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Die Oberschicht am Tegernsee : Deutschland, deine Reichen

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Schon Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders, hatte seinen Bungalow auf dem Ackerberg an der Nordspitze, unweit davon besaß auch die Deutsche Bank ein eigenes Anwesen. Dort tagt die Konzernspitze bis heute, nun allerdings in fremden Betten, nur ein paar Kilometer entfernt von der konzerneigenen BMW-Herberge, wo die Autovorstände sich regelmäßig über ihre Strategie beugen.

CSU-Herrscher Franz Josef Strauß residierte einst unten im Süden des Sees, ebenso Alexander Schalck-Golodkowski, der Devisenschieber der DDR. Händler-Clans wie die Familien Schickedanz (Quelle-Versand) und Nanz (Supermärkte) sind bis heute präsent, auch wenn ihre Läden längst untergegangen oder verkauft sind.

Die Hierarchie ist klar: Entweder man wohnt hoch oben an den Hängen mit unverbaubarem Eins-A-Blick, oder es muss ein Seegrundstück sein. Der soziale Aufstieg vollzieht sich Meter für Meter in Richtung Strand. Manche Leute arbeiten sich Straße für Straße nach vorne, berichten Makler.

Im Tal mögen sie es ganz und gar nicht krawallig

Wer entlang des Ufers von Rottach-Egern nach Bad Wiessee radelt, passiert die Erfinder der Modemarken Hugo Boss und Strenesse, die Großaktionäre von Metro und Media Saturn, Franz Markus Haniel und Erich Kellerhals, wohnen Gartenzaun an Gartenzaun. Viel gesprochen wird dort nicht mehr, seit sie sich in juristische Scharmützel begeben haben. Small Talk hilft nicht, wenn die Anwälte scharf schießen.

Dabei mögen sie es ganz und gar nicht krawallig im Tal. Man zeigt den Reichtum dezent, „nicht wie in Sylt oder Kitzbühel“, oder drüben am Starnberger See, wo eh nur die hausen, die es nicht hierher geschafft haben, auf diesen Spruch einigt man sich schnell am Tegernsee.

Diskret und wohltemperiert wollen sie es hier haben. Schließlich kommt man hierher zum Entspannen, zum Heiraten (wie Daimler-Chef Dieter Zetsche vorigen Herbst) oder zum Golfen, wie der ehemalige CDU-Hoffnungsträger Friedrich Merz, inzwischen in Diensten des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, der sich am Ostufer niedergelassen hat, und sich, nebst anderem, an der örtlichen Braukunst erfreut: „Das Tegernseer Hell ist das beste Bier im Land.“ Verkauft werden die Flaschen mit der weißblauen Raute inzwischen in der ganzen Republik, selbst in unwirtlichen Gegenden im Norden. Gebraut werden sie im Auftrag des Herzogs auf dem Klostergelände im Ort Tegernsee.

Alexander Sego, ein deutschamerikanischer Manager, hat am See ein Vermögen gemacht.

Über ein Jahrtausend prägten die dort angesiedelten Benediktiner die Region. Anfang des 19.Jahrhunderts, nach der Säkularisation im Jahr 1803, verlegte König Max von Bayern seine Sommerresidenz an den Tegernsee, das brachte Schwung in den Tourismus.

Auch die Nationalsozialisten liebten den See

Schon 1848 mokierte sich der Münchner Schriftsteller Ludwig Steub über den Auftrieb: „Am Tegernsee ringen fremde Prinzen, Wiener Equipagen und Pariser Toiletten wetteifernd um die Aufmerksamkeit eines auserlesenen Publikums.“ Auf den Adel folgten Künstler wie Ludwig Thoma, auf den sie hier noch immer stolz sind, auch wenn er einst böse gegen die Juden hetzte im Lokalblatt.

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