das entspricht 38,6 Prozent seiner gesamten Einnahmen. Hinzu kamen etwa 18 Milliarden Euro aus dem Solidaritätszuschlag.

          Für ihre Daten nutzten die Forscher die jüngste Erhebung des Sozioökonomischen Panels (SOEP), das die Bevölkerung in Deutschland repräsentativ abbildet. Die zugrunde liegenden Werte stammen aus dem Jahr 2015, die Statistiker des IW haben sie allerdings auf das Jahr 2018 fortgeschrieben.

          Konkret haben sie die steuerpflichtigen Einkünfte ermittelt und diese um steuerliche Abzüge wie beispielsweise Vorsorgeaufwendungen reduziert. Auf dieses zu versteuernde Einkommen haben die Wissenschaftler in einem letzten Schritt den Steuertarif des aktuellen Jahres angelegt und so die mathematische Grundlage für ihr Steuerberechnungsprogramm erhalten.

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