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Juso-Chef : Kühnert fordert Kollektivierung von Großunternehmen

Juso-Chef Kevin Kühnert bezeichnet sich selbst als „Sozialist“. Bild: dpa

Juso-Chef Kevin Kühnert prescht mit radikalen Ideen vor: Er möchte Großunternehmen in Gemeinschaftseigentum umwandeln. Und jeder sollte „maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt“.

          Ideen-Armut lässt sich Kevin Kühnert wirklich nicht vorwerfen. Der Juso-Chef sorgt mit seinen sehr linken Positionen innerhalb und außerhalb seiner Partei regelmäßig für Streit. Der breiten Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er nach der Bundestagswahl wochenlang gegen die SPD-Spitze schoss und forderte, bloß nicht noch einmal als Juniorpartner in eine große Koalition mit der Union einzutreten. Zum Verdruss der Parteiführung ließ er keine Bühne unbearbeitet, keine Talkshow ausfallen, kein Mikrofon unbeachtet.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Nun sorgt ein neuer, radikaler Vorstoß von ihm für Aufsehen: In der „Zeit“ fordert Kühnert die Vergemeinschaftung von Großunternehmen. Auf die Frage: „Sie wollen also keine Verstaatlichung, sondern eine Kollektivierung von Unternehmen wie BMW?“ antwortet der 29-Jährige: „Auf demokratischem Wege, ja.“ Ihm sei „weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW 'staatlicher Automobilbetrieb' steht oder 'genossenschaftlicher Automobilbetrieb', oder ob das Kollektiv entscheidet, BMW braucht es in dieser Form nicht mehr“. In jedem Fall müsse die Verteilung der Profite demokratisch kontrolliert werden. Kühnert wörtlich: „Das schließt aus, dass es einen kapitalistischen Eigentümer an diesem Betrieb gibt.“ Denn warum sollten „die Zehntausenden, die den Wert schaffen, mit einer aus Abhängigkeit heraus verhandelten Lohnsumme abgespeist werden?“

          Kühnert begründet seinen Vorstoß unter anderem damit, dass alles, was das Leben der Menschen bestimme, in der Hand der Gesellschaft sein solle. Und er stört sich daran, dass es Leute gibt, „die großen Immobilienbesitz haben, große Aktienpakete oder Fondsanteile. Die müssen nicht selbst produktiv tätig sein, sondern können ihr Kapital für sich arbeiten lassen“. Das besonders Ungerechte daran sei, dass über diese sehr großen Vermögen und Freiheiten nur sehr wenige verfügten, denn „der Zugang zu Vermögen ist für die meisten faktisch nicht gegeben“. Genauso finde er es „lächerlich, wenn jemand als erfolgreicher Unternehmer auf der Bühne steht und sagt: 'Sehr her, jeder kann es schaffen'“, denn es könnten eben nicht alle gleichzeitig schaffen.

          „Vermietung ist kein legitimes Geschäftsmodell“

          Auch private Vermietungen solle es im „Optimalfall“ nicht mehr geben. Sie widersprechen seinem sozialistischen Wirtschaftsmodell. Kühnert finde nicht, dass es ein legitimes Geschäftsmodell sei, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sagt er. „Konsequent zu Ende gedacht, sollte jeder maximal den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt“.

          Klar distanziert sich der Juso-Chef allerdings von bisherigen Formen des Staatssozialismus wie in der DDR. In solchen Modellen habe es meistens einen „eklatanten Mangel an demokratischer Mitbestimmung“ gegeben. Sozialismus sei aber „kein autoritäres Konzept“.

          Für sich gibt Kühnert in dem Interview ein persönliches Versprechen ab: Sollte er einmal eine Million Euro erben, würde er sich sicher keine Eigentumswohnung kaufen, sondern „einen erheblichen Teil davon spenden“, versichert er. Die Beteuerung, dass er über eine so hohe Erbschaft aber „noch nie nachgedacht“ habe, lässt allerdings darauf schließen, dass er sein Versprechen wohl nie einlösen muss. Meist weiß man ja grob, in welchen Verhältnissen die eigenen Eltern leben.

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