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Corona und die Armut : „Wir haben die Wahl zwischen Gesundheit oder Geld“

Das Foto stammt von 2015, doch getan hat sich wenig: In Indien sind die hygienischen Bedingungen noch immer unzureichend. Hier wäscht sich ein Arbeiter mit einem Eimer Wasser auf einem Gleis. Bild: Reuters

Das Coronavirus zwingt die Armen in Asien und Afrika zu einer schrecklichen Entscheidung. Allein in Indien kann eine halbe Milliarde Menschen auf Zuruf entlassen werden, hat keine Krankenversicherung, keine Ersparnisse und kaum Zugang zu Ärzten.

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          Besser ist es, wenn Manish sich jetzt gar keine Sorgen macht. Besser ist es, wenn er nicht hört, was in den Gassen getuschelt wird, wenn er nicht auf die Titelseiten der Zeitungen blickt, wenn er im Handy nur noch Bollywood-Videos schaut, statt eine Nachrichtenseite hochzuladen. Denn Manish weiß, dass er kaum eine Chance hat, wird es ernst. Er ist 17 Jahre alt, und seit er zwölf war, arbeitete er in Dharavi – angefangen hat der Dorfjunge mit dem Sammeln von Abfällen in Indiens größtem Slum, bald aber schon durfte er eine kleine Fabrik leiten, in der Plastikschrott gehächselt und geschmolzen wird. Manish hat sich hochgearbeitet. Er hat ein Bett zum Schlafen, ein Bad mit anderen, in dem das Loch im Boden die Toilette ist. Er hat allen Widrigkeiten getrotzt und besitzt sogar ein Fahrrad. Doch gegen den unsichtbaren Feind Corona hat Manish kaum eine Chance.

          Christoph Hein
          (che.), Wirtschaft

          Seit Tagen grassiert auch in Indiens Wirtschaftskapitale Bombay das Coronavirus. Bislang galt es den Asiaten als „Krankheit der Reichen“ – im chinesischen Wuhan traf es zwar auch Arbeiter, dann aber die Millionärsmetropole Singapur, das reiche Europa, Australien und Amerika. Die Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens aber schienen auf wundersame Weise verschont. Burma, mit seiner 1400 Kilometer Landgrenze nach China, mit seinen Puffs und Casinos und Firmen der Chinesen, meldet keinen einzigen Fall. Kambodscha, fast ein Vasall Chinas mit Feriensiedlungen und Spieleparadiesen: kaum betroffen. Indonesien, die größte Volkswirtschaft der Region? In den Wochen, als die Fälle im benachbarten Singapur im Stundenrhythmus stiegen, blieb hier alles ruhig.

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