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Europäische Zentralbank : Lagarde: Zwei Frauen im EZB-Rat sind zu wenig

EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschäftigt sich nicht nur mit der Stabilität des Euros. Bild: AFP

Die Präsidentin der Notenbank beschäftigt sich neben der grünen Geldpolitik offenbar zunehmend mit der Ungleichheit – und zwar nicht nur zwischen Reichen und Armen, sondern auch zwischen Männern und Frauen. Welche Folgen hat das?

          2 Min.

          Neben dem Thema „grüne Geldpolitik“ beschäftigt auch die „Ungleichheit“ die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, zunehmend. Vor einer Woche hatte sie vor mehr allgemeiner sozialer Ungleichheit durch die Krise gewarnt, nun äußerte sie sich in einem Interview besorgt, die Bestrebungen um die Gleichberechtigung der Geschlechter könnten einen Rückschlag erleiden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Lagarde sagte, Ungleichheit zwischen den Geschlechtern (“Gender inequality“) existiere immer noch, beispielsweise beim Zugang zum Arbeitsmarkt und auch in einer unterschiedlichen Entlohnung (“Gender pay gap“). In den Industrieländern der OECD betrage das „pay gap“ immer noch 13 Prozent. Frauen arbeiteten mehr und mehr, aber seien immer noch unterrepräsentiert in Management-Positionen, und zwar sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Sektor. Die Corona-Krise habe die Situation für Frauen sogar noch verschlechtert, sagte Lagarde.  

          Frauen hätten in der Krise fast 70 Prozent der medizinischen Pflegearbeit übernommen und hätten sich damit größeren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Sie seien während des Lockdowns „an allen Fronten aktiv“ gewesen und hätten sich oftmals neben der Arbeit um die Kinder kümmern müssen. Und nun sei für sie nach Erfahrungen aus anderen Krisen auch noch das Risiko größer, ihre Arbeit zu verlieren oder Lohneinbußen zu erleiden. Lagarde führte aus, dass EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und sie die einzigen Frauen unter 25 Mitgliedern des EZB-Rats seien, sei auch nicht „so, wie es sein sollte“.

          Soziale Ungleichheit könnte steigen

          Vor einer Woche hatte Lagarde beim jährlichen Treffen der arabischen Zentralbank-Gouverneure als Gastrednerin gesprochen. Auch dort widmete sie sich dem Thema Ungleichheit. Neben einer weiter lockeren Geldpolitik sei im Augenblick auch Strukturpolitik notwendig, auch um sicherzustellen, dass die Veränderungen nachhaltig seien, sagte sie. Digitalisierung sei derzeit bei vielem unverzichtbar und wünschenswert - aber die Geschichte zeige, dass technische Umbrüche anfangs bisweilen zu mehr Ungleichheit führten. „Damit die Veränderungen nachhaltig sind, ist es entscheidend, dass wir nicht diejenigen übersehen, die durch Technik ersetzt werden könnten, sondern Rahmenbedingungen schaffen, dass sie in einer digitaleren Welt in Wohlstand leben können.“

          Frauenquote in der EZB

          Bereits im Mai hatte Lagarde angekündigt, die EZB werde Frauen in ihrer Belegschaft stärker fördern und habe deshalb ein neues Modell aufgelegt, mit dem sowohl bei der Einstellung als auch bei der Beförderung Frauen stärker berücksichtigt werden sollten. Das Programm soll bis 2026 gelten, also innerhalb der Amtszeit von Lagarde, der ersten Frau auf diesem Posten. „Wir wollen, dass das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern jetzt die Norm ist“, sagte die EZB-Präsidentin. Die EZB solle die Gesellschaft widerspiegeln, der sie diene.

          Das Programm enthält sowohl Ziele über den Frauenanteil bei Neueinstellungen als auch für die gesamte Belegschaft und bestimmte Gehaltsstufen. Für Neueinstellungen und Beförderungen soll der Anteil überall mindestens 50 Prozent betragen. Der Anteil im „Senior Management“ soll so bis 2026 von 30,8 auf 40 Prozent steigen, im gesamten Management von 30,3 auf 36 Prozent, unter den führenden Fachleuten von 33,3 auf 42 Prozent, unter den Fachleuten insgesamt von 41,9 auf 47 Prozent. Nur bei Analysten ist ein Rückgang von 52 auf 51 Prozent vorgesehen.

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