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Arm und Reich vereint : Ganz oben, ganz unten

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Das Unicenter in Köln, gebaut in den siebziger Jahren, hat 45 Stockwerke und mehr als 1500 Bewohner. Bild: Helmut Fricke

Im Hochhaus leben alle soziale Schichten zusammen: oben der Millionär, unten der Habenichts. Und wenn es ums Geld geht, droht Stillstand. Ein Abbild der Gesellschaft. Ortstermin im Kölner Unicenter.

          Wer ganz nach oben will im Unicenter in Köln – da ist es im Hochhaus genauso wie im Leben –, dem gelingt das nicht einfach so. Den Schlüssel zum Aufstieg haben nur die wenigen, die dort oben wohnen, und die beiden Hausmeister. Bis in den 38. Stock kommt man noch mit dem normalen Aufzug, danach wechselt man in ein anderes Treppenhaus und einen anderen Aufzug. Am Schluss steigt man ein paar Stufen aufwärts, noch eine Leiter, und dann steht man auf dem Dach, ganz oben auf dem zweithöchsten Wohngebäude Deutschlands. Geradeaus sieht der Dom gar nicht mehr so beeindruckend aus, rechts kann man die Gipfel des Siebengebirges zählen, links liegt Düsseldorf, und schräg nach unten blickt man auf die Penthäuser hinab, die rundum verglast sind, weil einem hier oben eigentlich eh keiner ins Fenster schauen kann.

          „Nicht schlecht, oder?“, sagt einer der kölschen Hausmeister. Und wenn man schon hier oben sei, müsse man unbedingt mit der Frau sprechen, die er eine „tolle alte Dame“ nennt. Helga Gramen wohnt ein paar Etagen tiefer im 37. Stock, und der Ausdruck „alte Dame“ trifft ihre Erscheinung nicht ganz. Sie hat ihre Stöckelschuhe mit Leopardenmuster auch im Alter nicht abgelegt, trägt die Hosen eng, die Haare lang und blondiert und empfängt in einer kleinen Wohnung ganz in Weiß und Spiegel, voller großformatiger Bilder und mit einem Blick bis weit in die Eifel. Wie alt sie ist, mag sie nicht verraten, wohl aber, dass sie seit 34 Jahren im Unicenter wohnt. 1982 ist sie eingezogen, da war das Hochhaus noch keine zehn Jahre alt. Sie zog mit ihrem zweiten Mann hierhin, einem Musiker. „Wir wollten nur ein Jahr hier wohnen“, sagt Gramen. Doch sie blieben.

          Nicht mehr top in Schuss, aber immer noch begehrt

          Gramen wohnt schon lange sehr weit oben im Unicenter, was in einem Hochhaus nicht unwichtig ist. Denn in der Regel wird es umso schöner, je höher man zieht – die Aussicht ist eben besser –, und umso teurer. Das sieht man an aktuellen Hochhausprojekten. Im „Grand Tower“, der gerade in Frankfurt entsteht und der der größte Wohnturm des Landes werden soll, kostet der Quadratmeter in den obersten Etagen – vom 43. bis 47. Stock – etwa 19.000 Euro. In den untersten fünf Stockwerken sind es 5700 Euro.

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          Eine Wohnung im Unicenter, fertiggestellt 1973, ist natürlich viel billiger. Das Hochhaus ist heute nicht mehr top in Schuss. Die braune Farbe außen ist längst außer Mode und vom Regen verwaschen. Immerhin die Aufzüge sind gerade neu. Doch innen wird überall saniert, der Brandschutz ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, alte Decken müssen raus, alte Rohre, man findet überall Asbest. Doch die Wohnungen nahe am Kölner Himmel sind immer noch begehrt. Ganz oben gibt es die Penthäuser mit mehr als 200 Quadratmetern, direkt darunter die Maisonetten mit 120 bis 150 Quadratmetern über zwei Etagen mit Blick in zwei Richtungen.

          Ärzte, Professoren und Heiner Lauterbach

          In so einer Maisonette hat Helga Gramen 25 Jahre lang gewohnt. Ihr Mann war Gitarrist in einer Kölschrock-Band namens Zeltinger, die Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre mit derben Texten und Wildheit Erfolge feierte. Der Leadsänger – Jürgen Zeltinger – wohnte auch im Unicenter. Ende der 80er Jahre kauften die Gramens eine der großen Maisonette-Wohnungen.

          Darüber, in einem der Penthäuser, wohnte damals ein Mann, der sein Geld „im Milieu“ machte, wie Gramen das nennt, „ein ganz netter Mann“, Spitzname: der lange Joe. Er wurde ein Freund – wie so viele Bewohner der obersten Stockwerke. Da gab es einen Geiger, einen „schönen großen Schweden“, der Holzschuhe verkaufte, mehrere Ärzte, Professoren. Heiner Lauterbach gehörte zum Bekanntenkreis, diverse Künstler. Man kochte reihum, man machte Musik, stellte die Boxen auf den Flur. „Wir haben nachts gelebt, am Tag geschlafen“, sagt Gramen. „Das war eine schöne und verrückte Zeit.“

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