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Spitzenbezüge : Deutsche kritisieren hohe Managergehälter am härtesten

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Echte Führungskräfte wissen, an der Spitze ist es einsam. Das gilt für ihr Gehalt und meist auch für ihren Zuspruch aus der Gesellschaft. Bild: dpa

Nur jeder fünfte Deutsche glaubt daran, dass Unternehmen für die besten Manager zwangsläufig sehr hohe Gehälter zahlen müssen. Auch die Kritik an Spitzenbezügen ist in anderen Ländern deutlich leiser.

          Die Deutschen empfinden sehr hohe Managergehälter als ungerecht. Fast zwei von drei Deutschen finden es unangemessen, wenn eine Führungskraft hundertmal mehr verdient als der durchschnittliche Angestellte eines Unternehmens. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Allensbach, die der Soziologe Rainer Zitelmann für sein neues Buch „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ in Auftrag gegeben und ausgewertet hat. Im Vergleich mit Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist die Zahl derjenigen, die Spitzengehälter ablehnen, in Deutschland damit am höchsten.

          Nur jeder fünfte Deutsche vertritt hingegen die gegenteilige Ansicht und stimmt der Aussage zu, dass Unternehmen nur dann die besten Manager bekommen können, wenn sie sehr hohe Gehälter zahlen. Sie glauben nicht, dass die Manager sonst zu anderen Unternehmen gehen oder sich selbstständig machen könnten. In den anderen drei Ländern teilen deutlich mehr Menschen diese Aussage (siehe Tabelle weiter unten).

          Dass die meisten Deutschen sehr hohe Managergehälter kritisch sehen, haben schon viele Umfragen gezeigt. Neu ist die Begründung, die Zitelmann für die große Ablehnung der Bundesbürger ins Feld führt. Demnach halten vor allem gering bezahlte Arbeitnehmer ein sehr hohes Gehalt für unangemessen, weil ein Spitzenmanager für sein Gehalt nicht so viel länger arbeite und auch nicht so viel fleißiger sein müsse als ein typischer Arbeitnehmer.

          Die Gleichung „Mehr Arbeitsstunden führen zu mehr Lohn“ gilt zwar für selbständige Handwerker, Teilzeitkräfte und Mini-Jobber. Die Bezahlung von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern richtet sich hingegen oft nach ihren Berufsjahren, ihrer Hierarchiestufe und im weiteren Sinne auch ihrer Tarifmacht.

          Spitzenkräfte wiederum handeln ihr Gehalt so gut wie immer frei aus, ihr Salär richtet sich viel eher nach dem Angebot und der Nachfrage, die es auf dem Arbeitsmarkt für eine bestimmte Führungsposition gibt. Besonders deutlich kann man das auch auf dem Fußballmarkt sehen: Muss ein international spielender Verein eine bestimmte Position dringend mit einer Spitzenkraft besetzen, werden sehr schnell zweistellige Millionengehälter fällig. Die Klagen der Fans, die teils sehr viel Geld für Bezahlfernsehen, Trikots und Eintrittskarten ausgeben, halten sich hier erstaunlicherweise aber in Grenzen.

          Wie die Allensbach-Umfrage zeigt, ist für viele Menschen sehr wichtig, wie jemand an sein Geld kommt. Unternehmern und Selbständigen gönnen sechs von zehn Befragten ihr Vermögen, Spitzensportlern jeder dritte, Erben und Spitzenmanagern nur noch jeder fünfte, Finanzinvestoren und Bankern nicht mal jeder zehnte.

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