https://www.faz.net/-gqe-92pvd

Chinas Kommunisten-Kongress : Die Partei der Superlative

Die klassenlose Gesellschaft sei nur ein Ideal, sagt Su; sie würde gern alle Armut abschaffen. Su promoviert in Schanghai, einer Stadt mit mehr Porsche-Zentren als London. Sie hätte nichts dagegen, morgen abzureisen. Schanghai stresst sie, die Menschen, die vielen teuren Dinge, die man sich nicht leisten kann. Die sechs-Millionen-Stadt der Eltern in Chinas rückständigem Hinterland baut die erste U-Bahn-Trasse, Schanghais Metro hat bereits 14 Linien. Dies entschied die Partei: „Lasst einige zuerst reich werden“, hatte Deng Xiaoping gesagt.

Der chinesische Präsident Xi Jinping und seine Ehefrau Peng Liyuan auf einer Ehrentafel.

Der Parteichef

Zu ihrem Kongress hat die Partei ein Buch über Xi Jinping schreiben lassen, es kostet zehn Euro und trägt den Titel „Sieben Jahre als gebildeter Jugendlicher“. Xis Vater hatte an der Seite Maos gekämpft, nach Gründung der Volksrepublik diente er als Propagandachef und stellvertretender Ministerpräsident. Dank gab es dafür nicht. Aus Angst vor Opposition verbannte Mao Xis Vater und ließ ihn einsperren. Den Sohn schickte die Partei im Alter von 15 Jahren zu knochenharter Arbeit aufs Land und stahl ihm sieben Jahre seiner Jugend.

Im Buch liest sich das als Heldengeschichte: Nachdem Xi 50 Kilo schwere Lasten die Berge hinaufgeschleppt hatte, habe er des Nachts den Marxismus studiert. Einmal habe er das entlaufene Schwein einer armen Familie aufgespürt und zurückgebracht.

Warum ging Xi zur Partei?

Sieben Millionen Mal hat die Partei die 452 Seiten drucken lassen. Eine Frage beantworten sie nicht: wieso sich Chinas heutiger Führer bei der Partei, die seine Familie ins Unglück gestürzt hatte, um die Aufnahme bewarb – zehnmal hintereinander. Gegenüber dem Glockenturm in der alten Kaiserstadt Xi’an sitzt der Historiker Jia Juchuan in einer Hotellobby und glaubt die Antwort zu kennen. In seinen 66 Lebensjahren hat er Xis Vater oft besucht, die Partei hatte eine Biographie über ihren Helden bestellt.

Historiker Jia zeigt Fotos, auf denen er neben dem Sohn zu sehen ist, dem heutigen Präsidenten. Ein Mann am Nebentisch scheint zu lauschen, der Historiker wird nervös. Die Partei habe einen Spion geschickt, vermutet er. 2012 hatte der Biograph vor der Machtübernahme Xis einer ausländischen Zeitung ein Interview geben wollen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht seien ein Dutzend Geheimdienstagenten an seiner Wohnung aufgetaucht und hätten ihn verhört. Der Parteihistoriker möchte lieber im Hotelzimmer weiterreden.

Pekings Zensoren haben seine Biographie bearbeitet, was ihm gegen die Berufsehre geht. Auch der neue Heldenbericht über Präsident Xi sei lächerlich. Niemand könne sich an so viele Details erinnern. Bei seinem Zwangsaufenthalt auf dem Land sei Xi viel zu kaputt von der Arbeit gewesen, um auf Schritt und Tritt Marx’ Kapital zu verschlingen. Eines aber sei wahr: Trotz ihres Terrors sei der Präsident von der Partei besessen, heute wie damals. „Wir haben mehr an die Partei geglaubt als an unsere Väter.“

Weitere Themen

In Phuket stehen die Hotels leer Video-Seite öffnen

Tote Hose im Paradies : In Phuket stehen die Hotels leer

Weil immer weniger Chinesen auf Phuket Urlaub machen, stehen die Hotelzimmer auf der thailändischen Ferieninsel leer. Das wiederum macht die Region billiger für Reisende.

Topmeldungen

Brexit-Reaktionen in Brüssel : Demonstrative Gelassenheit

Das nächste Brexit-Chaos in London? In Brüssel gibt EU-Ratspräsident Donald Tusk einen gelassenen Ton vor. Bis zur Entscheidung über das Verlängerungsschreiben werden wohl noch einige Tage vergehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.