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Wohlfahrtsverband : Mehr Armut in Bayern und NRW

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In Deutschlands Suppenküchen ist der Andrang größer. Bild: dpa

In den beiden bevölkerungsreichsten deutschen Bundesländern steigt die Armutsquote, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband ausgerechnet. Die Problemregion Nummer Eins liegt im Westen.

          Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert, dass vor allem Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner weiterhin einem hohen Risiko ausgesetzt seien, in Armut abzufallen. Die Armutsquote dieser drei Personengruppen sei „rasant“ gestiegen und liege erstmals über dem Durchschnitt, bemängelte der Verband, der an diesem Dienstag in Berlin seinen neuen Armutsbericht vorstellte (hier).

          Der Verband geht von der durch die EU geprägten Definition aus, wonach Menschen als relativ arm gelten, die über weniger als 60 Prozent des mittleren gesellschaftlichen Einkommens verfügen. Nach Angaben des Verbands werden in Deutschland Einpersonenhaushalte mit einem Einkommen von weniger als 892 Euro im Monat als arm bewertet.
          Für eine Familie mit zwei Kindern beträgt diese Grenze 1872 Euro.

          Die Grenze, ab der ein Haushalt als arm gilt, liegt heute allerdings höher als in den vergangenen Jahren. 2010 betrug sie für ein Paar mit zwei Kindern noch 1735 Euro. So gelten mit steigenden Einkommen immer reichere Haushalte als arm.

          Der Verband bemängelt nun, das gute Wirtschaftsjahr 2014 habe zu keinem nennenswerten Rückgang der Armutsquote in Deutschland geführt. Die Armutsquote verharre mit 15,4 Prozent auf hohem Niveau - sie sank um 0,1 Prozentpunkte. Die Verbände, die an dem neuen Bericht beteiligt sind, forderten die Bundesregierung auf, „einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel einzuleiten, um Armut zu bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen.“

          „Alarmierend“ sei die Entwicklung insbesondere in Rentnerhaushalten, hieß es weiter. Erstmalig seien sie mit 15,6 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen. Die Quote der armen Rentner sei damit seit dem Jahr 2005 um 46 Prozent und damit so stark angewachsen wie die keiner anderen Bevölkerungsgruppe.

          Viele arme Kinder

          Während in neun Bundesländern die Armutsquoten im Jahr 2014 gesunken sind, verzeichnet der Bericht einen Anstieg in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Das Ruhrgebiet bleibe mit Blick auf Bevölkerungsdichte und Trend „die armutspolitische Problemregion Nummer Eins in Deutschland“.

          So sei im Ruhrgebiet seit dem Jahr 2006 die Armutsquote um 27 Prozent auf einen neuen Höchststand von 20 Prozent gestiegen. Die am stärksten von Armut betroffenen Gruppen sind laut Bericht Erwerbslose (58 Prozent). Auch die Kinderarmutsquote (19 Prozent) liege nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt, wobei die Hälfte der armen Kinder in Haushalten Alleinerziehender lebe. Diese hätten eine Armutsquote von 42 Prozent.

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