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Oberster Gerichtshof verfügt : Streit um kostenlose Corona-Tests in Indien

  • -Aktualisiert am

Mumbai: Gesundheitspersonal sammelt Informationen in Dharavi, einem der größten Slums Asiens. Bild: dpa

Private Laborbetreiber sollen Coronatests künftig kostenlos durchführen. Deshalb droht ihnen der Zusammenbruch und die Testrate könnte sogar sinken. Die Armen des Landes aber brauchen die Tests.

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          Indien soll einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zufolge künftig all seine Bürger kostenlos gegen Corona testen. Was sich nach einem guten Ansatz im Land der fast 1,4 Milliarden Menschen anhört, trifft auf Widerstand – denn mit den gebührenfreien Tests drohen die privaten Labore zusammenzubrechen.

          Sie aber bilden auf dem Subkontinent mit seiner Unterversorgung das Rückgrat der Gesundheitsvorsorge. Mit seinen 136 staatlichen und 56 privaten Laboren hat Indien eine der niedrigsten Testraten mit nur 13.000 Tests am Tag. Zum Vergleich: Südkorea mit nur gut 50 Millionen Einwohnern untersucht täglich 20.000 Menschen auf das Virus. Ziel der indischen Regierung ist es, die Testrate auf 20.000 bis 100.000 Tests am Tag zu erhöhen.

          Labore fordern Entschädigung

          Eine im Gesundheitswesen führende Inderin warnt hingegen, die Gerichtsentscheidung in der Praxis anzuwenden: „Menschlicher Ansatz, aber schwierig umzusetzen: Ich fürchte, die Testrate wird dann sogar sinken“, twitterte Kiran Mazumdar-Shaw, Gründerin und Chefin des Biotechnologiekonzerns Biocon aus Bangalore.

          In Ahmedabad in Indien überprüft ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens während der Ausgangssperre die Temparatur eines Mannes.

          Betreiber privater Labore forderten, die Regierung müsse ihnen zumindest rund 2500 Rupien (30,13 Euro) je Test als Entschädigung zur Verfügung stellen. Als Steuerzahler finanzieren die Labore in privater Hand die Tests in den staatlichen Laboren mit und müssten nun zusätzlich die eigenen Kosten für Testkits und Angestellte übernehmen, ohne Umsatz zu machen.

          Das aber können sich viele Labore in der heutigen wirtschaftlichen Situation nicht leisten, ohne eine staatliche Sicherheit für eine finanzielle Unterstützung in Aussicht zu haben. Schon jetzt sei der normale Betrieb dieser Labore um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, entsprechend seien die Einnahmen gesunken.

          Offiziell 10.000 infizierte Inder

          Der Oberste Gerichtshof Indiens hatte die Regierung in einer einstweiligen Verfügung aufgefordert, Covid-19-Tests kostenlos durchführen zu lassen. Die Richter vertraten die Ansicht, dass die Privatwirtschaft in der nationalen Krise helfen müsse. Indien könne nicht zulassen, dass sich Arme einen Test nicht leisten könnten.

          Zwei junge Männer mit Maske im Slum Dharavi in Mumbai.

          Das Gericht schlug der Regierung aber auch vor, die privaten Labors für die hunderttausenden Tests, die nötig wären, mit Steuergeldern zu entschädigen. Innerhalb von zwei Wochen muss Neu Delhi sich nun darauf einstellen.

          Indien zählt derzeit offiziell knapp 10.000 Infizierte. Das Gericht antwortet mit seinem Urteil auf Petitionen von Gesundheitsorganisationen. Sie plädieren für gebührenfreie Corona-Tests, damit sich auch die mehr als 800 Millionen ärmeren Inder kostenlos testen lassen können.

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