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Vermögensvergleich : Wie reich sind Sie wirklich?

Die Deutschen überschätzen die Ungleichheit eher

Generell überschätzen die Deutschen die soziale Ungleichheit im Land eher, zumindest wenn es um die Einkommen geht. Auch diese Fehleinschätzung trägt dazu bei, dass sich viele Deutsche wundern: Sie halten sich für Angehörige der Mittelschicht, gehören aber schon zu den vermögenderen Leuten in Deutschland. Der Irrtum hat System. Es gibt ja immerhin einige Superreiche, Milliardäre wie die Lidl-Familie Schwarz oder die SAP-Gründer, und der Abstand zu denen ist riesig. Dabei vergisst man leicht, dass es trotzdem nur sehr wenige Menschen gibt, die solche Reichtümer angehäuft haben – und die obersten zehn Prozent, das sind in Deutschland immerhin auch noch rund vier Millionen Haushalte. Zudem umgibt man sich oft mit Leuten, die ähnlich viel Geld haben wie man selbst: Sie sind ähnlich gebildet, wohnen im gleichen Viertel und haben ähnliche Interessen. Also sehen sich die meisten Leute zu Recht ungefähr in der Mitte ihrer Bekannten. Viele Umfragen haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sich die meisten Deutschen in der Mittelschicht einsortieren, einige noch in der Unterschicht – aber in der Oberschicht praktisch niemand. Dabei ist die harte Wahrheit: Einem selbst reicht das Geld zwar nie, aber die anderen haben wirklich auch nicht mehr.

Auch im Vergleich mit anderen Europäern haben die Deutschen wenig Vermögen. Dabei ist das laufende Einkommen der Deutschen doch eigentlich gar nicht schlecht. Dazu gibt es mehrere Thesen. Eine ist, dass in Deutschland verhältnismäßig wenige Leute im eigenen Haus wohnen, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der Sozialismus in der ehemaligen DDR haben dazu einiges beigetragen – aber auch ein relativ mieterfreundliches Recht, das Mietern im Vergleich mit anderen europäischen Staaten wenig Druck macht, auf ein Eigenheim zu sparen. Einer zweiten These zufolge ist in Deutschland der Druck klein, sich große Reserven für den Notfall zurückzulegen, schließlich ist der Sozialstaat großzügiger als in manch anderem Land und liefert Unterstützung in Notlagen.

Wie sparen die Deutschen mehr?

Politische Vorschläge dazu, wie man die Sparkultur verbessern könnte, gibt es viele. Der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Strengmann-Kuhn gibt zu bedenken, dass es sich für viele Menschen nicht lohnt, für die Rente zu sparen: Sie bekommen so wenig, dass der Staat die Rente aufstocken muss – und dann wird das Vermögen angerechnet. Das solle sich ändern. Zudem plädieren die Grünen für einen staatlich organisierten Bürgerfonds, der an den Kapitalmärkten investiert und in den jeder für die Altersvorsorge Geld einzahlen kann. „Der könnte auch die bürokratische und teure Riester-Rente ersetzen.“

Andere Ideen hat die FDP. „Gerade junge Menschen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, sind nicht in der Lage, frühzeitig Geld zurückzulegen, weil sie überproportional hoch besteuert werden“, sagt Christian Dürr, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP. Finanzminister Scholz’ Finanztransaktionssteuer sei am Ende eine Steuer auf die Altersvorsorge. „Wenn Herr Scholz sagt, man solle sein Geld lieber aufs Sparbuch legen, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Menschen kein Vertrauen in die Aktienmärkte haben.“

In der Zwischenzeit allerdings kann jeder selbst etwas dafür tun, dass er mehr Vermögen aufbaut: das Geld besser anlegen. Die Untersuchung offenbart nämlich noch einen Unterschied zwischen Reichen und Armen. Dabei geht es nicht mal um den Immobilienbesitz, der macht für beide Gruppen durchschnittlich rund zwei Drittel ihres Gesamtvermögens aus. Was die Reichen von den Armen wirklich unterscheidet, das ist ihr Wertpapierbesitz. Ein gut verteiltes Portfolio mit billigen Fonds bringt relativ viel Rendite und ist sicherer als eine Immobilie, die über die Jahrzehnte unverhofft in eine Einflugschneise oder an eine Umgehungsstraße geraten kann. Und inzwischen bieten die meisten Banken Sparpläne an, bei denen man schon mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere investieren kann.

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