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DIW-Berechnungen : Reiche Deutsche, zufriedene Deutsche

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So lässt es sich aushalten: Die Deutschen sorgen sich um ihre eigene wirtschaftliche Situation kaum noch. Bild: dpa

Die Einkommen in Deutschland wachsen, deshalb sind die Deutschen zufrieden. Die Ungleichheit aber wächst ebenfalls. Dafür gibt es ganz besondere Gründe.

          Die Deutschen sind mit ihrem Einkommen so zufrieden wie lange nicht mehr. Selbst unter den ärmsten zehn Prozent der Deutschen lag die Zufriedenheit mit dem Einkommen im Jahr 2017 höher als in den Jahren 2007 und 1997 – so haben es Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt.

          Die Daten stammen aus dem sozioökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 30.000 Deutschen. Sie zeigen auch: Die Deutschen sorgen sich um ihre eigene wirtschaftliche Situation kaum noch. Fast 40 Prozent sagen, sie hätten „keine Sorgen“ – so einen Wert hat Deutschland nicht mal in den 90er-Jahren erreicht. Nur noch 15 Prozent der Deutschen machen sich „große Sorgen“, wie Markus Grabka, Jan Goebel und Stefan Liebig erfragt haben.

          Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Einkommen der meisten Deutschen gestiegen sind. Damit ist die Situation in Deutschland anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten: Dort steigen die Einkommen zwar insgesamt, aber davon profitieren praktisch nur die Reichen. Die Einkommen der durchschnittlichen Amerikaner steigen dagegen kaum.

          Einkommen steigen nicht gleichmäßig

          In Deutschland dagegen steigen auch diese Einkommen. Das zeigt sich am Median, also dem Wert, über und unter dem jeweils die Hälfte der Deutschen liegen. Das Medianeinkommen ist seit 2013 besonders schnell gestiegen, nämlich um rund acht Prozent. Gemessen werden dabei die verfügbaren Einkommen, also Nettoeinkommen nach allen Steuern und Sozialleistungen.

          Die Einkommen in Deutschland steigen allerdings nicht gleichmäßig. Besonders schnell reicher geworden sind die obersten zehn Prozent der Bevölkerung. Sie bekommen inzwischen ein Drittel mehr als 1991. Ihr Einkommenszuwachs geschah vor allem zwischen 2001 und 2007, aber auch in den guten Jahren von 2014 an. Inzwischen profitieren allerdings auch alle anderen Einkommensgruppen vom Einkommenszuwachs – bis auf das ärmste Zehntel. Das muss aber nicht bedeuten, dass tatsächlich die armen Leute in Deutschland jetzt weniger Einkommen haben.

          Gemessen wird da eher ein rein statistischer Effekt: Weil Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und hier erst mal wenig Geld verdienen, kommen am ärmeren Ende der Statistik neue Leute mit geringen Einkommen dazu. Insgesamt führt das dazu, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland wächst, wenn man sie am Gini-Koeffizienten misst. Auf einer Skala von 0 (ganz gleich) bis 1 (ganz ungleich) steht der Gini-Koeffizient jetzt bei 0,29, so hoch wie noch nie seit seiner Messung.

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