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Internationales Mitgefühl : Mit Corona wächst die Hilfsbereitschaft

In Indien wird viel Hilfe benötigt: Ausgabestelle in Prayagraj für Lebensmittel an Obdachlose und Wanderarbeiter. Bild: dpa

Seit Beginn der Pandemie nehmen Spenden und andere internationalen Überweisungen zur Hilfe deutlich zu. Die höchsten Beträge kommen nicht aus Deutschland.

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          Corona hat das bislang gewohnte und liebgewonnene Leben für die wohl meisten ordentlich durcheinander gebracht und viele Menschen nicht nur in finanzielle Nöte geraten lassen. Vor allem zu Beginn der Pandemie im Frühjahr war die spontane Hilfsbereitschaft groß, als es etwa um die Versorgung älterer und schwächerer Menschen ging oder um die Unterstützung lokaler Betriebe. Derzeit machen zwar vor allem Corona-Leugner lauthals und wenig verantwortungsvoll von sich reden, doch wertvolle, einzigartige Hilfe findet sich weiterhin an vielen Stellen im Großen wie im Kleinen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Seit Ausbruch der Pandemie habe sich das soziale Miteinander verbessert, sagt auch das Fintech-Unternehmen Transferwise. Der Spezialist für Auslandsüberweisungen aus London hat anlässlich einer Analyse von mehr als 80.000 Transaktionen aus der Zeit von November 2019 und Oktober 2020 festgestellt, dass auch die Hilfsbereitschaft über die eigenen Landesgrenzen hinweg deutlich zugenommen hat.

          Italiener zahlen besonders viel

          Seit Beginn der Pandemie hat sich demnach die Zahl der Transaktionen, die als Spende oder finanzielle Unterstützung an Privatpersonen oder gemeinnützige Organisationen gesendet worden sind, im Durchschnitt mehr als verdreifacht.

          Laut der Analyse, deren Ergebnisse der F.A.Z. exklusiv vorliegen, wurde bisher im April mit Abstand am häufigsten Geld verschickt. Besonders hohe finanzielle Unterstützung aus Deutschland erhielten demnach Menschen und gemeinnützige Organisationen in Indien. Im Durchschnitt belief sich eine Überweisung dorthin auf 506 Euro, gefolgt von Transaktionen nach Thailand mit 253 Euro, Kenia (245 Euro) und Mexiko (241 Euro), Russland (202 Euro), Südafrika (191 Euro) sowie Sri Lanka und Philippinen mit je 163 Euro.

          Die Analyse von Transferwise ergab zudem, dass das meiste Geld, das insgesamt zur Unterstützung überwiesen wurde, mit im Durchschnitt 247 Euro aus Italien stammte, gefolgt von Frankreich (225 Euro) und Belgien (203 Euro). Deutschland befindet sich mit 201 Euro auf Rang vier. Danach folgen die Schweiz mit 199 Euro, Portugal mit 192 Euro sowie Norwegen mit 189 Euro, die alle noch über dem Gesamtdurchschnitt von 171 Euro liegen. Den deutlichsten Anstieg in der Zahl internationaler Überweisungen für Hilfszwecke gab es in Neuseeland, gefolgt von Singapur, der Schweiz und Australien.

          Die internationale Hilfsbereitschaft sei klar gestiegen, sagt Pedro Martin, Analyst von Transferwise. Besonders für Überweisungen in strukturschwache Regionen seien die Dienste von Transferwise stärker nachgefragt worden. Hier erhielten Verbraucher nach Angaben des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung normalerweise im Durchschnitt in neun von zehn Fällen Bargeld überwiesen. Aufgrund nationaler Beschränkungen durch „Lockdown“-Maßnahmen zum Schutz gegen Corona, sei der Zugang zu den lokalen Anbietern jedoch häufig verwehrt gewesen.

          Im Kampf gegen die Corona-Pandemie kooperiere Transferwise zudem mit internationalen Organisiationen, um die Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen zu fördern, sagt Martin. So würden Spenden an Gavi, Cepi und die United Nations Foundation kostenfrei abgewickelt. Transferwise hat eigenen Angaben zufolge mehr als 9 Millionen Nutzer, die monatlich im Durchschnitt mehr als 5 Milliarden Euro überweisen.

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