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DIW-Experiment : Ansturm auf das Grundeinkommen

Geldregen für alle? Das wünschen sich Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens. Bild: dpa

Das Interesse am Projekt zum Bedingungslosen Grundeinkommen ist gewaltig: Mehr als 1,5 Millionen Menschen wollen mitmachen.

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          1200 Euro Lebensunterhalt im Monat, drei Jahre lang – bedingungslos und abgabenfrei. Damit lockt das „Pilotprojekt Grundeinkommen“. Seit dem vergangenen Dienstag können sich Interessierte für die Studie bewerben, die unter der Federführung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Frühjahr 2021 beginnen soll.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          120 Plätze gab es ursprünglich zu vergeben, alle sind über private Spenden finanziert. Und siehe da: Der Ansturm ist gewaltig. Bis Montagmorgen haben sich schon mehr als eineinhalb Millionen Menschen beworben.

          Und auch mit Blick auf die finanzielle Ausstattung des Projekts hat sich etwas getan: Wie die Initiatoren mitteilten, sei zwischenzeitlich Geld für zwei weitere Teilnehmerplätze da.

          Viele Gegner und Befürworter

          Angestoßen wurde das Projekt vom Berliner Verein „Mein Grundeinkommen“. Zusätzlich zu den Beziehern des Einkommens soll es eine Kontrollgruppe mit 1380 Menschen geben, die kein Geld erhält. Die Initiatoren erhoffen sich Erkenntnisse darüber, welche Wirkungen das Grundeinkommen auslöst.

          Fachleute zweifeln an der Aussagekraft. Die Kritik: Erstens sage ein zeitlich begrenztes Experiment wenig über ein dauerhaftes bedingungsloses Grundeinkommen aus. Zweitens sei davon auszugehen, dass sich vor allem diejenigen meldeten, die mit der Idee sympathisieren. Und drittens habe ein Studie mit nur 120 Probanden ohnehin nur eine geringe Aussagekraft. Der Grund für die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl liegt auf der Hand. Auch so kostet das Projekt die Initiatoren schon rund 1,7 Millionen Euro im Jahr.

          Das Grundeinkommen hat viele Befürworter und Gegner. Kritiker sagen, dass eine solche Leistung den Anreiz zur Aufnahme eines Jobs verringere und die Gemeinschaft zu viel Geld koste. Rein rechnerisch fielen für ein Grundeinkommen von 1000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr an. Sowohl Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprachen sich zuletzt gegen die Idee aus.

          Das deutsche Experiment ist nicht das erste seiner Art: Ähnliche Versuche in Finnland und Kanada hatten allerdings nicht den erhofften Erkenntniswert gebracht.

          Die Initiatoren des Projekts erhoffen sich dennoch einen großen Erkenntnisgewinn. „Unsere Studie funktioniert nach wissenschaftlichem Goldstandard und wird erstmals belastbare und für einen Teil der Bevölkerung repräsentative Grundlagen-Erkenntnisse liefern“, sagte Michael Bohmeyer, Initiator von „Mein Grundeinkommen“, der F.A.S.

          Natürlich sei die Studie nicht perfekt. Sie sei aber ein wertvoller Erkenntnisschritt. „Die Kritik langweilt uns. Wir wollen lieber anfangen und forschen, anstatt zu agitieren.“

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