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Gehaltsvergleich : Ostdeutschland ist Mindestlohnland

Brandenburg gehört ebenfalls zu den Ländern mit dem niedrigsten Durchschnittslohn in Deutschland. Bild: dpa

8,50 Euro je Stunde gilt als Untergrenze für ganz Deutschland. Doch im Osten liegt sogar der Durchschnittslohn oft kaum höher.

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          Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde. Abgesehen von ein paar Ausnahmen (etwa für Langzeitarbeitslose) und Übergangsregelungen ist diese Lohnuntergrenze seitdem das Maß aller Dinge für Beschäftigte von Flensburg bis Garmisch.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Im Vorfeld wurde viel darüber diskutiert, welche regionalen Auswirkungen der Mindestlohn hat. Dazu hat das Statistische Bundesamt jetzt neue Daten vorgelegt in Form einer Deutschlandkarte, welche die relative Höhe des Mindestlohns gemessen am durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst einer Region ausweist.

          Dabei gehen die Statistiker davon aus, dass ein Mindestlohnbezieher im Monat auf 1473 Euro kommt. Die auf der Karte ausgewiesene Prozentangabe weist laut Statistikamt also das Maß der Betroffenheit vom Mindestlohn an. Als Beispiel: Läge der Index für eine Region bei 100 Prozent, würden alle Beschäftigten den Mindestlohn beziehen. Je niedriger der Wert, desto mehr Leute verdienen mehr. Auf der Landkarte spiegelt sich diese Betroffenheit in der Farbskala von dunkel (hoch) nach hell (niedrig) wieder.

          Schon der schnelle Blick verrät: Der Mindestlohn kommt vor allem in Ostdeutschland zum Tragen. Die Region Perleberg in Brandenburg weist mit 74 Prozent die höchste Betroffenheit in Deutschland aus. Dort beträgt der Bruttoverdienst der 26.000 Beschäftigten im Durchschnitt 2000 Euro. Auch Nordvorpommern sowie Landkreise in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen nahe an die 70-Prozent-Marke. Positive Ausnahme im Osten ist Berlin mit 44 Prozent.

          Deutlich niedriger sind die Werte in Westdeutschland. Einzig das niedersächsische Uelzen, in direkter Nachbarschaft von Perleberg gelegen, erreicht mit 65 Prozent ein ähnliches Niveau. Kurioserweise grenzt südlich von Uelzen wiederum Wolfsburg an, das mit 34 Prozent neben Frankfurt und München zu den stärksten Regionen gehört.

          Zu dem hohen Durchschnittsverdienst von 4300 Euro dürfte der Haustarifvertrag von Volkswagen erheblich beigetragen haben. Ansonsten ist in den alten Bundesländern ein erhebliches Nordsüdgefälle zu erkennen. Mit einigen Ausnahmen – Großraum Hamburg, Region Köln/Düsseldorf – spielt der Mindestlohn in der Mitte und im Süden eine deutlich geringere Rolle.

          „Die Karte zeigt, wie problematisch ein einheitlicher Mindestlohn in der Fläche ist“, analysiert Holger Bonin, Arbeitsmarktforscher am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Die regionale Differenzen im Durchschnittslohn reflektierten Unterschiede in der Produktivität und Wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Regionen. „All das spricht für eine regionale Differenzierung des Mindestlohns“, sagt Bonin, bei den Tariflöhnen gebe es die schließlich auch.

          Vorgesehen ist demnächst aber eine generelle Anhebung des Mindestlohns. Noch im Sommer wird die Mindestlohnkommission Vorschläge dazu machen. Es zeichnet sich ein Niveau von rund 8,80 Euro ab.

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