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Debatte um Pflegeberufe : Wo Pfleger gut verdienen

In vielen Krankenhäusern fehlen Fachkräfte. Eine Personaluntergrenze wird in Erwägung gezogen. Bild: dpa

Die Gehälter in der Pflege sind ein Politikum. Doch was wird wirklich gezahlt? Je nach Bundesland sind die Unterschiede gewaltig.

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          Wer in der Pflege gut verdienen möchte, der sollte Krankenpfleger werden, idealerweise in einem Krankenhaus im Saarland. Dann sind im Mittel 3293 Euro brutto im Monat drin – das ist nicht nur mehr als in anderen Pflegeberufen, sondern auch deutlich mehr, als Fachkräfte aus anderen Branchen in Deutschland bekommen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Kranken- oder Altenpflege, Klinik oder Pflegeheim, Fachkraft oder Helfer, Ost oder West: All das hat immer noch einen großen Einfluss auf das Gehalt in dieser Branche, auf die derzeit wieder viele blicken. Eine Fachkraft in der Altenpflege etwa bekam im Jahr 2013 in Schleswig-Holstein im Mittel nur 2325 Euro brutto im Monat, also fast 1000 Euro weniger als der Krankenpfleger im Saarland. Diese Verdienstunterschiede sind eine der Ursachen dafür, dass es gegen die geplante Zusammenlegung der Ausbildung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege weiterhin große Widerstände gibt.

          Bedenken bezüglich neuer Ausbildung

          Ihr Ziel ist es eigentlich, die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Nach ihrem Abschluss könnten die Pfleger künftig leichter zwischen den verschiedenen Fachrichtungen hin- und herwechseln, lautet das Argument. Ein gewisser Druck auf die Altenpflege, höhere Gehälter zu zahlen, ist dabei durchaus gewollt. Doch das Vorhaben stockt, obwohl Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) den Gesetzentwurf schon vor einem Jahr durch das Bundeskabinett gebracht haben.

          Nicht nur die Vertreter der Altenpflege fürchten, dass der Nachwuchs ausbleibt, weil Schüler mit Hauptschulabschluss mit der neuen Ausbildung überfordert sein könnten. Auch Politiker der Unionsfraktion, die Arbeitgebervereinigung BDA und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben Bedenken. Ob die Reform noch vor der Bundestagswahl verabschiedet werden kann, ist fraglich.

          Personalbedarf wird steigen

          Dabei besteht auf allen Seiten Einigkeit, dass dringend etwas getan werden muss, um mehr junge Menschen in die Pflege zu locken. Schließlich wächst die Zahl der Pflegebedürftigen seit Jahren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Ende 2015 rund 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, 9 Prozent mehr als noch 2013. Bis zum Jahr 2060 könnten es schon 4,7 Millionen sein.

          Auch der Personalbedarf wird daher künftig steigen. Um wie viel, da gehen die Prognosen weit auseinander. Das Statistische Bundesamt rechnet mit 135.000 bis 214.000 zusätzlich benötigten Vollzeitkräften bis 2025, andere mit einem noch größeren Bedarf. Dass die Lücke größer zu werden droht, daran besteht jedoch kein Zweifel.

          Fachkräfte werden dringend gesucht

          Auch heute schon klagen Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste über Personalmangel. Allerdings gilt es dabei zu unterscheiden zwischen Helfern und Fachkräften. Erstere sorgen für Sauberkeit und Hygiene im Krankenzimmer oder helfen älteren Menschen beim Anziehen und der Körperpflege. Von ihnen gibt es in der Altenpflege sogar ein Überangebot am Arbeitsmarkt.

          Fachkräfte hingegen müssen zusätzlich nach ärztlicher Anordnung Medikamente verabreichen und den Gesundheitszustand überwachen. Wie Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, sind Stellenangebote für solche Fachkräfte in der Altenpflege im Schnitt 138 Tage vakant, 52 Tage länger als über alle Berufe hinweg. 19000 Stellen waren dem aktuellen Pflegebericht der Bundesregierung zufolge zuletzt unbesetzt.

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