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Gehaltskluft zu Angestellten : Immer mehr Geld für den Chef

Hat Grund zur Freude: Post-Chef Frank Appel Bild: dpa

97 Mal so viel wie ihre Angestellten verdienen Deutschlands Dax-Chefs. Ist das fair? Im Vergleich mit Amerika jedenfalls sind die Unterschiede hierzulande noch milde.

          Vorstände von Dax-Unternehmen ziehen ihren Angestellten in der Bezahlung davon. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmerrechte (IMU) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Der Studie zufolge ist das Verhältnis zwischen der Vergütung von Vorstandsmitgliedern und dem durchschnittlichen Gehalt Angestellter – die sogenannte „Manager to Worker Pay Ratio“ – von 2005 bis 2017 von 42 auf 71 gestiegen. Das heißt: Dax-Vorstände verdienten 2017 etwa 71 Mal so viel wie ihre Angestellten.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorstandsvorsitzenden verdienten sogar im Mittel das 97-Fache ihrer Angestellten. Spitzenreiter beim Abstand zwischen Vorstandschef und Arbeiter ist die Deutsche Post. Deren Chef Frank Appel verdiente 232 Mal so viel wie der durchschnittliche Post-Angestellte – kein allzu gutes Bild angesichts der Diskussion um die umstrittenen Befristungs-Regelungen des ehemaligen Staatsunternehmens.

          In der Commerzbank, dem Schlusslicht der Rangliste, erhielten die Vorstandsmitglieder durchschnittlich 20 Mal so viel wie die Angestellten. Der Wert für den Commerzbank-Chef Martin Zielke lag bei 25. Auch der ehemalige Chef der Deutschen Bank John Cryan erhielt nur 35 Mal so viel wie seine Angestellten.

          Die genauen Werte sind jedoch umstritten. Laut Rückversicherer Munich Re erhalten seine Vorstandsmitglieder 23 Mal so viel wie seine Angestellten, der Vorstandsvorsitzende das 37-Fache. Die Studie kommt auf Werte von 44 und 64. Die Autorin der IMU-Studie Marion Weckes verweist auf ihre Methodik: Während die Munich Re nur die Vergütung bis Ende des Jahres bei vollständiger Zielerreichung betrachteten, schaue sie sich das gesamte Vergütungspaket an.

          Wer nun aber folgert, Dax-Chefs würden immer gieriger, sollte vorsichtig sein. Die Unternehmensberatung HKP-Group, die sich auf Vergütungsfragen spezialisiert hat, stellte in einer Analyse fest, dass die Gehälter von Dax-Chefs zwischen 2006 und 2016 zwar um jährlich 2,4 Prozent stiegen. In der gleichen Zeit hätten die Bruttogehälter in Deutschland aber jedes Jahr um 2,3 Prozent zugelegt – bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,3 Prozent. Das Ergebnis dieser Studie lautete also eher: Ja, Vorstände ziehen ihren Angestellten davon, aber nicht wirklich stark.

          Amerikanische Chefs verdienen mehr

          Die Dax-Chefs vergleichen ihre Vergütung vermutlich weniger mit der ihrer Angestellten. Stattdessen schauen sie auf die Vorstandsvergütung in anderen Ländern – dort verdienen sie im Verhältnis wenig.

          Die höchste Vergütung erhielt unter den Dax-Vorstandschefs Bill McDermott vom Softwareunternehmen SAP. Er ging 2017 mit 21,15 Millionen Euro nach Hause. Unter den CEOs der im amerikanischen Börsenindex S&P 500 vertretenen Unternehmen läge er damit nur auf Platz 28. Spitzenreiter war dort der Ende des Jahres verstorbene Chef des Transportunternehmens CSX Corporation, Ewing Hunter Harrison. Umgerechnet erhielt er etwa 130 Millionen Euro.

          Das Verhältnis von Vorstandsvergütung zu Angestelltengehalt ist dabei maßgeblich von Geschäftsmodell und Branche des Unternehmens abhängig. Die Postboten der Deutschen Post verdienen deutlich weniger als Ingenieure bei SAP. Das treibt den Wert für Deutsche Post-Chef Appel nach oben.

          Das zeigt sich genauso in Amerika: Unter den S&P 500-Vorstandschefs führt die Chefin des Spielzeugherstellers Mattel, Margaret Georgiadis, die Rangliste an. Der lässt seine Barbies in Billiglohnländern produzieren. Mit ihren umgerechnet 26,75 Millionen Euro Vergütung erhielt Georgiadis deshalb knapp 5000 Mal so viel der durchschnittliche Angestellte ihres Unternehmens.

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