https://www.faz.net/-gqe-9oe32

Gewerkschaftsbund beklagt : Werden Millionen Beschäftigte um den Mindestlohn betrogen?

  • Aktualisiert am

Zollbeamte bei einer Kontrolle auf einer Baustelle Bild: dpa

Unehrliche Arbeitgeber betrügen nach Meinung von Gewerkschaftern etwa zwei Millionen Beschäftigte um den Mindestlohn. Die Aufzeichnung der Arbeitszeit sei „viel zu leicht manipulierbar“.

          1 Min.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht immer noch große Defizite bei der Durchsetzung des Mindestlohns. DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der „Saarbrücker Zeitung“ vom Mittwoch, 1,8 Millionen Beschäftigte würden um den gesetzlichen Mindestlohn „betrogen“. Würden die Branchenmindestlöhne hinzugenommen, seien es sogar 2,2 Millionen Menschen. Hier müsse die Bundesregierung endlich handeln.

          „Das Hauptproblem ist, dass es immer noch viele unehrliche Arbeitgeber gibt, die sich nicht an den Mindestlohn halten“, sagte Körzell. Häufig würden Arbeitgeber ihre Beschäftigten länger arbeiten lassen, als vertraglich vorgesehen. Die Unterlagen zur Aufzeichnung der Arbeitszeit seien für Arbeitgeber „viel zu leicht manipulierbar“.

          Zugleich sprach das DGB-Vorstandsmitglied sich für eine Anhebung des Mindestlohns von derzeit 9,19 Euro auf zwölf Euro aus. Der DGB wolle einen „armutsfesten Mindestlohn“. Der DGB veranstaltet am Mittwoch eine Expertenkonferenz zum Thema Mindestlohn.

          „Das wäre eine Kriegserklärung“

          Derweil sprach sich der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, gegen den Vorstoß der SPD aus, den Mindestlohn auf mindestens zwölf Euro zu erhöhen, damit die Bezieher im Alter von ihrer Rente leben können.

          „Das ist ein völlig anderes Konzept und wäre eine Kriegserklärung an die Tarifvertragsautonomie“, sagte Kampeter der „Augsburger Allgemeinen“ vom Mittwoch. „Alle, die den Mindestlohn jetzt politisieren und zum Gegenstand von Wahlkämpfen machen, müssen sich das sehr klug überlegen.“ Der Mindestlohn sei keine Grundsicherung gegen Armut, sagte Kampeter. „Aufgabe des Staates ist es, durch eine Grundsicherung das Existenzminimum abzudecken, falls die Rente nicht ausreicht.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zum Tod von Diego Maradona : In den Händen Gottes

          Bei der WM 1986 wurde er in Argentinien zum Heiligen. Er war einer, der es nach ganz oben schaffte. Nun muss die Fußball-Welt sich von einem ihrer größten Spieler verabschieden: Im Alter von nur 60 Jahren ist Diego Armando Maradona gestorben.
          Allerdings muss die europäische Arzneimittelbehörde vorher noch eine Zulassung erteilen.

          Corona-Liveblog : Moderna will Impfstoff schon im Dezember an EU liefern

          Einigung auf schärfere Auflagen für größere Geschäfte +++ Gesamtpapier von Bund und Ländern steht aber wohl noch nicht +++ Amerika erwägt Aufhebung von Einreiseverboten für europäische Staaten +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.