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Demographische Sackgasse : Ein unfruchtbares Biotop

  • -Aktualisiert am

Ohne Zuwanderer hätte Deutschland ein anderes Gesicht: Jeder Fünfte hat einen Migrationshintergrund. Bild: AFP

Seit Generationen kompensiert Deutschland die eigene Geburtenarmut mit dem Geburtenreichtum anderer Völker. Historisch neu und unerprobt ist aber, dass nun Hungrige in großer Zahl in festgefügte und weithin erstarrte Sozialstaatsgebilde einzudringen versuchen. Ein Gastbeitrag.

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          Die Art und Weise, wie in den zurückliegenden Monaten die Zuwanderung von rund einer Million Menschen nach Deutschland debattiert und kommentiert worden ist, legt abermals Zeugnis davon ab, dass es hierzulande – wie in anderen Ländern – noch immer kein hinreichendes Verständnis für das wohl wichtigste Datum einer Gesellschaft gibt: die quantitative und qualitative Entwicklung ihrer Bevölkerung. Denn es macht für eine Gesellschaft einen ungeheuren Unterschied, ob ihre Bevölkerung zahlenmäßig zunimmt, abnimmt oder stagniert, ob sie im Durchschnitt jung oder alt ist, ob ihr Altersaufbau stabil ist oder sich zügig ändert und ob der Anteil Erwerbsfähiger hoch oder niedrig ist, steigt oder fällt. Doch obwohl das alles trivial erscheint und schlussendlich auch ist, beschäftigen solche Fragen kaum jemals die breitere Öffentlichkeit und allenfalls gelegentlich die Politik.

          Auch wenn in neuerer Zeit diese Gewissheit ein wenig bröckelt, handeln die meisten noch immer nach dem Adenauerschen Diktum „Kinder haben die Leute immer“, soll heißen, um die Bevölkerungsentwicklung braucht man sich keine wirklichen Gedanken zu machen. Sie ist ein von der Natur gegebener Selbstläufer. Dabei stöhnte schon Friedrich II., als er durch sein dünn besiedeltes Preußen streifte: „Menschen, vor allem Menschen“. Diese kamen dann im 19. Jahrhundert in großer Zahl. Dennoch drohte die Industrialisierung ins Stocken zu geraten, weil zum Beispiel Bergleute für die neu erschlossenen Kohlegruben im Ruhrgebiet fehlten.

          Die Lösung: Menschen aus Polen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts klemmte es dann beim Aufbau der mitteldeutschen Chemieindustrie. Nun mussten Balten, namentlich Litauer, angeworben werden. Und als in den sechziger Jahren ein weiteres Mal wachstumshemmender Arbeitskräftemangel auftrat – ein Mangel, der keineswegs nur eine demographische Nachwirkung des Zweiten Weltkriegs war –, begann der große Fischzug in Süd- und später in Südosteuropa sowie der Türkei, die Zeit der breiten Gastarbeiterströme.

          Zeit sich mit der Bevölkerungsentwicklung zu beschäftigen

          Anlass, sich mit ihrer Bevölkerungsentwicklung zu beschäftigen, hatten die Deutschen also immer wieder. Aber abgesehen von der teilweise geradezu rabiaten Bevölkerungspolitik der Nationalsozialisten taten sie das nur zögerlich und in der Regel weitgehend folgenlos. Und das, obwohl der letzte Jahrgang, der sich in der Zahl seiner Kinder ersetzt hatte, schon 1882 geboren worden war. Nachdem dieser Jahrgang in den 1920er Jahren seine Kinder gehabt hatte, lag die „Ersatzquote“ bis Ende der sechziger Jahre bei nur noch etwa 90 Prozent, woran auch die Geburtenpolitik der Nationalsozialisten und der Babyboom in den sechziger Jahren nichts Grundsätzliches änderten.

          Der Autor: Meinhard Miegel, Jurist und Sozialwissenschaftler.
          Der Autor: Meinhard Miegel, Jurist und Sozialwissenschaftler. : Bild: Edgar Schoepal

          Jeder Kinderjahrgang war zahlenmäßig schwächer als der Elternjahrgang. Wenn die Bevölkerung dennoch zunächst weiter wuchs, dann zum einen, weil die Kinderjahrgänge zwar schwächer als die Elternjahrgänge, aber zahlenmäßig stärker als die Großelternjahrgänge waren – das demographische Echo –, und zum anderen, weil immer weiter Menschen nach Deutschland zuwanderten.

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