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Ihr Beitrag an den Staat : Gehören Sie zu den Nettozahlern?

Die Berechnung ist zwar kompliziert, aber die Umverteilung in Deutschland funktioniert: Wer viel verdient, muss auch viel abgeben. Bild: dpa

So gut wie alle Deutschen zahlen Steuern, viele auch Sozialabgaben. Aber es kommt vom Staat auch etwas zurück, sei es Kindergeld, Elterngeld oder Bafög. Das IW Köln zeigt, wer draufzahlt und wer nicht.

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          Viele Deutschen ärgern sich, wenn sie auf ihrem Gehaltszettel sehen, wie viele Steuern und Sozialabgaben von ihrem Lohn abgezogen werden. Es kommt ja auch einiges zusammen: Außer der Einkommensteuer verlangt der Staat einen Solidaritätszuschlag, die Kranken- und die Pflegekasse wollen ihr Geld, die Rentenkasse und die Arbeitslosenversicherung auch. Ein Drittel des Bruttolohns ist schnell weg, Spitzenverdiener sehen fast die Hälfte ihres Gehalts nie auf dem Konto.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Hinzu kommen die sogenannten indirekten Steuern. Sie werden nicht direkt vom Gehalt abgezogen, sondern fallen an, sobald man etwas konsumiert. Die bekannteste indirekte Steuer ist die Mehrwertsteuer, die am Ende jedes Kaufs auf den Nettobetrag aufgeschlagen wird. Aber auch die Tabaksteuer, die Stromsteuer und die Alkoholsteuer gehen ins Geld.

          Das eingenommene Geld gibt der Staat an vielen Stellen wieder aus: Er baut nicht nur Straßen, bezahlt Lehrer und Soldaten, sondern überweist sehr vielen Menschen auch direkt Geld. Aus den staatlichen Haushalten kommen beispielsweise das Kindergeld, das Elterngeld, Hartz-IV-Zahlungen, Pensionen oder das Bafög für Schüler und Studenten. Die Sozialversicherungen wiederum zahlen Renten aus, Arbeitslosen- und Pflegegeld. Ob und wie viel Geld man am Ende draufzahlt, ist vor allem wegen der indirekten Steuern nur schwierig nachzuvollziehen.

          Licht ins Dunkel bringt ein Online-Tool, das Martin Beznoska vom IW Köln entwickelt hat. Die interaktive Grafik funktioniert denkbar einfach: Geben Sie rechts oben Ihr Haushalts-Bruttoeinkommen im Jahr ein (also alle Einkommen aller Haushaltsmitglieder zusammengerechnet). In den nächsten Zeilen notieren Sie, wie viele Personen ab 14 Jahren und wie viele Personen unter 14 Jahren in Ihrem Haushalt leben. Mit diesen Angaben ermittelt das Programm im Hintergrund Ihr sogenanntes bedarfsgewichtetes Einkommen. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob Sie als kinderloser Single Ihr Gehalt für sich alleine behalten können oder ob Sie es mit Ihrem Partner und drei Kindern teilen müssen. Die Grafik zeigt dann an, wie viel Prozent der Haushalte mit weniger Geld zurechtkommen müssen und wie viele sich einen höheren Lebensstandard leisten können.

          Wer mit seinem Partner zusammen insgesamt 70.000 Euro im Jahr verdient, damit aber auch 2 Kinder ernähren muss, findet sich genau in der Mitte der Bevölkerung (50 Prozent sind ärmer, 49 Prozent sind reicher). Die Grafik des IW Köln zeigt weiter unten dann an, dass ein Haushalt mit einem solchen Einkommen von 70.000 Euro bei zwei Kindern insgesamt 14.995 Euro im Jahr an den Staat und die Sozialkassen zahlt. Umgekehrt fließen 14.330 Euro zurück. Mit anderen Worten: Wer genau zur Mitte gehört (das 50. Prozent) zahlt im Jahr 665 Euro drauf.

          54 Prozent der Haushalte zahlen mehr, als sie bekommen

          Das ändert sich erst vom 46. Prozent an abwärts. Bis dahin gehören die Haushalte zu den Nettoempfängern. Wer als Single weniger als 2625 Euro brutto im Monat verdient, erhält im Durchschnitt mehr vom Staat, als er einzahlt. Im 47. Prozent werden die Betroffenen zu Nettozahlern. 

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